https://www.faz.net/-gya-y8j3

Fahrtbericht Dacia Duster : Die zweite Entdeckung der Bescheidenheit

Verbrauch
Der hohe Lärmpegel hat freilich auch sein Gutes: Man fährt selten schneller als 140 und sorgt damit für einen einigermaßen akzeptablen Verbrauch. 8,9 Liter Super im Schnitt sind aber nach heutigen Standards selbst für ein Benzin-SUV etwas viel, nach einer Start-Stopp-Anlage oder einer direkten Einspritzung nebst Turbolader, was sparen hülfe, darf man nicht fragen (auch eine Getriebeautomatik ist nicht im Angebot, bei den Dieseln ebenfalls nicht).

Motoren
Der Motor ist ein alter Bekannter aus den Renault-Regalen, der seit Jahr und Tag verbaut wird, aber immerhin schon ein Vierventiler. Man muss damit rechnen, dass der Benziner in der 4×4-Version ungefähr einen halben Liter mehr benötigen wird und dazu an „Spritzigkeit“ verliert.
Der Diesel mit 1,5 Liter Hubraum scheint uns daher die bessere Alternative für den Duster zu sein, er dürfte den Wagen lebendiger machen und trotz Allrads mit zwei Liter weniger auskommen. Er hat bei gleicher Leistung deutlich mehr Drehmoment (240 statt 148 Nm).

Wer das Topmodell mit 4×4 und Partikelfilter ordert, zahlt 17.200 Euro (als Prestige 18.200 Euro) und ist dann preislich immer noch meilenweit von der Konkurrenz entfernt. Nur für diesen Diesel-Duster kann man ein ESP bekommen (300 Euro Aufpreis). Das liegt daran, dass Renault bei diesem Modell auf 4×4-Technik von Nissan zurückgreift, und ESP ist dort vorgesehen.

Fahrverhalten
Bei den anderen Duster-Versionen wäre ein ESP aufgrund der starken Seitenneigung in schnell gefahrenen Kurven freilich ebenfalls schon vom Gefühl her eine schöne Zusatzversicherung. Wenigstens animiert der Duster unterwegs auf der Landstraße niemanden, an die Grenzen der Physik zu gehen. Dazu ist das Lenkverhalten (Servo ist aber Serie) zu indirekt, das Auto zu schwerfällig. Zudem neigen die Vorderräder bei hoher Leistungsanforderung schon beim geringsten Nass auf der Straße zum Durchdrehen.

Alles in allem ist der Duster jedoch gutmütig und überfordert niemanden. Wichtig: Die Bremsleistung ist allenfalls mäßig. Andere Autos der Klasse stehen bei Vollbremsungen aus 100 km/h einfach schneller, was freilich mit dem vorhandenen ABS nichts zu tun hat.

Technisch gesehen ist der Duster ein Mix aus vielen Modellen, 57 Prozent der Teile stammen zum Beispiel aus dem Sandero, der sich wiederum bei „alten“ Renault-Familien bedient. So kam er zu einer Verbundlenker-Hinterachse (die 4×4-Versionen haben eine aufwendigere und modernere) und zu Trommelbremsen an den Hinterrädern - ein Relikt aus der automobilen „Steinzeit“. Ordentlich ist der Federungskomfort. Mit seiner weichen Abstimmung nimmt der Dacia schlechten Straßen ihren Schrecken.

Tanken
Sehr zeitraubend ist das Volltanken. Nach dem ersten Abstellen der Zapfpistole kann man dem Behältnis noch reichlich zwölf Liter einträufeln - wenn man Zeit hat. So tankten wir einmal 57 Liter, obwohl Dacia nur ein Volumen von 50 Liter angibt. Lohn der Geduld ist eine Reichweite von 650 Kilometer, bis die Warnlampe aufleuchtet.

Fazit
Bei aller Kritik am Duster: Es ist kein Problem, den automobilen Alltag einer vierköpfigen Familie mit diesem Auto zu bewältigen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Wir haben die neue Bescheidenheit schon einmal im Dacia Sandero entdeckt und fanden sie jetzt wieder. Mit den aufgezählten Schwächen muss man freilich leben können. Aber wie sagte einer der vielen Interessenten, die uns auf die schicke Schale des Duster ansprachen: „Ach, bei meinem Mercedes (es ist ein Vito) ist die Schaltung auch nicht viel besser.“ Es kommt immer auf den Standpunkt an. Ob der Diesel die erwarteten Verbesserungen bringt, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt berichten.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 13.400 Euro
Preis des Testwagens 14.450 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, vier Ventile je Zylinder, 1598 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 77 kW (105 PS) bei 5750/min

Höchstes Drehmoment 148 Nm bei 3750 min, 90 Prozent davon ab 2000 bis 5000/min

Manuelles Fünfganggetriebe

Antrieb auf die Vorderräder, Allradantrieb gegen Aufpreis

Länge/Breite/Höhe 4,31/1,82/1,70 Meter

Radstand 2,67, Wendekreis 10,44 Meter

Leergewicht 1160 (tatsächlich 1230), zulässiges Gesamtgewicht 1710, Anhängelast 1200 Kilogramm, Kofferraumvolumen 475 bis 1636 Liter

Reifengröße 215/65 R 16

Höchstgeschwindigkeit 167 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 12,0 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 15,3/20,4 s

Verbrauch 8,6 bis 9,2, im Durchschnitt 8,9 Liter Super je 100 km; 177 g/km CO2 bei Normverbrauch von 7,5 Liter; Tankinhalt 50 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 19, TK 18, VK 18

Garantie drei Jahre oder 100.000 Kilometer, zwei Jahre auf den Lack, sechs Jahre gegen Korrosion, Wartung alle zwei Jahre oder alle 30.000 Kilometer

Weitere Themen

Topmeldungen

Eine Schülerin einer Abschlussklasse wird im Impfzentrum an der Messe München geimpft.

Leopoldina-Forscher Falk : „Klappe halten, impfen lassen“

Spitzenforscher Armin Falk fordert eine Impfpflicht und findet, dass der Impfstatus bei der Triage eine Rolle spielen sollte. An Politiker, die sich nicht impfen lassen, hat er eine klare Ansage.
Die Detonation hatte sich am Dienstagmorgen in einem Tanklager des Chemparks – einem Gelände mit Chemie-Unternehmen – ereignet.

Nach Explosion in Leverkusen : Das Dioxin danach

Zwei Tage nach der Explosion in einer Müllverbrennungsanlage haben Einsatzkräfte drei weitere Menschen tot in den Trümmern gefunden. Zwei Menschen werden weiter vermisst.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.