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Fahrtbericht Chevrolet Epica 2.5 LT : Der ungetrübte Reiz des Preises

  • -Aktualisiert am

Bild: GM

Der Chevrolet Epica 2.5 LT Leganza glänzt mit opulenter Ausstattung und zeigt sich auch technisch durchaus zeitgemäß. Nur bei der Verpackung hapert es. So bleibt das schlagende Argument für den Ex-Daewoo der fast konkurrenzlose Preis.

          Evanda, Epica - so oft hat sonst kein Name eines Automodells gewechselt, selbst nicht in Korea. Doch wenn sogar die dahinterstehende Marke mir nichts, dir nichts von Daewoo in Chevrolet umbenannt wird, kommt es auf jenes bisschen Sprunghaftigkeit auch nicht mehr an. Die Kunstwörter markieren den Werdegang des Flaggschiffs im deutschen Angebot des Fernost-Herstellers, heute Teil des General-Motors-Konzerns. Der jetzt aktuelle Epica ist mit seiner knapp E-Klasse-Statur zumindest im Vergleich zu den Dickschiffen im amerikanischen GM-Sortiment nicht besonders eindrucksvoll.

          Doch in Europa gehört er schon zu den größeren Autos, und in der Tat kann er, was den Nutzraum betrifft, durchaus Mittelklasse-Ansprüche befriedigen. Sein eigentlicher Reiz ist allerdings viel vordergründiger: Ihn entfaltet der Preis. Die Top-Version des Epica, der 2.5 LT, wird für nicht mehr als 26.490 Euro verkauft. Was man dafür an Ausstattung (und an akzeptabler Technik) bekommt, stellt die gleich große Konkurrenz am deutschen Markt in den tiefen Schatten. Einen rauschenden Erfolg beim Käufer garantiert das erfahrungsgemäß noch lange nicht. Aber wer auf Image und erträglichen Wiederverkaufswert verzichten kann, darf ohne angehaltenen Atem zugreifen.

          Die größte Schwäche sind die Bremsen

          Der Epica ist ein gutes Beispiel dafür, dass man über Nobodies wie ihn nicht vorschnell die Nase rümpfen sollte. Er hat neben schwachen unbestreitbar starke Seiten. Dazu gehört zum Beispiel der Federungskomfort. Während die deutschen Straßen immer schlechter werden, ist bei den meisten Autos sportliche Härte angesagt. Nicht so beim Korea-Chevy. Er wird selbst mit rüden Attacken von der Fahrbahn her gut fertig, die Insassen werden weder durchgerüttelt noch auf Bodenwellen von den Sitzen gelupft. Ein wenig Poltern auf groben Unebenheiten wächst sich nie zu veritablen Durchschlägen aus, und auch das Abrollen auf rauhem Untergrund bleibt ausreichend geschmeidig. Ebenfalls wenig zu bemängeln gibt es beim Kurvenverhalten. Auf nasser Straße neigt der Epica zwar ein wenig zum Nach- außen-Schieben der Vorderräder, aber er leistet sich keine Hinterhältigkeiten etwa beim plötzlichen Gaswegnehmen.

          Auf ein ESP muss der Käufer im Moment noch verzichten, es soll demnächst serienmäßig kommen. Auch ohne das Stabilitätssystem bleibt das Auto gut beherrschbar. Die Lenkung ist zwar für den deutschen Geschmack zu leichtgängig, aber sie arbeitet exakt und liefert auch einen vorbildlich engen Wendekreis ab. Die größte Schwäche des Epica sind dagegen seine Bremsen. Ihr weicher und wandernder Druckpunkt ist störend, mehr als das aber ihr Mangel an Standfestigkeit bei hoher Beanspruchung. Hier Abhilfe zu schaffen ist mindestens so notwendig wie das Nachreichen des ESP. Besser bedacht wurde die passive Sicherheit: Sechs Airbags sind serienmäßig (am Beifahrersitz mit Belegungserkennung), ebenso zwei Isofix-Kindersitzhalterungen an der Rückbank.

          Reichlich Platz im Fond und einfache Bedienung

          In der nicht besonders aufregend gezeichneten Stufenheck-Karosserie des Epica - einziger Gag sind die weit herumgezogenen vorderen Leuchteneinheiten - verbirgt sich ein voll praxistauglicher Nutzraum. Im Fond ist sogar ein dritter Passagier ganz ordentlich aufgehoben, wie die beiden anderen genießt er bequeme Kniefreiheit, sollte aber besser kein Sitzriese sein, denn seine Kopfstütze ist als einzige zu niedrig und der Abstand zum Dach auch für seine Nachbarn knapp, ebenso wie die Höhe der Bank über dem Wagenboden. Für die Bezüge im Epica-Spitzenmodell wird ein stark knautschendes Leder verwendet, die vorderen Sessel (körpergerecht geformt, jedoch mit zu niedrigen Lehnen) sind beheizbar, der des Fahrers ist elektrisch einzustellen, freilich ohne Memory.

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