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Fahrtbericht BMW 750i : Der Sieg der Frechheit über die Sturheit

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Der bayerische Mensch wird nicht mit Ideen, sondern mit Klapsen auf den Hinterkopf überzeugt. Diese sorgten für den neuen Siebener von BMW. Was für ein schönes Ergebnis.

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          Die Lebenslust des Barock kommt in 5,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, läuft bei Tacho 258 in die Watte des Abregelns, und der Fahrer muss dabei nur den Gasfuß gedrückt und die Straße sowie die Tankanzeige im Auge behalten: Der 750i ist meist nicht nur schneller, als man fühlt, sondern man glaubt fast immer, langsamer zu sein, als es ginge. Aber dem ist nicht so.

          Nach unserem ersten Fahrtbericht über den neuen 730d mit formidabler Knauserleistung beim Verbrauch hat uns ein gütiges Schicksal nun mit dem 750i versehen. Natürlich redet der prachtvolle Diesel im 730d dem Zeitgeist nach dem Mund, und unser jüngerer Kollege, der oft argumentiert „mehr Auto braucht kein Mensch“, der wäre mit der Selbstzündervariante sehr zufrieden. Aber der ältere Mensch gönnt sich gern noch ein Schäufelchen vom Luxus, weil er zu einer Generation gehört, die diesen einmal vermissen musste. Und da kommt der 750i gerade recht.

          Denn ein Siebener-Modellprogramm ohne Otto-V8, das ist wie Weißbiertrinken ohne den Kaiser. Oder ohne Waldi, den wir noch aus der Zeit kennen, als er Biergutscheine einsammelte.

          Und jetzt fahren wir im 750i und hören mit den alten Geschichten auf: Der V8 ist die standesgemäße Art der Fortbewegung im Siebener, zumal dieser nun als 760i einen neuen Zwölfzylinder erhalten hat und wir stolz Verzicht üben können und Bescheidenheit mit dem V8 demonstrieren. Aber die ist auch relativ.

          Denn dieser V8 ist der beste Siebener, nicht aller Zeiten, wie gern superlativig getönt wird, sondern einer Gegenwart, die durchaus eine Zukunft hat. Denn die Wandlung des aktuellen Siebeners zum muskulösen Designobjekt im Vergleich zu seinem kolossalen Vorgänger demonstriert nicht nur Luxus und Leistung und die Liebe zur Technik, sondern jene Eigenschaft des bayerischen Menschen, die zu seinen liebenswürdigeren gehört: Er liebt den frechen Kerl, der den drallen Jungfrauen das Busentücherl aus dem Balkon am Dirndl zaubert.

          So frech kommt der neue Siebener daher und gleichzeitig so respektabel, dass er auch den wenigen zur Sturheit neigenden BMW-Kerlen ohne Gesichtsverlust die Zustimmung zur neuen Körperlichkeit abringen konnte. Das ist nicht unwichtig, denn der Bayern-Mann ist stolz wie der Adler, der bekanntlich in großen Höhen einsam fliegt.

          Fast ein Schluckspecht

          So ist der neue Siebener auch ein Ausweis für Leistung und Leistungsbewusstsein der deutschen Autoindustrie. Hybrid hin oder her, der Benzin-V8 mag mehr verbrauchen und im Vergleich zum Knauserdiesel im 730d fast ein Schluckspecht sein, aber wenn man weniger damit fährt?

          Oder man bewegt den Siebener mit jener Zartheit, die sonst für das Schneiden eines Radis (Rettich) aufgewendet wird: Bei einer unserer Sparfahrten begnügte sich der 750i laut Bordrechner mit 9,8 Liter Super für 100 Kilometer, dann gleitet die Limousine mit etwa 130 km/h dahin und ist noch längst kein Verkehrshindernis.

          Schnelles Fahren fordert - nicht unerwartet - den Expresszuschlag: 16,5 Liter sind auf langen Sprintstrecken zu entrichten, meist kommt man auch bei zügiger Fahrweise mit weniger aus, unser Durchschnitt über 2077 Kilometer lag bei 14,2 Liter.

          Zornige Trompeten eines gestörten Elefanten

          Damit wird eine Limousine entlohnt, die in allen ihren Eigenschaften dazu geeignet ist, Maßstäbe zu setzen. Vor allem aber beim Antrieb. Der mit Biturbo gekräftigte V8 kann nur im Rahmen des technisch Machbaren zur Sparsamkeit angehalten werden.

          Aber gleichzeitig verbindet er Kraft und Komfort in bester BMW-Tradition: Laufkultur und Leistungsentwicklung gehören zum Besten, was man sich in der dünnen Luft der absoluten Oberklasse kaufen kann. 600 Newtonmeter an Durchzugskraft, die von 1800 bis 4800/min komplett anwesend und wachsam sind, verbünden sich bei Bedarf mit der Leistung von 300 kW (407 PS) zu einem Muskelpaket, das den einstigen Stier von Kochel zum Erbleichen gebracht hätte: exzellente Fahrleistungen, eine auf sehr rasch zu realisierende 250 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit und unter Volllast das zornige Trompeten eines im Zeugungsakt gestörten Elefanten emittierend, das sind nur einige Eindrücke von diesem Triebwerk.

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