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Fahrtbericht BMW 135i Coupé : Hübscher Käfig für ein Tier von Motor

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Ein BMW 135 Coupé ist die blanke Unvernunft - aber mit ihm zu fahren ein Ereignis. Am meisten wundert es, dass der Doppelturbo-Sechszylinder überhaupt unter die Haube des kleinsten BMW passt.

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          Ein 1er-BMW mit 306 PS? Den braucht kein Mensch. Stimmt. Ein 1er-BMW mit diesem Potential – das ist einfach Fahrspaß pur. Stimmt. Ein 1er-BMW für mehr als 52.000 Euro? Wahnsinn. Stimmt.

          Wie man sieht: Es gibt immer mehrere Wahrheiten. Man kann sich die liebste davon aussuchen. Obwohl ökonomisch und ökologisch ausreichend nachdenklich, haben wir uns für die zweite entschieden. Wer weiß denn schließlich, wie lange man solche Autos überhaupt noch kaufen und fahren kann. Und so sagen wir mit aller politischen Unkorrektheit, dass uns die zwei Wochen mit dem 135i Coupé ein ungetrübtes Vergnügen von hohem Erinnerungswert waren.

          Der Biss der Bestie

          Nun gibt es ja die 1er-Limousine schon länger, und sie ist mit 265 PS in ihrer Top-Version auch nicht schlecht motorisiert. Doch das neue Coupé (und auf seiner Basis das brandneue Cabrio) punktet nicht nur mit mehr Kofferraum als die vergleichbare zweitürige Version des Schrägheck-1ers (370 statt 330 Liter) – um den Preis von zwölf Zentimeter mehr Außenlänge – und mit einem deutlich konsensfähigeren Design als der kantig-rustikale Bruder. Es ist zugleich, wie das Cabrio, ein weiterer Anwendungsfall für jenes Tier von Doppelturbo-Sechszylinder mit 225 kW (306 PS) und 400 Newtonmeter, das schon im 3er lauert und jetzt im 135i einen besonders hübschen Käfig findet.

          Es braucht für seine Höchstleistung keine abartig hohen Drehzahlen (5800 je Minute genügen) und liefert das maximale Drehmoment schon bei 1300/min, also früher als fast alle Diesel. Obwohl unser mit Extras vollgestopftes Coupé mit 1540 Kilogramm Leergewicht die Grenzen der Kompaktklasse sprengte, war der Biss der Bestie hier noch heftiger als im 3er.

          Kleiner Tank für riesigen Durst

          Nur selten sonst haben wir ähnliche Elastizitätswerte messen können: von 50 auf 100 km/h im 4. Gang in 6,6 Sekunden, im 5. Gang in 7,8 und im (natürlich serienmäßigen) 6. Gang in auch nur 9,1 Sekunden. Da ist es fast egal, mit welcher Getriebestufe der Motor den Beschleunigungswunsch entgegennimmt: Ohne Verzögerung oder gar ein schnödes Turboloch packt er zu und lässt nicht mehr los.

          Die wie bei allen schnellen BMWs auf 250 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit ist da beinahe nebensächlich, und die 5,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h sind L’art pour l’art oder Reifenquälerei. Auch die übrigen Qualitäten des Dreiliter-Motors verblassen dagegen zu Sekundärtugenden – am wenigsten noch der kehlig-sonore Auspuffklang, ein Meisterstück des Sound Engineering, eher schon der perfekte Rundlauf des Sechszylinders, den man in einem BMW einfach erwartet, und ganz bestimmt der Verbrauch, bei uns im Durchschnitt 10,9 und bei sehr schneller Autobahnfahrt auch einmal 13 Liter Super Plus je 100 Kilometer.

          Nicht wenig, doch für die Fahrleistungen absolut akzeptabel, und daher würden wir dem 135i ausnahmsweise jeden Tropfen gönnen – wenn nur der Tank für seinen Durst nicht viel zu klein wäre.

          Die Vorderleute sollten Mitgefühl zeigen

          Das neue Coupé ist zugleich die Stufenheck-Version des 1ers. Bei BMW hat man ganz praktisch gedacht und außer einer kleinen Skisack-Öffnung serienmäßig das Umklappen der geteilten Rückbanklehne vorgesehen, das eine 1,60 Meter lange Ladefläche herstellt. Sperriges Ladegut scheitert allerdings am engen Querschnitt des Kofferraumdeckels.

          Durch die breiten Türen steigt man vorn einigermaßen bequem ein; nach hinten ist es erwartungsgemäß umständlicher, vor allem, wenn man sich für die mit 1250 Euro recht teure elektrische Sitzeinstellung entschieden hat: Da dauert es quälend lang, bis der automatisch vorfahrende Sessel den Durchschlupf freigegeben hat.

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