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Fahrtbericht Citroën C4 Aircross : Wenn der Franzose japanisch lächelt

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Die Crossover-Version der C4-Baureihe von Citroën basiert auf dem ASX von Mitsubishi. Die Franzosen haben gute Arbeit geleistet, aber der Wechselkurs lastet auf dem Preis.

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          Manche meinen, der Etikettenschwindel habe auch seine guten Seiten. Nur so ließen sich unter wirtschaftlichem Druck die Sortimente einzelner Marken füllen. Dass ein Opel Combo eigentlich von Fiat stammt und von den Italienern als Dobló angeboten wird, mag dem Malermeister mit traditioneller Freundschaft zur Marke mit dem Blitz gefallen.

          Bei einem Nutzfahrzeug wollen wir das noch tolerieren, mit innovativer Ingenieurskunst hat das jedoch nichts gemein. Bedenklicher wird das Verwirrspiel bei Autos, die Emotionen wecken sollen. Gerade im Segment der kompakten SUV, in dem Angebot wie Nachfrage ständig wachsen, spielen Design und Charakter eine wesentliche Rolle.

          Vorbild

          Da aber jeder Hersteller in dieser Klasse dabei sein will, auch wenn er sich eine Eigenentwicklung derzeit nicht leisten kann, greift mancher auf die Konstruktionen anderer zurück und versieht den Wagen mit dem eigenen Markenzeichen.

          So behilft sich Citroën im Fall des C4 Aircross, eines kompakten SUV, das auf der Basis des Mitsubishi ASX entsteht. Die Veränderungen, mit denen aus einem Japaner ein Franzose wird, sind klein aber fein. Mit dem Doppelwinkel am Grill versehen, kostet die Basisversion des 4,34 Meter langen Viertürers 23.690 Euro, die gehobene Tendance-Ausstattung 25.490 Euro. Dafür gibt es einen 1,6-Liter-Benziner mit 86 kW (117 PS) und Frontantrieb.

          Sicht

          Der C4 Aircross beweist Alltagsqualitäten. Gute Übersichtlichkeit nach vorn und die zusammen mit Parksensoren und dem Navigationssystem für 2300 Euro angebotene Rückfahrkamera erleichtern das Rangieren und Einparken. Die Lenkung unterstützt die Übung mit Leichtgängigkeit, bei schneller Kurvenfahrt dagegen lässt sie es an Gefühl für die Fahrbahn vermissen.

          Antrieb

          Sehr wohl dagegen spürt man die Einflüsse des Antriebs. Zwar ist der Motor mit 154 Newtonmeter bei 4000/min kein Mauerbrecher, dennoch zupft es am Volant, wenn er beim Beschleunigen aus optimaler Drehzahl heraus die Muskeln spannt. Ein bescheidener Trost mag sein, dass dies bei der allradgetriebenen, fast 6000 Euro teureren Version des C4 Aircross auch nicht besser ist. Für den Aufpreis gibt es obendrein einen Diesel mit 84 kW (114 PS), die 4×4-Ausführung ist für den (einzigen) Benziner nicht vorgesehen.

          Beschleunigung

          Der Vierzylinder ist freilich kein Leisetreter. Er entwickelt in allen Lebenslagen ein kerniges Brummen, ab 3500/min ist es ein nerviges Dröhnen, die Konversation unterwegs endet lange vor der nächsten Tankpause in ermattetem Schweigen. Die Durchzugskraft des Benziners ist mäßig. Schon beim Anfahren verlangt das Spiel mit Gas und Kupplung viel Gefühl, wenn man ihn nicht absterben lassen will. Geduld braucht man auch bis zur Höchstgeschwindigkeit: Die 182 km/h erreicht der Citroën erst nach langem Anlauf und nur bei günstigen Windverhältnissen.

          Verbrauch

          Eile ist also kein guter Begleiter im C4 Aircross, zumal sie sich denkbar ungünstig auf den Verbrauch auswirkt. Wer den Schaltempfehlungen folgt und den Wagen gemütlich rollen lässt, kommt mit durchschnittlich 6,4 Liter Benzin 100 Kilometer weit. Dieser Wert liegt zwar um einen halben Liter höher als die Normangabe, ist aber akzeptabel. Express-Fahrten führen zu etwa acht Liter, gemächliches Reisen über Land erfordert nur 5,2 Liter. In der Stadt unterstützt eine Start-Stopp-Automatik die Sparanstrengungen, mit den 63 Litern im Tank ist eine ordentliche Reichweite garantiert.

          Schaltung

          Die Schaltung zeigt sich manchmal schwergängig, dann wiegt der kurze Hebel schwer in der Hand, und die Zahnräder im Getriebe lassen sich nur mit Nachdruck in die gewünschten Kombinationen bringen. Die Abstimmung der einzelnen Übersetzungsstufen ist dagegen vernünftig ausgefallen. Der fünfte Gang taugt zum Dahinrollen in der Stadt, der Motor dreht bei City-Tempo mit knapp 1400/min.

