https://www.faz.net/-gya-omdy

Fahrtbericht BMW 740d : Auf der Suche nach den Grenzen des Üppigen

  • -Aktualisiert am

Münchener Nieren: BMW 740d Bild: Hersteller

Der 740d macht sich gut in der Oberklasse. Bärenstark und mit viel Limousinen-Charme, wie zum Beispiel Harmonie, Präzision und mühelosem Reisegefühl ist der BMW ein wahres Schlachtschiff.

          Irgendwo zwischen Herrenchiemsee und Neuschwanstein muß die Wahrheit verborgen liegen. Es ist die Frage nach dem Sinn der Üppigkeit und nach dem Inhalt des Überautos. Über viele Kilometer sind wir der Antwort hinterhergefahren, auf jeder Geraden sind wir ihr nahegekommen, an jeder scharfen Ecke ist sie uns wieder entwischt. Das Suchgerät war der 7er - wohl der größte BMW, der je gebaut wurde, mit Sicherheit jedoch die schwerste BMW-Limousine - und er wird nun auch von Dieselmotoren angetrieben. Besonders machtvoll gelingt das Streben nach vorn im 740d mit dem größeren von zwei Selbstzündern, einem V8 mit vier Liter Hubraum und 190 kW (258 PS), für 76.500 Euro steht er in der Preisliste. Diesel-Alternative ist im 730d ein Dreiliter-Sechszylinder mit 160 kW (218 PS) für 58.600 Euro.

          Über die wagnerianischen Formen des Spitzenmodells haben wir uns bereits an anderer Stelle geäußert, die Kombination mit dem Hyper-Diesel verleiht dem Wagen etwas Prickelndes. Denn nun gesellt sich zu 5,03 Meter Länge, gut 1,9 Meter Breite und einem Leergewicht von 2.180 Kilogramm das gewaltige Drehmoment von 600 Newtonmeter: Diese Kraft hätte noch vor gar nicht langer Zeit jedes herkömmliche Getriebe in einem Personenwagen zerrissen. Bei seiner Einführung im vorigen Jahr konnte BMW noch Superlative und Premierenanspruch reklamieren: der erste direkteinspritzende V8-Diesel in einer Serienlimousine, das erste sechsstufige Automatikgetriebe; mittlerweile haben andere Hersteller aufgeholt. Der nachhaltige Eindruck wird noch verstärkt, wenn der mit vier Ventilen in jedem Brennraum bestückte Motor mit dem Druck auf den Startknopf zur Arbeit gerufen wird. Er klingt immer noch wie ein Diesel, wenn man draußen steht. Nicht so metallen hämmernd wie frühere Aggregate dieser Bauart, eher konzentriert und wachsam, auf die eigene Befindlichkeit horchend, rasselt er vor sich hin. Zur Beschleunigungsmessung wird das DSC abgestellt, der rasche Druck aufs Gaspedal läßt es sonst sofort in Aktion treten. In 7,4 Sekunden, so die Werksangabe, sei der Sprint von 0 auf 100 km/h zu absolvieren. Daß wir das nicht schneller als 7,8 Sekunden schafften, mag am höheren Rollwiderstand der 18 Zoll großen Winterreifen gelegen haben, vielleicht auch am Leistungsverlust durch die Klimaanlage, deren virtuelle Abschaltfunktion in den Tiefen der iDrive-Menüs uns verborgen blieb.

          Wie von Zauberhand lange Strecken mühelos bewältigen

          Bei derlei energieintensiven Übungen schnalzt der Leuchtbalken der Verbrauchsanzeige wie der Blitz über die Skala, dennoch kamen wir auf unseren Fahrten über einen maximalen Wert von 11,8 Liter je 100 Kilometer zwischen zwei Tankstopps nicht hinaus. Dafür sorgte der kleinste erzielte Verbrauch für Begeisterung. Knapp unter neun Liter ergab die Berechnung, im Durchschnitt wurden daraus 9,9 Liter Diesel, was immer noch ein sehr guter Wert für einen schweren Oberklassewagen ist. Mit 88 Liter im Tank ist die Reichweite groß, eine der wichtigsten Anforderungen an einen Langstreckenläufer. Die Abgase entsprechen trotz optimierter Verbrennungsabläufe, mehrfacher Einspritzung bei jedem Arbeitstakt und dem von 1.350 auf 1.600 bar erhöhten Druck in der Zuleitung nicht den höchsten Ansprüchen. Der 740d erfüllt Euro 3, die Euro-4-Hürde wird er wohl erst mit einem Partikelfilter nehmen können.

          Weitere Themen

          Lunar Roving Vehicle Video-Seite öffnen

          Fahrtest auf dem Mond : Lunar Roving Vehicle

          Vor 50 Jahren landete der Mensch erstmals auf dem Mond. Wenig später waren schon die ersten außerirdischen Autofahrer unterwegs. Wir haben die Fahrt gedanklich nachgestellt.

          Topmeldungen

          Carola Rackete bei ihrer Festnahme im Juli in Porto Empedocle

          Verfahren gegen Kapitänin : Rackete muss vor Gericht aussagen

          Im Verfahren wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Widerstands gegen ein Kriegsschiff sagt Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete an diesem Donnerstag vor Gericht auf Sizilien aus. Die Gefahr einer Inhaftierung besteht wohl nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.