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Fahrtbericht BMW 535d : Mit David und Goliath zu bewegenden Momenten

  • -Aktualisiert am

Reiselust

Das Reisen ist eine wahre Lust im kräftigsten Diesel-Fünfer. Das Raumangebot und die Gestaltung des Interieurs sind ansprechend gelungen, und wer sich nicht in den Untiefen des I-Drive-Systems verirrt, kann die zügige Fahrt genießen. Das Lenkrad vermittelt auch ohne die Aktiv-Lenkung ein wunderbares Gefühl für Straße und Belag, etwas kleiner würden wir es uns dennoch wünschen. Das Fahrverhalten erfreut mit Munterkeit, die vorzüglich zur Leistungscharakteristik des Motors paßt, flüssig schwingt der 5er über kurvige Landstraßen und läßt nichts von seinen üppigen Pfunden spüren. Unbeirrbar zieht er auf der Geraden seine Bahn, wo ihn weder Seitenwind noch die Bugwelle anderer Autos beeindrucken. Deutlicher sind Unebenheiten zu bemerken. Die äußerst straffe Abstimmung der Federn macht aus Querfugen kein Geheimnis, eher ungedämpft dringen sie bis in die Sitze. Verwerfungen im Asphalt machen den 5er sogar etwas nervös, wenn sie in Biegungen überfahren werden. Vielleicht wäre eine geringfügig komfortablere Auslegung der Federn und Dämpfer der Sache dienlicher, die Fahrleistungen eines Sportwagens müssen in einer Limousine der oberen Mittelklasse nicht bis in die Haarspitzen und mit einer derart knackigen Fahrwerksabstimmung einhergehen. Kernig arbeitet ebenso die Bremsanlage. Der Druckpunkt im Pedal ist fein definiert zu spüren, doch entscheiden danach nur wenige Millimeter zwischen sanftem Verzögern und abruptem Stoppen. Gern beschwert sich dann der überraschte Beifahrer, dessen Kopfnicken nicht als Zustimmung interpretiert werden kann. Dafür bleibt es beim Beschleunigen bei einem gleichmäßigen Belasten der Halsmuskulatur, wenn der Automat die Fahrstufen mit der Zartheit eines sich im Wind kräuselnden Sommerkleids wechselt.

Wenig Freude bei Stadtfahrten

Die Kurzstrecke ist freilich nicht die Domäne des 5ers. In der Stadt und beim Rangieren stört die Unübersichtlichkeit seiner Karosserie, der Wendekreis ist trotz Hinterradantrieb überraschend groß. Die Fensterflächen sind knapp bemessen, und das Öffnen der Türen erfordert Kraft. Einmal, um die nicht gerade leichtgängige Entriegelung zu bedienen, dann, um in der engen Parklücke die schwere Tür vor dem Anschlagen an Nachbars Blech zu bremsen. Die Einrast-Abstände im Öffnungsmechanismus sind für den Normparkplatz nicht praxisgerecht ausgelegt. Immerhin finden sich Ablagen und andere Behältnisse in angemessener Zahl, Parkschein, Münzen oder Maut-Karten sind flink verstaut. Und 520 Liter Kofferraumvolumen sind zwar kein Spitzenmaß in dieser Klasse, aber doch genug für die Transportaufgaben des Alltags oder das mittlere Reisegepäck auf der Ferienfahrt.

Die Freude am Fahren hat ihren Preis

Fast 50000 Euro läßt sich BMW für die aktuelle Spitzentechnik in der Dieselfraktion bezahlen. Da ist kaum ausschlaggebend, daß der 535d nicht höher besteuert wird als der 40 kW (54 PS) weniger bietende 530d. Bedenklich ist die schier endlos erscheinende Liste der Extras, die den starken Diesel-Fünfer noch komfortabler, sicherer und individueller machen. Mit den in dieser Kategorie von Automobilen fast obligatorischen Ausstattungen wie Navigation, Telefon, Audio-Anlage und Lederbezügen steigt der Preis schnell auf über 60000 Euro. Immerhin gibt es serienmäßig das Automatikgetriebe, Edelholzausführung, eine Klimaautomatik mit Beschlagsensor, einen elektrisch einstellbaren Fahrersitz sowie sechs Airbags. Die zweifellos gebotene Freude am Fahren gehört bei diesem 5er nicht eben zu den günstigen Vergnügungen. Die Frage, ob die motorische Kraftdemonstration den finanziellen Kraftakt lohnt, harrt der individuellen Beantwortung.

Nächste Woche: Audi A4 1.6 Avant; weitere Artikel unter www.faz.net/Fahrtberichte

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