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Fahrtbericht Bentley Flying Spur : Taunusrunde mit der Queen

Bild: Hersteller

Bentley geht es gut. Im vergangenen Jahr haben die Couturiers 10.120 Autos verkauft. Jetzt fährt der neue Flying Spur heran - ein herrlich souveränes Schloss auf Rädern, das es auch mal krachen lassen kann.

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          Wer im Spiel bleiben will, schallt es allerorten, soll auf die Jugend hören. Die mag für ein Auto der 200.000-Euro-Kategorie nicht die prioritäre Zielgruppe sein, aber wenn morgens um sieben die Welt in der Garage in Unordnung gerät, weil keiner vorn sitzen will, ist etwas faul - oder, besser gesagt, dann muss Bentley einiges richtig gemacht haben.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Der in die Schule chauffierende Vater muss sich also mit sich selbst begnügen und zudem neue Machtverhältnisse akzeptieren lernen. Nicht mal mehr über das Radio kann er frei verfügen, weil die schelmisch jauchzenden Herrschaften hinten die zuständige Fernbedienung aus ihrer Mittelkonsole elektrisch herausgefahren haben und dank profunder Spielekonsole-Erfahrung zielsicher bedienen.

          Auch über die Fahrleistungen sind die Mitfahrer durch den Bentley-Pod im Bilde, der, welch Freude am Detail, zur Bedienung die silbrig glänzenden Rädchen des Armaturenbretts virtuell auf das Display zaubert. „Du fährst 132 km/h“, stellt der königlich amüsierte Nachwuchs nicht ohne Anflug von Allwissenheit fest, fährt die Privacy-Verdunkelungen hoch und fragt, warum es keine Trennscheibe zum Fahrer gibt.

          Extraklasse zum Selbstfahren

          Da bleibt dem Mann am Volant nur eins: Hergehört! Dies ist ein Bentley, kein Rolls-Royce. Die einstmals verschwisterte, seit geraumer Zeit unter bayerischem Dach wetteifernde Konkurrenz vom automobilen Höchstadel mag mit ihrem hinreißenden Coupé Wraith manchen Atem rauben. Aber wer zuvörderst gern mal ins Geschehen zwischen Mensch und Maschine greift, der packt den Bentley.

          Extraklasse zum Selbstfahren. Eine Marke, deren Wurzeln tief in die Rennsportgeschichte reichen. Schon immer haben sich betuchte Kerle mit weißen Handschuhen in die Ölwanne gestürzt. Eine Marke, die im britischen Königshaus angekommen ist. Der Mann legt die Hände ein wenig fester um das kräftige Lenkrad, sinniert kurz, ob die Queen auf unserer Teststrecke durch den Taunus wohl amused wäre, und drückt entschlossen den rechten Fuß durch.

          Motor

          625 PS machen sich über 2,5 Tonnen Edelmasse her. Nach etwas ruppigem Kraftschluss schüttelt der Biturbo 6,0-Liter-W12-Zylinder unter dezent-sonorem Gefauche 800 Nm Drehmoment aus dem Ärmel, ungefähr so viel wie eine startende Raumfähre. Die an sich der Zurückhaltung verpflichtete Achtgang-Automatik wirft nun die nächste Stufe erst bei 6000/min ein, und während die mächtigen, bis 260 km/h zugelassenen Spezialwinterreifen an allen vier angetriebenen Rädern den Asphalt in Wellen legen, teilt sich das Grüppchen Passagiere in jene, die still im Ledersessel versinken, und jene, die voller Freude rufen: Mehr! Die allermeiste Konkurrenz hat das Nachsehen, wenn das Schloss Feuer gibt. 0 auf 100 km/h sind in 4,6 Sekunden erledigt, der raketenähnliche Vortrieb endet ohne jeden Anflug von Ermüdung theoretisch bei 320 km/h. Da hat sogar Porsche Mühe.

          Federung

          Fragen des Respekts wären mithin geklärt. Den Vorgang haben wir im Testverlauf kein einziges Mal wiederholt. Was alltäglicher Begleiter bleibt, ist Souveränität. Die Gelassenheit des Autos überträgt sich auf seine Fahrer. Zu wissen, du kannst es, genügt. Dahingleiten, wunderbar. Überholen, flugs erledigt. Feiner Durchschnitt auf der Autobahn, anstrengungslos. Eine Mercedes-Benz S-Klasse zieht vorbei, ihr Fahrer streckt den erhobenen Daumen herüber.

          Zur Vollkommenheit wäre ein sanfterer Umgang des Fahrwerks mit Querfugen und Frostlöchern wünschenswert, der Bentley holpert vor allem in Kurven unstaatsmännisch darüber hinweg, die mit 3,6 bar (!) vorn und 3,2 bar hinten prall gefüllten Winterreifen mögen ihren Anteil daran haben.

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