          Federung

          Unüberhörbar ist das Abrollgeräusch der Reifen. Auf rauhem Belag ertönt ein kräftiges Rauschen, kerniges Poltern begleitet das Überfahren von größeren Unebenheiten. Dabei gehört die Federung noch zu den lobenswerten Eigenschaften des C4 Aircross. Sie bügelt viele der Asphalt-Defizite mit hinreichender Gelassenheit weg. Das ändert sich, wenn der Wagen schwer beladen ist. Dann wuppt der Citroën über lange Wellen wie einst der Jaguar-Express auf dem Jahrmarkt über seine Holzbohlen-Fahrbahn.

          Innenraum

          Im Innenraum hat Citroën mehr investiert als die Kollegen von Mitsubishi im Original. Etwas Klavierlack hier, ein paar Chromrähmchen dort schmücken das Interieur. Dunkel bleibt das Ambiente trotzdem, fast so, als würde das SUV Trauer tragen.

          Instrumente

          Die Instrumente sind gut ablesbar, die Bedienung fällt mit verwirrenden Beschriftungen und umständlichen Wegen durch allerlei Menüs des Kontrollmonitors an der Schalttafel nicht leicht. Vor allem die Fernbedienungstasten der Audioanlage am Lenkrad sind ungünstig angeordnet, immer wieder verstellt man unbeabsichtigt den Sender, wenn die Lautstärke zum besseren Verständnis der Verkehrsmeldungen erhöht werden soll. Bis man ihn umständlich wiedergefunden hat, sind sie meist vorüber.

          Sitze

          Die Sitze bieten guten Komfort, aber wenig Seitenhalt. Das Fehlen der stützenden Wangen an Hüfte und Schultern erleichtert allerdings das Ein- und Aussteigen. Ablagen finden sich in großer Zahl und schaffen Ordnung im Innenraum. Die Türtaschen haben angemessene Formate, Netze an den Rückseiten der Vordersitzlehnen gehören nicht überall zum Ausstattungsstandard.

          Kofferraum

          Ohnehin beweist der C4 Aircross ein erhebliches Talent als Packesel. 442 Liter fasst der Kofferraum, wer sich allerdings für das Reserverad statt Reifendichtmittel und Kompressor für den Pannenfall entscheidet, verliert etliches an Volumen. Das Rad hat zwar nur Notlaufeigenschaften und darf bis zu 80 Kilometer weit mit eingeschränktem Tempo (80 km/h) benutzt werden, hat aber dennoch ein unsinniges Gardemaß.

          Citroën C4 Aircross 1.6

          Die Laderaumabdeckung lässt sich leicht entfernen, weniger einfach ist es, eine ebene Ladefläche herzustellen. Um die Rücksitzlehnen umzuklappen, müssen die Sicherheitsgurte aus ihren Führungen gezogen werden, erst dann legen sich die Lehnen asymmetrisch geteilt nach vorn. Und auch nur dann, wenn die Kopfstützen nicht ausgefahren und die Vordersitze nicht zu weit nach hinten gestellt sind. Dafür gibt es eine niedrige Ladekante, die den Weg in den Kofferraum nicht versperrt, und eine Heckklappe, die weit nach oben aus dem Gefahrenbereich für das Ladepersonal schwingt.

          Fazit

          Der C4 Aircross ist ein guter Begleiter, vor allem weibliche Fahrer dürften an der hohen Sitzposition Gefallen finden. Emotionen weckt er dennoch kaum, da fehlt es, abgesehen von der markanten Frontgestaltung, an Charakterstärke. Was Citroën wiederum mit einer guten Ausstattung wettmachen möchte: Tempomat, Regen- und Lichtsensor, CD-Radio mit USB-Anschlüssen sowie eine Klimaautomatik machen das Bordleben angenehm und komfortabel. Was dann doch ein Lächeln der Zuneigung hervorlocken kann.

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          Daten und Messwerte

          Empfohlener Preis 25.490 Euro
          Preis des Testwagens 30.850 Euro

          Vierzylinder-Benzinmotor, vier Ventile je Zylinder, 1590 Kubikzentimeter Hubraum

          Leistung 86 kW (117 PS) bei 6000/min

          Höchstes Drehmoment 154 Nm bei 4000/min, 90 Prozent davon ab 3200 bis 4700/min

          Manuelles Fünfganggetriebe

          Antrieb auf die Vorderräder

          Länge/Breite/Höhe 4,34/1,80/1,63 Meter

          Radstand 2,67, Wendekreis 10,3 Meter

          Leergewicht 1380, zulässiges Gesamtgewicht 1870, Anhängelast 1100 Kilogramm, Kofferraumvolumen 442 bis 1219 Liter

          Reifengröße 225/55 R 18 98 V

          Höchstgeschwindigkeit 182 km/h

          Von 0 auf 100 km/h in 11,3 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 10,4/15,4 s

          Verbrauch 5,2 bis 8,1, im Durchschnitt 6,4 Liter Super je 100 km; 135 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,9 Liter; Tankinhalt 63 Liter

          Versicherungs-Typkl. HP 16, TK 18, VK 21

          Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, drei Jahre auf Lack, zwölf Jahre gegen Durchrostung

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