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Fahrtbericht BMW 535d : Mit David und Goliath zu bewegenden Momenten

  • -Aktualisiert am

Freude am Fahren: BMW 535d Bild:

Der Motor des BMW 535d hat zwar keine 3,5 Liter Hubraum, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Doch auch mit 2,99 Liter verschafft der Reihensechszylinder reichlich Fahrvergnügen.

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          Der Schein trügt. Der BMW 535d hat nicht etwa 3,5 Liter Hubraum, wie es die Nomenklatur der Marke anzeigen könnte. Der Reihensechser arbeitet mit 2,99 Liter Volumen, das ist die gleiche Menge wie im rund 7650 Euro billigeren, weniger muskelbepackten Bruder 530d. Aber der stärkste Sechszylinder-Diesel der Motorenwerke nutzt filigrane Technik zum satteren Füllen der Brennräume. Für 49400 Euro bietet BMW diese Maschine mit Registeraufladung, die ein rekordverdächtiges Drehmoment-Maximum von 560 Newtonmeter bei 2000 Umdrehungen in der Minute liefert und es auf 200 kW (272 PS) bringt.

          Die Registeraufladung ist keine neue Erfindung. Porsche hat die Technik zur optimalen Befüllung der Brennräume entwickelt, Opel studierte den Einsatz zweier unterschiedlich groß dimensionierter Turbolader in einem Vectra OPC. Doch BMW bringt die ausgefeilte Art der Ladung nun in einem Serienmotor auf die Straße, der gleichmäßige Verlauf der Drehmomentkurve soll ein höchst agiles Fortbewegen ermöglichen und das oft geschmähte Turboloch zum Relikt aus frühen Zeiten des aufgeladenen Motors machen. In der Tat prescht der nicht eben leichte 5er selbst nach zartem Druck aufs Gaspedal voran, wie der Oktoberfest-Gast nach der Verkündung, es sei nun angezapft. Zwar trägt das feinfühlig arbeitende, sechsstufige Automatikgetriebe (und nur mit diesem ist der 535d zu haben) wesentlich zum subjektiv als brachial empfundenen Beschleunigungsvorgang bei, doch läßt der Sechszylinder zu keiner Zeit den Eindruck von Anfahrtsschwäche oder mangelnder Durchzugskraft aufkommen.

          Kraftvoll präsent

          Zwei Lader mit unterschiedlichen Turbinendurchmessern sorgen stets für die bestmögliche Befüllung. Im niedrigeren Drehzahlbereich übernimmt der kleinere des Duos diese Aufgabe, er spricht bereits bei vergleichsweise geringem Tempo der Abgase im Auspuff an. Steigen Drehzahl und Macht des Abgasstroms, dann meldet sich der zweite Turbo mit seinem größeren Turbinenquerschnitt zu Wort und kann aufgrund seines höheren Volumens deutlich mehr Luft in die Brennräume schaufeln. Der fein abgestimmte Paso doble bleibt vom Fahrer freilich unbemerkt. Aufmerksamkeit erfordert nur der gefühlvolle Abruf der ungestümen Kraft. Wenn die Straße naß ist, geraten die elektronischen Traktions- oder Stabilitätskontrollen schnell an die Grenze ihres Reaktionsvermögens. Der Diesel bringt seine Leistung schneller auf die angetriebenen Hinterräder, als die elektronischen Wächter eingreifen können, beim Beschleunigen aus der Kurve heraus versetzt das Heck bei der Fahrt im Regen durchaus spürbar, bevor ESP und Kollegen schlimmeres Agieren verhindern. Zügiges Anfahren führt zum Dauerblinken der Kontrolleuchten in den gut ablesbaren Instrumenten, die vom konstanten Einsatz der Regelsysteme künden. Auf trockener Fahrbahn vergehen allerdings nur 6,8 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h, kraftvoll klingt die Maschine bei dieser Übung, niemals angestrengt oder gar überfordert, sondern ständig mit höchster Präsenz arbeitend.

          Bullig und kraftvoll

          Serie: Rußpartikelfilter

          Bei 250 km/h begrenzt die Elektronik, der freiwilligen Selbstbeschränkung folgend, die Beschleunigung, gut 260 km/h, so erklären es BMW-Ingenieure, könnte der 535d erreichen. Bei moderateren Geschwindigkeiten zeigt sich das Triebwerk von einer weiteren, sehr angenehmen Seite. Zwar liegt sein Verbrauch im Alltagsbetrieb ein gutes Stück über dem bei normierter Fahrt ermittelten Wert von acht Liter Diesel für 100 Kilometer, angesichts der sportwagengerechten Fahrleistungen sind 7,8 Liter als Minimalverbrauch und ein Spitzenwert von 10,8 Liter durchaus angemessen. Der Durchschnitt unserer Fahrten lag bei 9,5 Liter für die 100-Kilometer-Strecke, ein überaus zeitgemäßes Ergebnis. Den Rußpartikelfilter hat der 535d serienmäßig an Bord, er erfüllt Euro4 und ist so nicht nur der stärkste Selbstzünder seiner Hubraumklasse, sondern genügt auch den populären Ansprüchen zur Luftreinhaltung. 70 Liter Volumen bietet sein Tank, aber eher verlangt der Fahrer nach einer kleinen Pause, als daß dem Motor der Treibstoff ausgeht.

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