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Fahrtbericht Dacia Sandero : Innere Größe für ganz kleines Geld

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Der Sandero 1.6 MPI der Renault-Tochter Dacia bietet solide Eigenschaften für Basismobilität. Viele Komfortdetails weist der nicht unschicke Viertürer allerdings nicht auf. Heißere Emotionen weckt der Dacia allerdings nur beim Blick auf den Kontostand.

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          Frère Jacques singen die Franzosen bei Renault vergnügt. Und Bruder Jakob läutet da nicht nur die Glocken der schlichten Glückseligkeit, sondern in Zeiten von Finanz- und Autoabsatzkrise auch noch mit durchaus wohlklingendem Ton. Der Bruder ist dabei weder heilig noch eilig, sondern gehört in die Riege der billigen Jakobs und ist nach der ehemaligen römischen Provinz Dakien benannt.

          Dacia lautet der Name der rumänischen Tochtergesellschaft von Renault, die in kurzer Zeit drei verschiedene Modelle auf den Markt gebracht hat. Jüngstes Kind ist der Sandero, ein Auto der Kompaktklasse mit einem ebensolchen Preis. Genau 10.000 Euro kostet das Spitzenmodell mit einem 1,6-Liter-Benziner. Ein Diesel ist nicht im Angebot, der würde vermutlich den straff gespannten Preisrahmen sprengen.

          Tendenz zu ausladenden Verglasungen

          Der Sandero, um eine Fingerbreite länger als vier Meter, schaut mit einem aller Welt gefälligen Lächeln auf die Straße. Die großen Scheinwerfer rahmen einen sachlich gezeichneten Kühlergrill ein und folgen der Design-Tendenz zu ausladenden Verglasungen.

          Die sachten Ausformungen geben den Radhäusern einen kräftigen Charakter, ein kecker Kniff an den Flanken der Rückleuchten schiebt den Viertürer optisch an. Das Heck will nichts weiter sein als das hintere Ende eines Kompaktwagens und fällt deshalb weder unangenehm noch durch markante Linienführung auf.

          1,75 Meter breit ist der jüngste Dacia, bei einer Höhe von 1,53 Meter. Dieser Wert sticht aus den üblichen Formaten der Klasse heraus. Um rund fünf Zentimeter übertrifft er die Höhe eines VW Polo oder des bisherigen Golf. Das führt zu Raumgewinn im Innern, vor allem aber erlaubt es eine erhabene Sitzposition.

          Guter Ausblick auf Karosserie

          Am Volant des Sandero genießt der Chauffeur einen überdurchschnittlich guten Ausblick auf die Ecken der Karosserie, in Ermangelung eines Parkpiloten eine sehr willkommene Tugend. Um den Sitzkomfort selbst steht es nicht so gut. Die Sessel bieten nur wenig Seitenhalt, auf langen Strecken beginnt es irgendwann am Ende des Rückens zu schmerzen, überhaupt braucht es Geduld und Kompromissbereitschaft, um eine pässliche Position am Lenkrad einzustellen.

          Das Interieur macht zunächst einen sehr appetitlichen Eindruck. Matt silbern glänzen Einlagen in den Türverkleidungen und an der Mittelkonsole, lockern die sonst eher düstere Atmosphäre des Innenraums auf.

          Bezüge kalt und hart

          Große Erwartungen an die Haptik, also die Berührungssympathie, dürfen die Mitfahrer im Sandero allerdings nicht stellen. Kalt und hart fassen sich Bezüge und Verkleidungen an. Besonders die beiden recht unglücklich in der Mittelkonsole positionierten Taster für die elektrischen Fensterheber wirken wie in tristen Gewölben der Karpaten-Schlösser aus dem Vollen geschnitzt. Schnell wird deutlich: Immer wenn der kompakte Dacia versucht, einen Hauch von Luxus zu beschwören, geht das Engagement gründlich in die Hose.

          Einfach, aber funktional ist die übrige Ausstattung, die Bedienung stellt keine besonderen Ansprüche an den Fahrer. Einzig die Steuereinheit der Belüftung mit der aufpreispflichtigen manuellen Klimaanlage (1200 Euro) ist weit unten in der Mittelkonsole untergebracht, man muss jedes Mal nach unten schauen, wenn man die Einstellung ändern will.

          Ablagemöglichkeiten bietet der Sandero in gerade noch akzeptabler Zahl, immerhin ist die Größe des Handschuhfachs wohlbemessen, die Türtaschen müssen selbst bei antiquierten Straßenatlanten nicht kapitulieren (heute sucht wohl eher die CD-Sammlung für unterwegs eine Unterkunft), der Becherhalter auf dem Mitteltunnel verspricht viel und hält nichts.

          Kräftezehrende Ladekante, anständiger Stauraum

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