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Fahrtbericht BMW 330xi Touring Automatic : Ein gutes Rezept gegen den Albtraum Winter

  • -Aktualisiert am

Die 45er-Reifen machen die ohnehin zur Nervosität neigende Lenkung geradezu neurotisch, sie lässt sich bei langsamerem Tempo von jeder Fahrbahnrinne irritieren. Auch dem Komfort tun diese Gummis nicht gut, weil sie (beim 3er serienmäßig) mit Notlaufeigenschaften ausgestattet sind und daher besonders steif abrollen. Grobe Stöße führen sogar zu harten, polternden Durchschlägen. Der Nutzen dieser Ausrüstung ist zweifelhaft, denn bei einer Reifenpanne mit voll beladenem Auto sind gerade noch 50 Kilometer Fahrstrecke erlaubt. Viel Glück bei der Suche nach Ersatz am Wochenende: Denn ein Reserverad gibt es nicht, und der Wagenheber wurde gleich mit gestrichen. Angenehmeres ist von den Bremsen zu berichten - top.

Dass der 3er Touring nicht Kombi heißen und auch keiner sein will, hat schon Tradition. Er stellt Schönheit über Nützlichkeit und begnügt sich mit 450 Liter Kofferraum (einschließlich der Reserveradmulde) im Normalzustand und maximal 1385 Liter nach dem Umklappen der geteilten Rückbanklehne, das einen völlig ebenen und nur von einer kleinen Ladekante gestörten Boden entstehen lässt. Für ein 4,50-Meter-Auto ist dieses Volumen wenig rühmlich, und das nach hinten abfallende Dach schränkt auch die Ladehöhe auf dem letzten halben Meter Kofferraumtiefe unschön ein. Über den Rücksitzen - der Zugang dorthin ist dank der günstigen Türausschnitte einfach, der Mittelplatz erträglich - ist die Kopfhöhe aber ausreichend und vorn sogar üppig. Mit der Kniefreiheit bleiben erwachsene Hintensitzende auf die Kompromissbereitschaft ihrer Vorderleute angewiesen, so richtig bequem ist es selbst im neuesten 3er nicht.

Flotte Begleiter eines Singles

Auch an Ablagen fehlt es im Fond, fast so, als wollte der Touring bewusst kein Familienauto sein, sondern der flotte Begleiter eines Singles oder kinderlosen Paares. Die Person am Lenkrad lässt sich auf einem etwas schmalen Sportsitz nieder und darf sich auf einen BMW-konformen, funktionell vorbildlichen Arbeitsplatz freuen. Die Instrumente sind tadellos ablesbar, der Navigationsbildschirm ist hoch genug platziert, und der berüchtigt vielseitige iDrive-Knopf liegt ideal zur Hand, ist aber nach wie vor ein Prüfstein für die Fähigkeit des Fahrers, sich ohne Ablenkung vom Verkehr durch die Menüs zu schieben, zu drehen und zu drücken. Das Kühlmittelthermometer wurde gestrichen, doch gerade in diesem Auto hätte man es viel lieber als das wenig präzise Zeigerinstrument für den Momentanverbrauch. Wegrationalisiert wurde auch der gute alte Ölpeilstab, es gibt bloß noch eine elektronische Standanzeige, von der man nur hoffen kann, dass sie immer klaglos funktioniert. Nebenbei: Wo die Starterbatterie versteckt ist, verschweigt heutzutage die Bedienungsanleitung des 3ers, und eben so wenig steht dort, welche Glühlampen man gegebenenfalls als Ersatz benötigt. Alles Werkstattsache - aber was, wenn keine Werkstatt in der Nähe ist? Angenehm geräusch- und zugarm arbeitet die Klimaautomatik, die man (statt der serienmäßigen Klimaanlage) am besten zusammen mit anderen sinnvollen Extras im Komfort-Paket (1550 Euro) kauft. Überhaupt wird man auch den 330xi kaum ohne Zuhilfenahme der Sonderausstattungsliste bestellen. Zum Grundpreis von 43100 Euro (einschließlich Automatik) können dann noch einige Tausender hinzukommen, im Fall unseres Wagens bis hin zu 58000 Euro. Das ist für einen 3er sehr viel Geld.

Und der Allradantrieb? Ob man die 2500 Euro dafür ausgeben soll, will gut überlegt sein. Mit seiner ausgewogenen Achslastverteilung ist auch der hinterradgetriebene 3er heute ein durchaus schneetaugliches Auto. Wer wegen Wohnort oder Beruf den Winter fürchten muss und daher xDrive haben will, sollte schon des Verbrauchs halber unbedingt den Diesel 330xd (Sechszylinder mit 170 kW/231 PS) nehmen, auch wenn er mit 42000 Euro (plus Automatik, wenn gewünscht) die teuerste x-Version ist. Oder gleich den X3 in die engere Wahl ziehen, der als SUV alles Schwierige noch ein bisschen besser kann.

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