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Fahrtbericht BMW X3 : Mit „Luja, sog i“ in die zweite Runde

Fahrwerk
Das Fahrwerk nimmt es mit den Unbilden der Straße gern auf. Allerdings ist es nach der Härte im Vorgänger nun fast zu soft geraten. Vor allem auf Landstraßen wankt der Aufbau. Der X3 ist zwar nicht für die Kurvenhatz gemacht, aber mühelos flott unterwegs, da könnte mehr Ruhe nicht schaden. Wer eine sportliche Gangart bevorzugt, kann Performance Control hinzukaufen, die durch Drehmomentverteilung an den Hinterrädern für agileres Verhalten sorgen soll. Oder Scharfmacher für Fahrwerk, Gaspedal und die neue elektromechanische Lenkung anwählen. Richtig harmonisch ist uns auch das nicht vorgekommen.

Reifen
Seine liebe Mühe hat der BMW mit Längs- und Spurrillen. Denen folgt er auf den mächtigen, am Testwagen montierten Reifen der Dimension 245/50 R 18 so nervös wie Pirellis next Topmodel Karl Lagerfeld. Einmal haben wir unseren X3 freilich zu Unrecht verdächtigt, zu viele amerikanische Weichmacher abbekommen zu haben.

Er führte Eiertänze auf, und die Reifendruckkontrolle schlug Alarm, was leidgeprüfte Fahrensmänner mit dem Satz abtaten: „Das macht die bei BMW oft ohne Grund.“ Diesmal nicht. Ein Reifen hatte einen Schwächeanfall erlitten. So ließ sich erfahren, dass erstens nicht alle elektronischen Helfer überflüssig sind und es zweitens für dieses Auto an einem Februartag in Frankfurt und im Umkreis von 100 Kilometer keine Winterreifen gab.

Motor
Die Motoren bieten allesamt mehr Leistung und weniger Verbrauch. Zur Einführung hat BMW zwei Ottomotoren und den kleineren Diesel ins Aufgebot genommen, wobei die Sechszylinder-Benziner vor allem für Märkte außerhalb Europas gedacht sind, die noch nicht so sehr dem Spardiktat unterliegen.

Der von der Redaktion bewegte 20d passt mit seinen im Konkurrenzvergleich niedrigen 149 g/km CO2 in viele Dienstwagenordnungen, holt aus dem Vierzylinder 135 kW (184 PS) und wuchtet 380 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle. So liegen 100 km/h nach 8,5 Sekunden an, für Zwischenspurts auf dem Weg zur Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h steht beruhigender Durchzug bereit.

Allerdings darf niemand die Wucht und die Manieren eines Sechszylinders erwarten, den BMW im Mai nachschiebt. Der 30d liefert dann 190 kW (258 PS) und wird im Zusammenspiel mit dem hier serienmäßigen Automatikgetriebe das (allerdings schlanke 10.000 Euro teurere) Sahnestück der Palette sein.

Lautstärke
Der mit 1800 bar direkteinspritzende 20d ist dagegen ein eher rauher Geselle. An seiner Arbeitsweise lässt er keinen Zweifel, trägt Vibrationen (vor allem im Leerlauf und beim Ampel-Stau-Start-Stopp) in den zitternden Schaltstock und klingt unter Abforderung kräftiger Leistung etwas angestrengt. Immerhin hat er es mit 1715 Kilogramm Leergewicht zu tun, was im Vergleich zum Wettbewerb allerdings noch moderat ist.

Getriebe
Zudem muss der Zweiliter-Diesel serienmäßig mit einem handgeschalteten Sechsganggetriebe auskommen, der komfortablere neue Achtgang-Automat erfordert 2300 Euro extra. Die Entscheidung der Kunden spricht für sich. Schon im alten 2.0 d wählte zuletzt nur ein Viertel ein Schaltgetriebe. Das aktuelle Modell kommt nur noch auf 21 Prozent.

Verbrauch
Dafür erfreut der Motor mit gezügeltem Durst. Trotz permanentem Allradantrieb verbrauchten wir im Mittel 7,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer, mehr als 9 Liter sind nur mit Rücksichtslosigkeit drin. Auf einer Spar-Etappe flossen gar nur 6,6 Liter aus dem 67 Liter fassenden Tank.

Preis
Das schöne Paket hat freilich seinen Preis, wie immer bei BMW ist die Grundausstattung eine unsittliche Verführung. Der 20d steht mit 39.400 Euro in der Liste. Damit wird sich kaum jemand begnügen. Unser Testwagen kam auf 61.390 Euro und hatte noch Luft für weitere Wünsche. Die Kunden, da bleibt der X3 ganz X3, schreckt das wieder nicht. Die Lieferzeit beträgt derzeit sechs Monate.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 39.400 Euro
Preis des Testwagens 61.390 Euro

Vierzylinder-Dieselmotor mit Abgasturbolader, 1995 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 135 kW (184 PS) bei 4000/min

Höchstes Drehmoment 380 Nm von 1750 bis 2750/min, 90 Prozent davon zwischen 1500 und 3600/min

Manuelles Sechsganggetriebe, Achtgang-Automatik gegen Aufpreis

Permanenter Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe 4,65/1,88/1,66 Meter

Radstand 2,81, Wendekreis 11,9 Meter

Leergewicht 1715, zulässiges Gesamtgewicht 2290, Anhängelast 2000 Kilogramm, Kofferraumvolumen 550 bis 1600 Liter

Reifengröße 225/60 R 17 99 V

Höchstgeschwindigkeit 210 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 8,5 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang in 10,4/14,6/24,8 s

Verbrauch 6,6 bis 9, im Durchschnitt 7,5 Liter Diesel je 100 km; 149 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,6 Liter; Euro 5, Tankinhalt 67 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 20, TK 24 , VK 23

Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, drei Jahre auf Lack, zwölf Jahre gegen Durchrostung, Mobilitätsgarantie fünf Jahre, Wartung nach Intervallanzeige

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