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Fahrtbericht BMW X1 : Der Kompromiss als feiner Maßanzug

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Bild: Hersteller

Wenn BMW keine Nische mehr findet, wird eben eine erfunden. Das gilt besonders für den X1, der zum Speditieren wie zum Spurten taugt. Dennoch bleiben trotz des hohen Preises Wünsche offen - etwa bei Federung und Verbrauch.

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          Niemand betreibt zurzeit unter einem einzigen Markendach eine bessere Maßkonfektion: BMW hat sich über Jahrzehnte hinweg vor allem über den Dreier und den Fünfer definiert und dabei auf konservative Limousinen- und Kombiformen mit fortschrittlichster Technik gesetzt.

          Nun schillert die BMW-Welt so bunt wie nie zuvor: Man kann sich über den X6 entsetzen, am Fünfer-GT zweifeln und an der Vermehrung der Einser-Reihe verzweifeln. Aber X6 und GT sind erfolgreich, wenn auch nicht unbedingt in Pöseldorf oder Passau. Und die Einser holen die jüngeren Kunden fast schon am Kindergarten oder die ältere Klientel am Seniorenwohnheim ab. Wo es keine Lücke im Markt gibt, erfindet sie BMW einfach selbst.

          Jüngstes Ergebnis dieses Einfallsreichtums ist der X1. Zwar eine Zwischengröße, aber für viele Kunden ein Maßanzug: kein sperriger Geländewagen wie der X5 und kein geschrumpfter Offroader für die Kurvenhatz wie der X3 und kein knapp geschnittener Kombi wie der 3er-Touring, sondern ein herzhaft gesunder Kompromiss für jene Menschen, die auf der Suche nach ihrem idealen Lebensabschnitts-Auto sind.

          Design
          Das kommt auch jenen entgegen, die sich mit dem eher martialischen, am Rande unnötiger Aggressivität fahrenden Auftritt der X3 und X5 nicht anfreunden möchten. Der X1 ist kleiner, leichter, bescheidener, ein wenig rundlich und verschmitzt, fast schon devot offeriert er seine Talente, ein Diener seines Herrn, ein automobiler Michl Lang in der Rolle des verkauften Großvaters, der mehr kann, als man ihm zutraut. Aber der X1 ist ein ernsthaftes Auto mit Eigenschaften und kein Angehöriger des Komödienstadls.

          Motorvarianten
          Vom X1 gibt es derzeit sechs Varianten. Nur eine davon kommt mit einem Ottomotor, die anderen sind Diesel-Derivate, alle abgeleitet vom gleichen Vierzylinder-Vierventiler mit 1995 Kubikzentimeter Hubraum. Da gestattet sich BMW mit den Typbezeichnungen einen kleinen Etikettenschwindel, der xDrive28i hat einen Dreiliter-Reihensechszylinder, und ob die Selbstzünderversionen nun 18d, 20d oder 23d heißen, es ist immer die gleiche Maschine, die mit innermotorischen Maßnahmen auf mal weniger und mal mehr Leistung getrimmt wird. Die 18d und 20d gibt es auch als sDrive mit Hinterradantrieb, die xDrive-Varianten haben Allradantrieb und sind 2000 Euro teurer.

          Traktion
          Dafür gibt es Traktion in fast allen Lebenslagen, sofern sich diese nicht im Hochgebirge bei 70 Zentimeter Schnee oder im Hochwald auf sumpfigem Untergrund abspielen. Auch nasse Wiesen mit heftigen Steigungen und lehmigem Boden setzen dem Fortkommen manche Grenzen. Doch für verschneite Pässe, den gespurten Anstieg zur Hütte auf der Alm, wo es bekanntlich keine Sünde nicht gibt, oder für die sichere Fahrt bei winterlichem Wetter (trotz angeblicher Klimakatastrophe ziemlich häufig angetroffen im Spessart/Odenwald), dafür ist der X1 mit seiner gleichmäßig guten Traktion prima geeignet.

          Dafür sorgen eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung zwischen den Achsen, die den Kraftfluss regelt, sowie je ein Differential in Vorder- und Hinterachse. Von der Regelarbeit bekommt der Fahrer wenig mit, er genießt den schönen Vorwärtsdrang des X1 und konzentriert sich darauf, auf schneebedeckter Fahrbahn nicht zu schnell zu werden. Wichtig ist die Wahl der richtigen Bereifung, diese ist stärker als bei einem anderen Typ abhängig vom Einsatzprofil des X1.

          Preis und Ausstattung
          Der aufwendigste X1 ist jener Typ, den wir gefahren haben, und er ist kein billiger BMW: 38.800 Euro lautet der Listenpreis ohne Extras, und mit entsprechender Ausdauer beim Ankreuzen der Sonderausstattungen ist des Prüflings Gesamtpreis in Höhe von 54.440 Euro entstanden. Ob das eine unbillige Herausforderung für das Vermögen ist, der man sich stellen sollte, muss jeder selbst entscheiden, wichtig ist nur, dass zum Beispiel der zügig und höflich tätige Getriebeautomat beim 23d (Steptronic mit sechs Vorwärtsgängen) ebenso enthalten ist wie die Klimaanlage. Für die anderen X1 (Ausnahme sDrive28i) kostet die Steptronic 2050 Euro. Die wichtigen Sicherheitsdetails kommen serienmäßig.

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