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Fahrtbericht Dacia Duster : Die zweite Entdeckung der Bescheidenheit

Bild: F.A.Z., Hersteller

Dacia hat sich als feste Größe auf dem deutschen Markt etabliert. Mit dem Duster mischen sie jetzt bei den SUV mit. Empfehlen kann man den Geländewagen nur bedingt. Der kraftlose Motor, der hohe Verbrauch und die teigige Schaltung überzeugen nicht.

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          Alles ist relativ - schon die bisherigen Dacia hatten uns gezeigt, dass man Autofahren nach höchst verschiedenen Kriterien beurteilen kann. Es muss nicht immer Hochglanz und Leder sein, Bescheidenheit tut gut und schont den Geldbeutel.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Bei dem in Rumänien gebauten Duster setzt man abermals auf dieses bewährte Konzept, aber dieses Mal haben die Gestalter eine Hülle gezeichnet, die überhaupt nicht nach Verzicht aussieht, sondern den Dacia in Sachen Design in die erste Liga katapultiert. Wenn man noch 600 Euro in das „Look-Paket“ investiert, gilt das umso mehr.

          Preis
          Preislichen Spielraum nach oben gibt es reichlich. Der Basistarif für das 4,31 Meter lange, geräumige SUV mit 1,6-Liter-Benziner (77 kW/105 PS) beläuft sich auf 11.900 Euro, selbst als „Lauréate“ (mit Seitenairbags, Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern vorn, Dachreling, Klimaanlage, elektrisch verstellbaren Außenspiegeln und einigem mehr) kostet der Duster nicht mehr als 13.400 Euro, dann fehlt nur noch das CD-Radio (350 Euro) und für den schönen Schein der Metallic-Lack (450 Euro).

          Ambiente
          Zur Bescheidenheit gehört freilich, dass man auf Allradantrieb verzichtet und sich mit Vorderradantrieb begnügt - andernfalls sind weitere 1800 Euro fällig. Und so attraktiv der Duster von außen auch ist: Sobald man sich hineinsetzt, merkt man sofort, dass Schmalhans Küchenmeister ist.

          Bild: F.A.Z.

          Die Türen fallen blechern ins Schloss und fühlen sich wenig solide an, das Armaturenbrett ist nicht hässlich, aber überall dominiert einfacher Kunststoff, die Sitze wirken nicht so, als würden sie in fünf Jahren noch in Form sein. Sitze mit Leder (nur auf der Mittelbahn) kosten 600 Euro, dann sind auch Lenkrad und Schaltknauf geledert (einzeln 150 Euro). Letzteres würden wir empfehlen, denn diese beiden Teile fassen sich nicht sehr angenehm an.

          Innenraum
          Funktional gibt es aber nichts zu bemängeln, die Bedienung ist einfach. Als störend mag man vielleicht empfinden, dass die Schalter für die Seitenfenster in der Mittelkonsole sitzen und nicht an den Türen. Die Karosserie ist sehr übersichtlich, heute ein eher seltenes Attribut. Und Platz ist reichlich im Dacia, selbst auf der Rückbank, die durchaus für drei taugt, auch wenn sie ein wenig zu tief über dem Boden sitzt.

          Kofferraum
          Nach dem Umlegen der asymmetrisch geteilten Lehne ergibt sich ein gut 1,70 Meter langer Laderaum mit einer störenden Stufe, das maximale Ladevolumen von 1636 Liter kann sich sehen lassen. Selbst als Fünfsitzer kann der Dacia ordentlich einpacken: 475 Liter. Das Ladeabteil ist schön glattflächig, billig und labbrig jedoch ist die Laderaumabdeckung. Platz für ein vollwertiges Reserverad ist unter dem Heck, die 50 Euro Aufpreis dafür lohnen sich auf jeden Fall.

          Beschleunigung und Getriebe
          Ob sich der Benzinmotor als guter Kauf erweist, scheint uns nach mehr als 2400 Kilometern mehr als zweifelhaft. Kurz gesagt: Der Duster ist lustlos, lahm und laut. Dazu kommt eine extrem teigige Schaltung, die das Einlegen der Gänge immer wieder zum Erlebnis macht. Es sind im Übrigen nur fünf, ein sechster wäre zwingend nötig, um den Lärmpegel bei höheren Geschwindigkeiten zu senken. So aber liegen bei Tacho 140 km/h schon 4300 Umdrehungen in der Minute an, und schon von 120 km/h an gibt es reichlich auf die Ohren. Wer auf dem Gas bleibt, schafft es bis Tacho 175 (bei 5500/min), unser Duster war sogar etwas schneller als die angegebenen 164 km/h Höchstgeschwindigkeit.

          Doch es kostet viel Energie, über weite Strecken so schnell zu fahren. Das gilt nicht nur für die Besatzung, sondern auch für den Spritkonsum. Der Motor ist angesichts der großen Stirnfläche und des Fahrzeuggewichts von gut 1,2 Tonnen nachhaltig beschäftigt, entsprechend mäßig sind die Elastizitätswerte für die Beschleunigung von 50 bis 100 km/h im vierten und fünften Gang: 15,3 und 20,4 Sekunden.

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