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Fahrtbericht BMW Active Hybrid : Bayern Zwei

Bild: Hersteller

Aus München rollt eine Familie mit doppeltem Motor heran. Hybrid gibt es nun im 3er, 5er und 7er. Dem Elektroantrieb steht der feine Sechszylinder zur Seite. Das schafft souveräne Kraft, nur lohnt sich der Aufwand nicht.

          4 Min.

          Es gibt Momente, die verschieben die Erdachse. Zum Beispiel, wenn BMW unter dem Sportmarkennzeichen M plötzlich einen Diesel anbietet. Oder dieser: Einsteigen in ein Auto, das Freude am Fahren im Wappen trägt, Startknopf drücken und es passiert - nichts.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Kein dürstendes hecheln nach Weißbier (alkoholfrei), Brezn und Senf aus sechs Töpfen, kein Grummeln der furchtlosen Zurückhaltung, bis die Leine gelockert wird, einfach lautloses nichts.

          Beides bieten die Bayern als neueste Zutaten in ihrer 5-Reihe, wir nahmen uns zunächst der elektrisch unterstützten Version mit Namen Active Hybrid 5 (wie könnte ein Münchener auch passiv sein) an. Der, soviel sei vorab verraten, famose M Diesel folgt in einer der nächsten Ausgaben.

          Kennzeichnung

          Der 5er sieht aus wie ein 5er. Doch damit ein jeder merkt, was hier bewegt wird, hat BMW es gleich sieben Mal auf und ins Auto geschrieben: Active Hybrid5 prangt an Heck und C-Säulen und Einstiegsleisten, im Kofferraum und auf dem Motor, der erstaunlicherweise noch viel Platz unter der Haube lässt.

          Kofferraum

          Die Entwickler haben zur Unterbringung der Elektrotechnik Räume bis hinein ins Getriebegehäuse genutzt, die Lithium-Ionen-Akkumulatoren sind relativ sicher zwischen den Radhäusern im Kofferabteil untergebracht, wodurch dessen Volumen um 145 Liter auf 375 Liter sinkt, aber ohne störende Stufe bleibt wie etwa im Audi.

          Mehr als zwei Koffer kann die Familie dennoch kaum mitnehmen, außerdem entfällt die Durchreiche für längere Gegenstände, Skiurlaube wären fortan also mit Dachträger zu absolvieren.

          Startvorgang

          So steht er wartend da, der Hydrid in seinem wolkig schimmernden Bluewater-Sonderlack und meldet Einsatzbereitschaft. Sanft gleitet der Fuß ans Gaspedal, das ein Strompedal geworden ist, und die stattliche Limousine setzt lautlos zur nachhaltigen Mobilität an, als führten die Bayern das Wort Motor nur noch als scheue Reminiszenz an frühere Tage verschwenderischer Kraftstoffverbrennung im Namen.

          Zusammenarbeit der Motoren

          Aber dann, irgendwo auf dem grünen Weg bis 60km/h, geht der munter spurtenden Elektromaschine die Kraft aus, dann springt ihr der Otto zur Seite, und BMW ist wieder das, was es so gut kann, formidable Fortbewegung der souveränen Art verbunden mit einem Klang, der nicht der Vergangenheit angehören darf.

          Sie vertragen sich gut, die beiden Motoren, spielen harmonisch abgestimmt zusammen wie der FC Bayern in guten Tagen, nur manchmal nicht, dann ist es, als sei ein Querulant in der Mannschaft. Beim Beschleunigen mit mittlerer Vehemenz scheinen sich Benziner, Elektromaschine und die Achtstufen-Automatik bisweilen nicht recht einig zu sein, es ruckelt ungewohnt, eilig werden Gänge sortiert, der Benziner krächzt ein wenig, dann kommt das System wieder zur Ruhe, als sei nichts gewesen, und es verbleibt leichte Irritation. Wahrscheinlich ist nur zu verwöhnt, wer andere samtweich geschaltete 5er gewohnt ist. Oder es gibt Raum für Verbesserungen in der Welt des Hybrids, die noch mit anderen Hindernissen zu kämpfen hat.

          Verbrauch

          Da feilschen die Entwickler um jedes Gramm im Auto, und dann muss ein Hybrid her und mit ihm jede Menge Gewicht. 1951 Kilogramm kommen so schon leer zusammen. Dennoch wird ein Normverbrauch von 6,4 Liter auf 100 Kilometer attestiert. Das ist für eine Limousine dieser Leistungs- und Komfortklasse eine Sensation, die freilich am Alltag scheitert.

          Unser Exemplar kam auf einen Durchschnitt von 9,8 Liter, auch wenn ihm zugute gehalten werden darf, dass es auf kräftigen 18-Zoll-Rädern lief und üppig ausgestattet war. Der Vorteil gegenüber seinen konventionell betriebenen Pendants ist in der Praxis (nahezu) dahin.

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