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Fahrtbericht : Das Erfolgsgeheimnis heißt einfach: Qualität

  • -Aktualisiert am

Frontansicht des Avensis in Athen, 2003 Bild: AP

Der Mittelklasse-Kombi Toyota Avensis Sol kann selbst Anspruchsvolle überzeugen. Im Wesen europäischer und im Design moderner geworden sorgt er für noch mehr Kundenzufriedenheit als bisher.

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          Der Topmanager - im Gesichtsausdruck Ex-VW-Chef Piëch nicht unähnlich - ist stocksauer. "Wissen Sie", bellt er seinen versammelten Stab an, "was mir an diesem Wagen nicht gefällt? Daß er nicht von uns ist." Wie das Konkurrenzprodukt heißt, das der Boß zuvor ausgiebig getestet hatte, daran läßt der Fernseh-Werbespot keinen Zweifel: Toyota Avensis, das in England gebaute Mittelklassemodell des japanischen Auto-Riesen. Vom echten Ferdinand Piëch weiß man, daß er nur einen Wettbewerber - technisch wie wirtschaftlich - als Vorbild anerkannte: eben Toyota. Den Außenstehenden verwundert das eher. Wie kann man, fragt er sich, mit einem so konventionellen Programm und meist langweiligen Autos derart erfolgreich sein und soviel Respekt einsammeln? Und müßte dann Toyota nicht auch in Deutschland mindestens den Marktanteil von Volkswagen haben?

          Nun, einer Importmarke wird das so schnell nicht gelingen. Global gesehen steckt Toyota aber Volkswagen locker in den Sack. Wer das Erfolgsgeheimnis des japanischen Hauses lüften will, muß sich nur den Avensis genauer anschauen und nachlesen, was über Kundenzufriedenheit und Pannenfreiheit in den einschlägigen Statistiken steht. Schon die Karosserie strahlt, für jeden sichtbar, eine in sich ruhende Gediegenheit aus: Ob Spaltmaße, ob Lackierung, ob Finish in den entlegensten Ecken - hieran muß sich orientieren, wer unterhalb der Luxusklasse zur ersten Qualitäts-Liga zählen will. Und die Sorgfalt im Detail, die hinter den Spitzenplätzen Toyotas bei der Alltagszuverlässigkeit steht, muß man seinen Konstrukteuren, Werkern und Prüfern erst einmal beibringen. Wir jedenfalls ziehen den Hut vor dem Avensis, einem Auto, das durchaus nicht perfekt ist, aber unerschütterliches Vertrauen um sich verbreitet. Mit ihm würden wir keinen Kilometer fürchten.

          Ein siebter Airbag und viel Platz

          Den jetzigen Avensis gibt es seit dem vergangenen Frühjahr. Geblieben ist es beim Trio der Versionen: Viertürer mit Stufenheck, mit Heckklappe und in Kombi-Form. Wir fuhren die dritte, universellste Karosserie-Variante. Der Kombi hat nicht nur ein markanteres und mehr europäisch bestimmtes Design als sein Vorgänger, er ist auch in allen Dimensionen gewachsen. Sieben Zentimeter mehr Radstand, zehn Zentimeter mehr Außenlänge (jetzt 4,70 Meter) und fünf Zentimeter mehr Breite - das mußte dem Nutzraum guttun. In der Tat sitzt man im Avensis vorn wie hinten (dort auch zu dritt) sehr bequem, obwohl die Tiefe der Rückbank und die Höhe ihrer mittleren Kopfstütze zu wünschen übriglassen.

          Die nach hinten deutlich ansteigende Gürtellinie gibt den Fondpassagieren ein Gefühl der Geborgenheit, ohne ihre Sicht allzusehr einzuschränken. Der Fahrer empfindet da eher Defizite, vor allem nach hinten lenkt er ins Ungewisse. Um so erfreulicher ist der Blick nach vorn, auf ein vorbildlich aufgeräumtes Armaturenbrett mit optimal (dauer)beleuchteten Instrumenten und einem an günstigster Position automatisch ausfahrenden Farbbildschirm des (2.400 Euro Aufpreis kostenden) DVD-Navigationssystems. Die Klimaautomatik, die bei den gehobenen Ausstattungsstufen Sol und Executive statt der normalen Klimaanlage ebenso serienmäßig ist wie vier elektrische Fensterheber, Regensensor und automatisch abblendender Innenspiegel, läßt sich nach Seiten getrennt regeln und temperierte den Innenraum jederzeit tadellos, beim Diesel wird sie winters von einem Zuheizer unterstützt. Zu den sechs Airbags gibt es als Weltneuheit einen siebten, der die Knie des Fahrers beim Aufprall schützt.

          Kompromisse zwischen Durchzugskraft und Ökonomie

          Ein Kombi muß mit Laderaum protzen können, und das tut der Avensis. Schon als Fünfsitzer bietet er 520 Liter, und wenn Rückbank und Lehne, ungleich geteilt, zu einer ebenen Fläche umgeklappt sind, passen maximal 1.500 Liter ins Gepäckabteil. Leider schwingt die Heckklappe nicht weit genug nach oben, es droht Kopfkontakt. Unter einem flachen Zwischengeschoß, in dem Dinge unsichtbar verstaut werden können, findet man - zweite Enttäuschung - nur ein Not-Ersatzrad vor. Ausreichend ist die Zuladung (bei unserem Wagen 460 Kilogramm), die Anhängelast könnte aber höher sein als 1.300 Kilogramm.

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