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Fahrtbericht Audi Q3 : Nimm Drei

Bild: Hersteller

Audi meldet sich mit einem SUV zu Wort, das edel gemacht ist, kaum Defizite aufweist und bestens in die Zeit passt.

          Nähern wir uns dem Audi Q3 aus dem Blickwinkel einer Familie, zwei Kinder im Alter zwischen null und achtzehn Jahren. Einfamilienhaus mit Garage oder Appartement mit Stellplatz, weshalb der Raumbedarf nicht uferlos sein sollte. Haushaltseinkommen und Lebensstil sind eher überdurchschnittlich, sonst kommt Ware aus Ingolstadt nicht in Betracht.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Vor Schule, Büro und Theater ist ein ordentlicher, gleichwohl nicht zu protziger Auftritt hilfreich. Sportlich ist die Familie eingestellt, aber nicht ständig auf der letzten Rille unterwegs. Allradantrieb muss nicht sein, wird aber als technisches Schmankerl mit Imagefaktor gern genommen (Quattro klingt einfach unerreicht gut) und an Tagen auf verschneiter Piste geliebt.

          Die erhöhte Sitzposition schätzen sämtliche Frauen, die einmal so gesessen haben. Und die meisten Männer auch, sofern sie nicht unverbesserliche Sportwagenliebhaber sind und das halbe Leben vom Porsche 911 träumen. Nähern wir uns also dem Audi Q3 aus dieser Sicht, dann ist er das fast perfekte Auto.

          Klassenvergleich

          Mit reichlicher Verspätung vor allem auf die innerbayerische Konkurrenz von BMW, die schon einige Zeit Erfolge in drei SUV-Klassen einfährt, hat Audi seine Q-Reihe nach unten erweitert. Zu dem ausladenden Q7 und dem komfortablen Mittelklässler Q5 gesellt sich der kompakte Q3.

          Er stammt technisch vom erfolgreichen VW Tiguan ab und musste vielleicht auch deshalb so lange auf seine Geburt warten, damit er dem Konzernbruder nicht übermäßig ins Gehege fährt. Wir halten die Gefahr für relativ gering: Wer es sich leisten kann, nimmt den edleren Audi, wer nicht, ist mit dem kürzlich renovierten VW ebenfalls gut bedient. Nur wer ernsthaft ins Gelände möchte, wird mit dem Q3 kaum glücklich werden. Die Bodenfreiheit ist gering.

          Motorenangebot

          Das mit allerlei kraftstoffsparender Technik und erträglich arbeitendem Start-Stopp-System ausgestattete Motorenangebot umfasst zwei Benziner und zwei Diesel, nur den schwächeren Selbstzünder (103 kW/140 PS) gibt es mit Frontantrieb.

          Die drei anderen haben permanenten Allradantrieb, der normalerweise den größten Teil der Kraft an die Vorderachse schickt und die hintere je nach Traktion stufenlos einbindet. Wir halten die uns zugeführte Selbstzündervariante mit 130kW (177 PS) und Quattro für die erste Wahl.

          Audi Q3 2.0 TDI Quattro

          Der Common-Rail-Diesel wird von einem Turbolader mit variabler Turbinengeometrie beatmet und erreicht 380Newtonmeter Drehmoment. Damit reißt er zwar keine Stücke aus dem Asphalt, doch weil das maximale Drehmoment schon von 1750/min an anliegt, ist er auch aus niederen Regionen des Drehzahlmessers für munteres Temperament gut. Er grummelt hörbar vor sich hin, wird aber nicht aufdringlich und konsumiert unter winterlichen Bedingungen durchschnittlich moderate 7,2 Liter auf 100 Kilometer.

          Fahrkomfort

          Um das Fahrwerk an seine Grenze zu bringen, erfordert es Übermut. Angenehm überrascht sind wir von den Qualitäten der Federung und Dämpfung. Audi hat offenbar dem Drang zu übertriebener Härte abgeschworen und eine zwar stramme, aber gekonnte Abstimmung zwischen Sportlichkeit und Komfort gefunden. Nur in voll beladenem Zustand geht es etwas hölzern zu.

          Ausmaße

          Allein, die gute Handlichkeit leidet unter zwei Dingen: Der Q3 ist einschließlich Außenspiegel mächtige zwei Meter breit, und der Wendekreis fällt, wohl auch dem Allradantrieb geschuldet, recht groß aus.

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