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Fahrtbericht Chrysler Crossfire : Das Beste aus zwei Welten kann man lieben oder lassen

Der Crossfire ist ein Auto zum Verlieben, mit Ecken und Kanten. Bild:

Mit dem neuen Crossfire hat Chrysler ein ziemlich heißes und faszinierendes Sportcoupé auf den Markt gebracht, das die Blicke der Passanten magisch anzieht.

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          Die Marke Chrysler bekommt in Deutschland einfach keinen festen Boden unter die Füße. Es ist kein Markenprofil erkennbar, zu unterschiedlich sind die Produkte: auf der einen Seite recht einfach gestrickte Personenwagen wie der Neon oder der Sebring, auf der anderen das Retro-Auto PT Cruiser oder der Urvater der Vans, der Voyager. Und den großen 300M, den gibt es tatsächlich noch, obwohl ihn keiner kauft. Marktrelevanz hat man hierzulande nur bei den Minivans.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Mit dem neuen Crossfire könnte sich das ganz schnell ändern. Mit Hilfe von Mercedes-Benz ist ein ziemlich heißes und faszinierendes Sportcoupé entstanden, das die Blicke der Passanten nahezu magisch anzieht. Lange nicht mehr haben wir so einen Eyecatcher gefahren wie den Crossfire. Kurz und knackig ist der Zweisitzer, und besonders scharf wirkt der Po, Verzeihung, das Heck mit seinem einmaligen Schwung durch die optische Verjüngung nach hinten. Für das Design gibt es sofort die Note 1, aber ein Auto sollte auch andere Stärken haben.

          Daß für Qualität die Grundvoraussetzungen gegeben sind, verbürgen sich nicht nur der Mercedes-Benz SLK (aus der ersten Generation), der das technische Rückgrat des Crossfire (samt 3,2-Liter-Motor) ist, sondern auch Karmann. Denn gebaut wird das "Kreuzfeuer" weder in Dearborn noch in Stuttgart, sondern in Osnabrück. Wahrscheinlich ist bis auf das Chrysler-Markenzeichen kein Teil von einem amerikanischen Zulieferer. Das Motto dieses Auto ist offensichtlich: Nimm das Beste aus zwei Welten. Also amerikanisches Design und deutsche Technik.

          Mag die Form noch so gelungen sein, sie verlangt von der Besatzung einige Opfer: Im Wagen ist zuwenig Platz. Wer größer als 1,85 Meter ist, sollte sich den Kauf reiflich überlegen, denn vernünftig sitzen kann er im Crossfire nicht. Aufgrund des stabilen Trennschotts zwischen Fahrgastraum und Kofferabteil lassen sich die Sitze nur bedingt nach hinten schieben beziehungsweise die Lehnen neigen (serienmäßig elektrisch). Mit 1,86 Meter Körpergröße paßt man so gerade noch in den Wagen, stößt aber fast an die Decke und nimmt mit dieser aufgrund der viel zu straffen Federung hin und wieder Kontakt auf. Der große Beifahrer sitzt sogar noch schlechter als der Pilot, er hat nämlich deutlich weniger Beinraum und muß die Beine ungewohnt stark anwinkeln.

          Daß der Crossfire ein verkappter SLK ist, spürt man im Innenraum sofort. Fast alle Hebel und Schalter sind so positioniert wie im Vorbild, ergo gibt es auch zuwenig Ablagen. Die Rundinstrumente sind allerdings etwas anders gestaltet, die Mittelkonsole glänzt silberfarben, ein CD-Radio ist serienmäßig. Ärgerlich ist, daß man die Temperatur der Klimaanlage mittels Rändelrad nur ungefähr einstellen kann; bei einem Auto dieser Provenienz sollte es eigentlich eine digitale Anzeige geben. Der Gesamteindruck ist technisch unterkühlt, tatsächlich kalt ist der Aluknauf des Schalthebels nach einer Winternacht unter der Laterne. Dafür ist eine Sitzheizung serienmäßig.

          Neben der Enge im Wagen hat das Design noch einen weiteren Nachteil: Man sieht sehr schlecht nach schräg hinten, und auf den Innenspiegel kann man wegen der sehr flachen Heckscheibe spätestens dann verzichten, wenn bei Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h automatisch der Heckspoiler ausgefahren wurde. Fürs Parken wünschte man sich eine akustisch tätige Parkhilfe, aber die gibt es (noch) nicht.

          Nächster Schwachpunkt ist das Kofferraumvolumen. 215 Liter sind auch für zwei Personen eher wenig, zudem gibt die beinahe waagerechte Heckscheibe ungehindert den Blick nach innen frei. Eine Abdeckung gibt es einfach nicht, obwohl sonst das Ausstattungsniveau gut bis sehr gut ist. Als Extras bestellen kann man bislang nur ein Fünf-Stufen-Automatikgetriebe (1400 Euro), eine Metallic-Lackierung (480 Euro) und ein Navigationssystem (1550 Euro). Manches, was vielleicht außerdem gewünscht wäre, zum Beispiel ein Schiebedach oder ein Telefon, gibt es aber weder für Geld noch gute Worte. Auch auf ein Reserverad muß man verzichten, es ist einfach kein Platz. Statt dessen gibt es die Pannenhilfe Tirefit. Zumindest ein Telefon mit Freisprecheinrichtung wird aber bald zu haben sein, verspricht man bei Chrysler Deutschland in Berlin. Gleiches gilt für die Parkhilfe.

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