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Fahrtbericht Audi TT Coupé 3.2 quattro : Es lebe der Sport und die Liebe zum Gürtel

  • -Aktualisiert am

Die zweite Generation des sportlichen Ausnahme-Audi ist auf der Straße Bild: Hersteller

Der neue Audi TT ist viel besser als der alte. Aus dem Spielzeug ist ein ernstzunehmender Sportwagen geworden. Dafür sind aber auch die Unschuld und die Naivität des Vorgängers verlorengegangen.

          Nun ist die zweite Generation des sportlichen Ausnahme-Audi auf der Straße, und der wichtigste Unterschied wird erkannt: Der erste Audi TT (der wirklich erste deutsche TT kam von NSU, und das war ein ziemlich heißes, sehr schwer zu fahrendes Gerät) war als Design-Ikone entstanden und zum Sportwagen geworden. Der zweite, jetzt von uns intensiv gefahrene Audi TT ist als Sportwagen entstanden und könnte zur Design-Ikone werden. Peter Schreyer hatte den ersten Audi TT entworfen und sein Design der puristischen Reduktion bis an die Schmerzgrenze durchgesetzt. Jetzt ist Walter de Silva am Zuge, und der TT ist ein emotionaler Sportwagen geworden. Man kann ihn dennoch mögen.

          Es gibt vom Start weg zwei ausreichend kräftige Möglichkeiten zur Motorisierung. Wir raten dringend zu jener, die man uns zugeführt hat, leider ist sie auch die teuerste. Die Zweiliter-Turbo-Version (147 kW/200 PS und ein maximales Drehmoment von 280 Nm bei 1800 bis 5000/ min) mit vier Zylindern und Frontantrieb mag ja ganz nett und auch erschwinglicher (31 900 Euro) sein, aber der neue TT ist mehr als Design, und deshalb müssen soviel Schmalz (Leistung) und gleichzeitig Allradantrieb (quattro) anwesend sein, wie es nur irgendwie geht. Denn der TT des Jahres 2006 ist in erster Linie ein Sportwagen, und da sollte man schon konsequent sein. Als Alternative zum serienmäßig mit sechs Gängen begabten Handschaltgetriebe steht für beide Motorversionen das famose S-Tronic-Getriebe bereit, es kostet 2100 Euro Aufpreis und ist das Geld wert.

          Scharfkantige Ernsthaftigkeit

          Daß der fein herausgeputzte Testwagen (der graue Metalliclack war klar wie die Rufe des Kondors und kostet 600 Euro extra) unter dem Strich mit gut 48 000 Euro ausgewiesen wurde, liegt an einigen Nettigkeiten, die man haben kann, aber nicht muß. Denn Fahrfreude, Agilität und die unverhohlene Bereitschaft zum Vorwärtspreschen, die gibt es serienmäßig. Und natürlich die standfesten und sehr sensibel ans Werk gehenden Bremsen.

          Fahrfreude, Agilität und die unverhohlene Bereitschaft zum Vorwärtspreschen

          Die beste Eigenschaft des TT ist keine technische: Er ist ein optimistisches Auto. Er ist kein Duckmäuser, der sich seiner Leistung schämt, er bringt Schwung in jeden Tag und müde Kreisläufe auf Touren. Er hat den sinnlichsten Rücken seit Laura Antonelli, Ecken und Kanten sorgen dennoch für eine dynamische Männlichkeit, kurze Überhänge und die auch wegen des niedrigen Dachs gedrungen, aber nicht mehr gestaucht wirkenden Proportionen lassen eine scharfkantige Ernsthaftigkeit entstehen, die den neuen TT auf eine Stufe (und vielleicht sogar darüber hinaus) mit den etablierten Konkurrenten hebt.

          Wenig würdevolle Verrenkungen

          Man kann mit dem TT natürlich sehr schnell unterwegs sein, aber die wahre Sportlichkeit besteht nicht aus Rasen. Der TT sorgt einfach für die inzwischen immer häufiger verlorengegangene Bewußtheit des Fahrens, für eine Konzentration auf die dafür nötigen Vorgänge, die viel mehr und viel umfangreicher sind, als nur das Gaspedal mit schwerem Fuß ans Metall des Vorderwagens zu heften. Das demonstriert auch sein Design, mit dem nicht nur Hosenträger abgestreift werden, sondern auch die Liebe zum eng geschnallten Gürtel demonstriert wird. Der neue TT trägt einen sehr festen Leibriemen.

          Trotz eines gewissen Wachstums im Vergleich zur ersten Generation ist die Karosserie sehr knapp geschnitten. Gleichzeitig ist sie extrem unübersichtlich, selbst nach einer längeren Gewöhnungsphase ist man von ihren Abmessungen immer wieder überrascht. Und sie bietet vor allem nach schräg hinten vom Fahrersitz aus miserable Verhältnisse. Ähnliches gilt für den Blick nach vorn oben, er führt beim Sichten von hoch hängenden Ampeln mitunter zu wenig würdevollen Verrenkungen. Der Einstieg durch die überbreiten Türen (etwa 131 Zentimeter!) ist nicht frei von Beschwernissen, aber das darf niemanden überraschen, der TT ist kein Omnibus. Zu tadeln ist die Abwesenheit von robusten Prallflächen am Kühler und am Heck, den Seiten mangelt es an Flankenschutz.

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