https://www.faz.net/-gya-10g70

Fahrtbericht Citroën Berlingo : Das pragmatische Prinzip des Pilzes

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Platz kann man nie zuviel haben - oder doch? Die Gesetze des Wachstums der zweiten Generation gelten wohl auch für den Citroën Berlingo, bei dem Prestige über Kartoffeln oder Rotwein definiert wird und dessen Form an einen Pilz erinnert.

          4 Min.

          Der Fortschritt fährt nicht immer in die richtige Richtung. Das kann man jetzt bei Citroën erleben, wo es einen neuen Berlingo gibt, der wieder eine Hoffnung zunichtemacht: Auf das einfache, leichte, praktische, unprätentiöse und großräumige Auto im kompakten Format, das ein paar Kratzer außen und den Inhalt eines Kleinkindmagens im Innenraum ohne Gesichtsverlust wegsteckt, darauf wird man nun bei Citroën weiter warten müssen.

          Natürlich kann der Berlingo II vieles besser als Berlingo eins. Dieser ist als „First“ noch zu haben, mit dem 1,4-Liter-Benziner (14.050 Euro) oder dem 1,6-Liter-Diesel (14.900 Euro) das unauffälligste Sonderangebot, das wir kennen.

          Gourmand ohne Aussicht auf Schlankheit

          So folgt Berlingo II den ungeschriebenen Gesetzen der Automobilentwicklung, die Wachstum für den Nachfolger vorsehen. Und dabei geht es hier nicht nur um eine einzige Konfektionsnummer: Der neue Berlingo driftet mit der Entschlossenheit eines dicken Gourmands, der die Aussicht auf Schlankheit endgültig verloren hat, nach oben ab, bei den Abmessungen wie beim Gewicht und beim Verbrauch, überall haben sich größere Ziffern durchgesetzt. Der Preis hat sich in erträglichem Maße erhöht, zumal Ausstattung und passive Sicherheit in der jüngsten Generation höher einzuschätzen sind.

          Wie sich der Berlingo verändert hat, das wird bei drei Gelegenheiten besonders deutlich: wenn man auf ihn zugeht, wenn man versucht, ihn einzuparken, und wenn man glaubt, ihn endlich bis in die letzte Ecke beladen zu haben. Denn dabei täuscht man sich meistens, irgendwo gibt es noch immer ein Fach, eine Untiefe oder ein Tal, das noch nicht gefüllt ist.

          Der Berlingo hat Ähnlichkeit mit einem Pilz

          Das Auto macht auf den ersten Blick deutlich mehr her, es wirkt gravitätischer, die Statur trägt jetzt einen breiteren Brustkasten, die Stirn wölbt sich höher, und Flanken sowie Hintern folgen einem Gestaltungsprinzip, das Attraktivität über Volumen definiert. In einigen Details ähnelt es einem Pilz, es gibt Wölbungen und Wucherungen, Rundlichkeiten und Knoten, Wachstum fand statt in allen Dimensionen und gleich im üppigeren Zentimeterbereich: Statt 4,14 Meter sind es jetzt 4,38 Meter, die sich der Berlingo zwischen Anfang und Ende seiner Karosserie gönnt.

          Und er ist höher und breiter geworden und auch schwerer: Im Vergleich zum Vorgänger muss man mit rund 150 bis 200 Kilo rechnen, das sind drei bis fünf gefüllte Kartoffelsäcke oder viele Flaschen eines durchaus annehmbaren Rotweins. Dennoch darf die Zuladung als stramm gelten, rund 600 Kilo kann man dem Berlingo aufbürden.

          Parklücken sind nicht sein Revier

          Parklücken und schmale Spindelwege in Parkhäusern sind nicht sein Revier. Beim Einparken macht sich in engen Straßen zudem der großzügig bemessene Durchmesser des Wendekreises von 12 Metern bemerkbar, Handlichkeit ist keine Stärke dieses Citroën. Von Nachteil ist auch, dass die Karosserie so übersichtlich ist wie die Tarifgestaltung bei den mobilen Telefonen. Dabei fällt negativ die sehr breite B-Säule auf, sie vereint den vorderen und hinteren Türrahmen und nimmt zudem noch einen Türgriff auf, exakt im Sichtfeld des schräg nach hinten äugenden Fahrers.

          Die Einparkhilfe im Parkpaket (320 Euro) wird da gerne genommen. Die Servolenkung macht ihre Sache gut, sie legt sich ausreichend kräftig beim Rangieren ins Zeug, liefert bei höherem Tempo zu wenig Präzision, hält jedoch Antriebseinflüsse vom Volant fern.

          Großzügiges Platzangebot für alle Passagiere

          Im Wortsinn größere Vorteile bietet der neu dimensionierte Berlingo beim Platzangebot. Das gilt für Passagiere und für Gepäck. Auf allen fünf Plätzen ist man erstklassig untergebracht, die Sessel sind gut gepolstert und ausreichend konturiert.

          Weitere Themen

          Der vergessene Pionier

          50 Jahre Volkswagen K 70 : Der vergessene Pionier

          Vor fünfzig Jahren begann mit dem K 70 für VW eine neue Technikepoche. Unter der selbsttragenden Ganzstahlkarosserie steckte ein fortschrittliches Fahrwerk. Passive Sicherheit wurde groß geschrieben.

          Kleine Elektroautos voll im Trend Video-Seite öffnen

          „Tiny Cars“ : Kleine Elektroautos voll im Trend

          Klein, bunt und so einfach aufzuladen wie ein Smartphone: die neue Generation der „Tiny Cars". Das Fahrzeug, das in Konkurrenz zu Fahrrädern und Scootern tritt, soll das nachhaltige Verkehrsmittel in den Städten werden.

          Topmeldungen

          Auf der Suche nach Yves Etienne Rausch: Ein Polizeihubschrauber über dem Waldgebiet nördlich von Oppenau

          Flüchtiger bei Oppenau : „Der Wald ist sein Wohnzimmer“

          Noch immer wird er gesucht: Dass sich vier Polizisten von einem „Waldläufer“ überwältigen ließen, sorgt für Belustigung. Polizei und Staatsanwaltschaft haben daher am Dienstag noch einmal detailliert geschildert, wie es dazu kam.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.