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Fahrtbericht BMW 645Ci : Das Coupé als Sportwagen mit sehr feinen Manieren

  • -Aktualisiert am

Bayerische Exaltiertheit: Das neue BMW 6er Coupé Bild: BMW

Der Coupé-Käufer ist ein Suchender nach Schönheit. Sonst würde er sich keiner Autoform auszuliefern, die für den Alltag nur Nachteile bringt. Und einen 645 Ci kauft er, weil er nicht nur Coupé, sondern ein BMW ist.

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          Der Coupé-Käufer ist ein Suchender. Denn im allgemeinen kauft man ein Coupé wegen seiner Schönheit. Welchen Grund sonst sollte es geben, wenn nicht die Suche nach Schönheit, sich einer Autoform auszuliefern, die für den Alltag nur Nachteile mit sich führt. Im besonderen kauft man einen 645 Ci, weil er nicht nur ein Coupé, sondern ein BMW ist. Außerdem wird das Coupé als Absage an die Form der Limousine gekauft, es ist der teure Ausweis für die finanziellen Fähigkeiten seines Eigners. Vielleicht ist das in Verbindung mit seinen BMW-Eigenschaften die Grundlage für seine Attraktivität. Denn wir glauben nicht, daß dieses Coupé schön ist. Es erscheint uns eher exaltiert.

          Gleichzeitig bietet es eine Kultur der Kraft und eine Dominanz der Dynamik, die man sehr selten findet. Die Idee vom wahren, schönen und guten Coupé wird transferiert in die Realität des potenten Sportwagens mit feinen Manieren, die schon in der Limousine angelegt sind. Der 645 Ci steht auf der modifizierten Bodengruppe des neuen 5er. Der Radstand ist elf Zentimeter kürzer, Länge und Breite sind ähnlich, das Coupé ist neun Zentimeter niedriger, Radaufhängung und Spur unterscheiden sich kaum, es wird viel Aufwand zur Gewichtsreduzierung getrieben, 1620 Kilo sind laut Fahrzeugschein dennoch versammelt, unser Exemplar kam tatsächlich auf 1685, das ist nicht wirklich wenig. Die Antriebstechnik stammt komplett aus der Limousine, und dennoch ist der Ci ein eigenständiges Auto. Dafür sorgt vor allem das Design.

          Die Partie der Scheinwerfer und der Kühlergrill erinnern an Bruce, den zynisch lächelnden, (meistens) vegetarisch lebenden Hai aus "Findet Nemo", und das Heck erscheint uns wulstig und schwülstig. Verzichtete man auf den dicklichen Kofferraumaufsatz, dann trüge das Coupé jenen schönen, schnellen Rücken, wie wir ihn von den alten Saab, den Porsche 911, vom Volvo 544 oder auch von Hunden kennen, die mit angestrengtem Blick ihr großes Geschäft verrichten. Ohne diesen Buckel des Quasimodo wäre der Ci gewiß heiterer und harmonischer, aber auch glatter und verwechselbarer. Am besten nähert man sich dem Coupé von der Seite, konzentriert sich auf die prachtvollen Proportionen und wendet sich weg vom Heck, öffnet die Tür und schlüpft hinein.

          Wobei es hier die Passagiere für die erste Reihe deutlich einfacher und besser haben. Der Einstieg gelingt mühelos, und die Sitze sind angenehme Aufenthaltsorte für lange Distanzen. Schon der Zugang nach hinten ist trotz der sehr breiten Türen (133 Zentimeter, was einen weiten Öffnungswinkel und wiederum einen großen Abstand zum Parknachbarn erfordert) beschwerlich. Zwei Sitznischen warten dort auf geschmeidige Menschen, es kneift und drückt überall, der Ci wird nur als Viersitzer ausgewiesen, besser, man interpretiert ihn unverzüglich als Zweipluszwei. Der Fahrer findet einen gut positionierten Arbeitsplatz mit jener schütter-üppigen Architektur vor, die BMW als gediegen und modern empfindet. Für uns erscheint hier manches buchstäblich aufgesetzt. Zum Beispiel hocken gleich zwei Hutzen auf dem Armaturenträger, das Bediensystem iDrive ist im Kern seines Wesens überflüssig, der dynamische Umgang mit dem Ci spielt sich nicht in der virtuellen Welt bunter Karten und unnötiger Informationen ab. Das zeigt sich schon daran, daß man sehr gut unterwegs sein kann, ohne auch nur einen einzigen Ausflug in die Welt der "Kommunikation" oder des "Entertainments" unternommen zu haben.

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