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Fahrtbericht BMW 745d : Der große Diesel ist der wahre Luxus

Schminkspiegel im Dach: BMW 745d Bild:

Längst ist eine Oberklasse-Limousine mit einem Dieselmotor unter der Haube keine Ausnahme mehr. Im Gegenteil, sie wird fast zur Regel. Das Beispiel des 745d von BMW.

          Längst ist eine Oberklasse-Limousine mit einem Dieselmotor unter der Haube keine Ausnahme mehr. Im Gegenteil, sie wird fast zur Regel. Nicht nur bei BMW haben mehr als die Hälfte der in Deutschland verkauften Luxuslimousinen Triebwerke, bei denen die Verbrennung nach dem von Rudolf Diesel erstmals 1892 patentierten Prinzip funktioniert. Längst sind die Stinker, Lärmer und Schwächlinge von einst zu flüsternden Saubermännern geworden, die schnell rennen und dabei auch noch schwere Gewichte schleppen können.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das weiß man auch bei BMW. Dort hat man der 7er-Reihe vor knapp einem Jahr nicht nur ein Facelift gegönnt, sondern die Triebwerke kräftig überarbeitet. Der 4,5-Liter-V8-Diesel, der den alten 3,9-Liter-V8 ersetzte, wurde von Grund auf neu konstruiert. Schon die nackten Zahlen auf Papier lassen ahnen, daß keinerlei Leistungswünsche mehr offenbleiben. Beeindruckende 750 Newtonmeter Drehmoment stehen dem Fahrer zur Verfügung. Das sind 20 Nm mehr als beim Porsche Cayenne Turbo S (siehe untenstehenden Bericht), die 242 kW (329 PS) sind schon beinahe Nebensache. Kombiniert mit einer ZF-Sechsstufenautomatik, die der Perfektion ziemlich nahe kommt, erreicht das Fortbewegen im gut 2,1-Tonnen-Koloß jene Leichtigkeit des Seins, die man sonst nur von halb so schweren Autos kennt. Voll gefordert, beschleunigt der 745d in weniger als sieben Sekunden von null auf 100 km/h. Ist die Straße auch nur ein bißchen feucht, haben die Hinterräder Mühe, die Kraft auf die Straße zu bringen, so schnell kann die Traktionskontrolle gar nicht regeln. Mächtige Zwischenspurts sind in jedem Geschwindigkeitsbereich diesseits der 200 km/h möglich. Ja, dieser Motor ist einfach eine wahre Freude, zumal er sehr leise ist. Bei Laune und Drehzahl gehalten, grummelt er ein bißchen, ohne jemals lästig zu werden. BMW limitiert das Maximal-Tempo auf 250 km/h, die montierten Winterreifen ließen während unseres Kennenlernens nicht mehr als 210 km/h zu. In diesem Geschwindigkeitsbereich haben wir den Wagen jedoch ausgiebigst auf langen Strecken bewegt, die Kurbelwelle drehte sich dabei kaum öfter als 3500 Mal in der Minute.

          Daß der Motor so viel Spaß macht, ist zum großen Teil der Automatik zu verdanken, die eigentlich immer das Richtige tut und dabei so butterweich die Schaltstufen wechselt, daß man glauben könnte, man fahre ein stufenloses System. Wer will, kann die Schaltvorgänge über Lenkradtasten selbst bestimmen, wir wüßten aber nicht, wozu das gut sein soll - vielleicht ist es bergab mit Wohnwagen im Schlepp (2,3 Tonnen dürfen an den Haken) von Nutzen.

          Der alte Spruch vom Genuß ohne Reue kommt einem in den Sinn, wenn man nach vier Stunden und 25 Minuten Fahrt von Potsdam nach Heidelberg (600 Kilometer) an der Tankstelle vorfährt und nicht mehr als 67,8 Liter in den 88-Liter-Tank bekommt. 11,3 Liter auf 100 Kilometer durchweg bei hohem Tempo und Minustemperaturen, da kann man wirklich nicht meckern. Im Schnitt benötigte der BMW 10,6 Liter Diesel. Im Stadtverkehr ist der große Münchner aber kein Verbrauchswunder, die Werksangabe von 13,5 Liter auf 100 Kilometer ist der beste Beweis dafür.

          Aber für die Stadt ist der 7er nicht gebaut. Mit 5,04 Meter Außenlänge ist das Parkplatzfinden Glückssache, enge Parkhäuser erfordern einen aufmerksamen Fahrer. Dank der leichtgängigen und in jeder Situation sehr präzisen Servolenkung ist das Schiff zwar gut zu dirigieren, die Übersichtlichkeit der Karosserie läßt wie bei fast jeder neuen Limousine jedoch zu wünschen übrig. Eine Parkdistanzkontrolle kostet 750 Euro extra.

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