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Fahrtbericht Audi A6 : Business-Lustklasse für Selbstfahrer

Die Scheinwerfer sind wache Augen, mit einer neuen Variante geschwungenen Tagfahrlichts versehen Bild: Hersteller

Früher Mittelklasse, heute zu Höherem berufen: Mit einer schicken Inneneinrichtung und technischen Finessen strebt Audi mit der jüngsten Auflage des A6 zu neuen Höhen. Das gelingt. Auch in der Preisliste.

          4 Min.

          Sage noch mal jemand, ein Audi lasse sich nicht mehr vom anderen unterscheiden. „Der neue A6, richtig?“, ruft ein Jugendlicher an der roten Ampel herüber und fällt sogleich sein Urteil: „Schönes Auto.“ Die Überhänge sind kurz geworden am Audi A6, der früher einmal Mittelklasse war, doch längst nach Höherem strebt.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Design
          Athletisch gestreckt steht er mit seinen 4,92 Meter Länge auf der Straße. Die Scheinwerfer sind wache Augen, von den Ingolstädter Schlangenbeschwörern mit einer neuen Variante geschwungenen Tagfahrlichts versehen, das beim Betätigen des Fahrtrichtungsanzeigers von Weiß auf Gelb wechselt. Es gibt Menschen, die halten das Lametta für überflüssig, wenn nicht gar für aggressiv, andere finden es modern und schick. Für die Ausleuchtung der Fahrbahn sind, erstmals in Serie verbaut, sparsame Leuchtdioden zuständig, und natürlich setzt Audi auch diese effektvoll in Szene.

          Je nach Bedarf gehen alle LED an oder nur ein Teil, so kann der A6 mit seinem sehr weißen Licht nah, weit, um die Ecke oder unter den Nebel leuchten. Am Heck sorgen zwei elegant geformte, aber Hosenbeine gefährdende Auspuffendrohre für standesgemäßen Abgang. Krabbelten wir jetzt zwischen Auto und Straße, entdeckten wir, dass sich Audi auch im Untergrund verdient macht und am Boden mit aufwendigen Verkleidungen dem Luftwiderstand zu Leibe rückt. Doch wir packen lieber den soliden Türgriff, öffnen die Pforte und gleiten auf den Sitz. Besser: Wir gleiten in die Tiefe. Reichlich weit unten liegt der Fahrerplatz, einer erfolgreichen Teilnahme an der Wok-WM sollte nichts im Wege stehen.

          Athletisch gestreckt steht der A6 mit seinen 4,92 Meter Länge auf der Straße Bilderstrecke
          Athletisch gestreckt steht der A6 mit seinen 4,92 Meter Länge auf der Straße :

          Ausstattungsvarianten
          Mit einem Druck auf den Startknopf, der rechts auf der Mittelkonsole ruht und an dessen Position wir uns über die Testdauer hinweg nicht gewöhnt haben, erwacht der Dreiliter-TDI zum Leben. Es gibt den Sechszylinder-Diesel mit 150 oder 180 kW (204/245 PS). Audi hatte uns die stärkste Variante als Quattro zugeführt, sie schöpft wundervoll aus dem Vollen. Die meisten Abnehmer dürfte freilich der Zweiliter-Vierzylinder mit 130 kW (177 PS) finden, auch mit ihm kann man gut leben.

          Motor
          Zur Überraschung klingt das Triebwerk kaum nach Diesel, sondern eher wie eine wimmernde Turbine, und das irritierende Geräusch bleibt bis in mittlere Geschwindigkeiten präsent. Dann treten Wind- und Abrollgeräusche in den Vordergrund, obgleich auch hier gilt: Alles ist relativ. Insgesamt ist der A6 ein angenehm leises Gefährt. Der Motor dreht vorzugsweise zwischen 1400 und 3250 Umdrehungen in der Minute, dann hält er mit seinem maximalen Drehmoment von 500 Newtonmeter formidable Kraft für Zwischenspurts parat.

          Verbrauch
          Er genehmigt sich zwischen 7,3 und 11,8 Liter auf 100 Kilometer, im Mittel verbrauchten wir 8,7 Liter. Das ist nicht schlecht angesichts der Fahrleistungen. Kommt es darauf an, spurtet der Audi von 0 auf 100 in 6,1 Sekunden und macht erst bei 250 km/h Schluss. Bis dahin sorgt ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe für kontinuierlichen Schub.

          Fahreigenschaften
          Meist geht es fast ohne spürbaren Ruck voran. Manchmal jedoch haut das Getriebe die Gänge regelrecht rein, mal beim mittelstarken Beschleunigen, mal beim schnellen Herunterschalten, eine Regel für die unverständliche Tortur vermochten wir nicht zu erkennen. Dafür fällt das Urteil über die Vernichtung des Vortriebs eindeutig aus: Die Bremsen sind von ausgesuchter Gnadenlosigkeit und bieten erstklassige Verzögerung. Einmal zum Stillstand gekommen, sorgt die Start-Stopp-Automatik für Ruhe. Wir wissen um deren kraftstoffsparende Wirkung, mögen sie aber allgemein nicht und im Diesel schon gar nicht, denn irgendwann kommt der Moment des Anlassens. Auch der Audi schüttelt sich dann, an der nächsten Ampel schüttelt er sich wieder, und im Stau schüttelt er sich dauernd. Glücklicherweise sind das die einzigen Momente spürbarer Unruhe, woran die 1950 Euro erfordernde Luftfederung großen Anteil hat. Mit ihr findet der Audi einen harmonischen Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort. Der im Vergleich zum Vorgänger etwa 80 Kilogramm leichtere, aber immer noch 1720 Kilo schwere Wagen lässt Gewicht und Größe fast vergessen, der Fahrer hat auch dank der präzisen Lenkung leichtes Spiel. Gleichzeitig sind Kurvengeschwindigkeiten möglich, die diesseits von Mutproben nie erreicht werden sollten.

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