https://www.faz.net/-gya-70vzz

Fahrtbericht Bentley Continental : Schöne Töchter statt Schwiegermutter

Statt W12- gibt es hier nur V8-Zylinder, 4,0 Liter Hubraum müssen ebenso reichen wie 507 PS Bild: Hersteller

Bentley hat in jüngster Zeit einen fulminanten Aufschwung erlebt. Und die Zeichen der Zeit hat Crewe auch erkannt, Downsizing bedeutet hier V8- statt W12-Zylinder. Die Kraft der Verführung wird dadurch kaum kleiner.

          4 Min.

          Nach oben sind die Grenzen offen. Schon für weniger als 10.000 Euro gibt es Neuwagen für die Fahrt von A nach B, es dürfen aber auch weit mehr als 400 000 Euro sein, um einen Rolls-Royce zu bewegen, vom Bugatti Veyron gar nicht zu reden. So gesehen, liegt der Bentley Continental GTC V8 mit seinem Neupreis von knapp 180 000 Euro preislich irgendwo im oberen Mittelfeld, es gibt teurere S-Klassen von Mercedes-Benz (AMG). Wer es sich leisten kann und will, warum nicht? Kleiner Tipp vom Anlageberater: Wer sich fragt, ob er es sich leisten kann, kann es sich nicht leisten.

          Direkte Benzineinspritzung sowie eine leistungssteigernde Bi-Turboaufladung mit Ladeluftkühlung sind selbstverständlich
          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Und dieser Bentley ist ein besonderer. Er ist sozusagen die Basis auf dem Weg ins automobile Oberhaus, statt W12- gibt es hier nur V8-Zylinder, 4,0 Liter Hubraum müssen ebenso reichen wie 507 PS. So liest sich Downsizing bei Bentley. Die neue Maschine, die für Audi im S8 arbeitet, hat weniger Volumen, dafür aber mehr Tricks drauf: Bei geringer Leistungsanforderung stellen vier der acht Zylinder ihr Schaffen ein, um bei mehr als knapp 2000 Umdrehungen in der Minute sofort wieder einzugreifen. Direkte Benzineinspritzung sowie eine leistungssteigernde Bi-Turboaufladung mit Ladeluftkühlung sind selbstverständlich. Die Kraft wird über die neue formidable Achtgang-Automatik von ZF übertragen, die es für die teureren und stärkeren Modelle (noch) nicht gibt.

          Nicht alles in der Basis ist also wirklich Basis. Und wir sind sicher, dass man mit einem V8-GT ebenso glücklich werden kann wie mit einem W12er, die Leistungsunterschiede sind letztlich unerheblich und nur am Stammtisch relevant. Im V8 sorgen die 373 kW (ebenjene 507 PS) und vor allem das satte maximale Drehmoment von 660 Newtonmeter, das schon bei 1700 Umdrehungen anliegt und bis weit über 5000/min stehenbleibt, für stets standesgemäßes Fortkommen. Wer voll aufs Pedal tritt, bekommt ordentlich was geboten, wenn auch die Stimme des Motors eher zurückhaltend bleibt. Aus dem Stand geht es in fünf Sekunden auf 100 km/h, wie Bentley verspricht. Das ist ein Wert, den wir nicht ganz bestätigen können, aber sei’s drum, das Faszinierende an der Maschine ist, wie sie jederzeit nonchalant dem Wunsch nach Leistung nachkommt, auch wenn man schon 250 km/h fährt. 290 km/h werden dann locker aus dem Ärmel geschüttelt, noch schneller waren wir nicht unterwegs, die Verhältnisse auf der deutschen Autobahn ließen es nirgends zu. Die Werksangabe von 301 km/h als Höchstgeschwindigkeit glauben wir gern. Selbst mit dem V8 ist man Mitglied im exklusiven 300er-Klub, es spricht wirklich nur wenig für den Kauf eines Zwölfzylinders. Und diesem fehlt das ZF-Achtgang-Getriebe, das fast unmerklich schaltet und stets die richtige Übersetzung wählt. Paddel am Lenkrad sind vorhanden, doch damit spielt die Jugend, nicht der Grandseigneur, der das Cabrio (das V8 Coupé ist für 161 840 Euro ein Schnäppchen) zur gepflegten Reise von Frankfurt nach Kampen auf Sylt nutzt und schnell lernt, dass vielleicht 80 Prozent der Strecke mit Tempolimits belegt sind. Noch eine Tatsache, die für den V8 spricht.

          Weitere Themen

          Škoda steckt ein

          Probefahrt im Enyaq : Škoda steckt ein

          Der elektrische Enyaq fährt dicht am Kodiaq, authentisch und unprätentiös. Die Weltpremiere des zunächst als SUV und dann als Coupé erscheinenden Škoda lässt wohl bis Spätsommer auf sich warten.

          Topmeldungen

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.