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Fahrtbericht Audi A8 hybrid : Der große Wagen für zwei bis drei Personen

Bild: Hersteller

Kein Luxusmobil ohne Hybrid-Variante: Audi setzt beim A8 auf einen kleinen Vierzylinder-Motor. Die Fahrleistungen stimmen, der Verbrauch ist passabel, doch wegen der Batterie ist der Kofferraum viel zu klein.

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          Was war Audi gescholten worden, als im Dezember 2009 in Miami die neue Generation des A8 präsentiert wurde und Audi-Chef Stadler zugeben musste, dass es zum Marktstart im Frühjahr 2010 noch keinen Hybrid für das Oberklasse-Modell geben werde.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Aufregung hat sich längst gelegt, der A8 ist in seinem Segment bestens etabliert, er schlägt in Deutschland im ersten Halbjahr 2012 mit 2027 Neuzulassungen sogar die S-Klasse (1910) und den 7er-BMW, muss jedoch dem Panamera von Porsche (2111) den Vortritt lassen. Alle deutschen Luxus-Kutschen gibt es inzwischen mit Hybrid-Antrieb, doch nur Audi wagt es, einen relativ kleinen Vierzylinder (2,0 Liter Hubraum) mit einer E-Maschine zu vermählen.

          Motorwahl

          Es ist die Lösung, die ähnlich auch im Q5 hybrid und im A6 hybrid zum Einsatz kommt: Ein direkteinspritzender Turbomotor mit 155 kW (211 PS) wird mit einem 40-kW-Elektromotor gekoppelt, was dann eine Systemleistung von 180 kW (245 PS) und ein maximales Drehmoment von 480 Newtonmeter ergibt.

          Und für den schnellen Schritt im großen Audi kann das Duo sorgen: In 7,5 Sekunden kann der zwei Tonnen schwere und riesige Audi (5,14 Meter lang) von auf 100 km/h spurten, maximal sind 235 km/h möglich. Das sollte jedem genügen.

          Preis

          Doch fürs eilige Fahren ist der Hybrid-A8 gewiss nicht gedacht. Wer sich für ihn entscheidet und 77.700 Euro anlegt, tut dies bewusst, um „ein Zeichen“ zu setzen. Rein monetär betrachtet sind der Basis-Diesel (69600 Euro, 3,0 Liter Hubraum, 150 kW/204 PS) oder auch der allradgetriebene 3.0 TFSI mit 213 kW (290 PS) für 74.200 Euro die bessere Wahl.

          Hybridtechnik

          Aber sie stehen nicht für die Zukunft, sie können nicht rein elektrisch fahren, und sie bringen nicht die Aura eines „Gutmensch-Autos“ mit. Diesen Audi fährt man, weil Kraftstoff gespart werden soll, und wohl deswegen gibt es keinen Drehzahlmesser, sondern stattdessen ein „Powermeter“. Zu unserer Freude ist es analog, die Nadel zeigt dem Fahrer an, in welchen Leistungsregionen sich das Motorensystem befindet.

          Wird verzögert oder ohne Gas bergab gefahren, fällt die Nadel nach unten in den „Charge“-Bereich. Von 0 bis 30 fährt man im grünen „Efficiency“-Gebiet, danach wird die Skalierung langsam gelb und dann rot (ab 80), jenseits von 100 erstreckt sich die Boost-Area, dann gibt der E-Motor noch sein Bestes auf die Leistung drauf, was aber nur kurze Zeit funktioniert.

          Zur Orientierung: Bei 100 km/h bewegt sich die Nadel bei 20 voll im grünen Bereich, bei 140 km/h steht sie bei 40, ist also knapp über grün. Diese Aussage gilt natürlich nur für den größten Gang der formidablen und absolut harmonisch arbeitenden Achtgang-Automatik, die wir in früheren Berichten schon gelobt hatten. Schaltpaddel fehlen nicht, sollte man selbst eingreifen wollen.

          Batterie

          Per Knopfdruck kann der Fahrer dem A8 befehlen, rein elektrisch zu fahren. Möglich ist das bis zu 100 km/h Geschwindigkeit. Audi gibt bei 60 km/h eine maximale Reichweite von drei Kilometer an, wir kamen auf 2,7. An der Steckdose laden ist nicht möglich.

          Obwohl die Batterie (Lithium-Ionen) im Kofferraum viel Platz wegnimmt, hat sie nur eine Kapazität von 1,3 kWh. Zum Vergleich: Die Akkus des ausschließlich elektrischen Nissan Leaf haben 24 kWh. So muss man sich über die drei Kilometer nicht wundern. Zum Verblüffen der Passanten reicht es allemal, weil der Audi meist lautlos losfährt.

          Instrumente

          Zum Starten muss ein Knopf gedrückt werden, das System meldet sich dann mit „hybrid ready“ im Armaturenbrett, in einem großen Feld zwischen Tacho und „Powermeter“. Dorthin kann man sich auch die Navigationshinweise projizieren lassen und den großen Navi-Schirm (Option) wegklappen - sehr charmant.

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