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Fahrtbericht Audi A6 3.0 TDI quattro : Er sieht nur so aus wie ein Maulheld

  • -Aktualisiert am

An der Grenze zum Luxus: Audi A6 3.0 TDI quattro Bild:

Zum Erfolg gehören zehn Prozent Genie und neunzig Prozent harte Arbeit: Nach diesem Rezept hat sich Audi seinen Platz erobert. Und wenn dazu ein weiterer Beweis nötig gewesen wäre: Der neue A6 liefert ihn.

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          Zum Erfolg gehören zehn Prozent Genie und neunzig Prozent harte Arbeit: Nach diesem Rezept hat sich Audi seinen Platz neben den etablierten Edelmarken Mercedes-Benz und BMW erobert. Kaum mehr jemand, der es nicht für angemessen hielte, die drei Namen in einem Atemzug zu nennen. Und wenn dazu ein weiterer Beweis nötig gewesen wäre: Der neue A6 liefert ihn. Weder in der angebotenen Technik noch in der Verarbeitungsqualität und in der Anfaß-Sympathie steht er seinen Wettbewerbern nach, und beim Design hält man es mit den bayerischen Kollegen aus München: Ein bißchen Schock sorgt zumindest für Aufmerksamkeit. So entstand der harte Kontrast zwischen der fließend-eleganten, ruhigen Seitenlinie des Audi und dem aggressiven (und künftig Audi-typischen) Kühlergrill, eindeutig einem materialisierten Überholbegehren. Das kann man gut finden - oder auch nicht.

          Entgegen diesem Augenschein ist der A6 aber alles andere als ein Maulheld. Seine technischen Vorzüge sind Punkt für Punkt zu belegen. Zum Beispiel der neue V-Sechszylinder-Dieselmotor, den unser Exemplar mitbrachte. Er wird auch im A8 angeboten, und in diesem Zusammenhang haben wir ihn schon ausführlich beschrieben (F.A.Z. vom 9. März). Mit seinem Start debütierte zugleich die moderne Piëzo-Technik der Einspritzventile, die das elektromagnetische Vorläufersystem bald allenthalben ablösen wird. So unterschreitet das Dreiliter-Triebwerk die Abgasvorgaben nach Euro 4, was in dieser Hubraum- und Gewichtsklasse bisher durchaus nicht selbstverständlich ist. Dem verbreiteten Wunsch nach einem Partikelfilter will Audi noch im laufenden Jahr nachkommen - als Option und gegen Aufpreis.

          Ein angenehmer Diesel ist der Motor schon jetzt: Er läuft in allen Drehzahlen ungemein leise, gibt dank einer Ausgleichswelle seine Leistung auch geschmeidig ab und liefert den an Selbstzündern so geschätzten Überfluß des Drehmoments: 450 Newtonmeter bereits bei 1400 Umdrehungen je Minute und dann unverändert bis 3250/min. Vernünftigerweise vertraut Audi diese Kraftentfaltung serienmäßig einem Automatikgetriebe mit sechs Stufen an, das sie wohldosiert der Fahrbahn zuführt und in ansehnliche Meßwerte umsetzt: 8,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, nur 6,3 Sekunden mit Kickdown von 50 auf 100 km/h, Höchstgeschwindigkeit 240 km/h. Von Anfahrschwäche ist kaum etwas zu spüren, und das Schalten läuft meist ruckfrei ab. Das Sport-Programm des Getriebes, das vor allem mehr Verbrauch mit sich bringt, erweist sich als total überflüssig, und weitgehend unnötig sind ebenso manuelle Eingriffe mit der Tiptronic-Funktion, für die außer dem Wählhebel (und gegen Aufpreis) Paddel am Lenkrad zur Verfügung stehen. Konsequent zudem, daß Audi diesen A6 ausschließlich mit dem hauseigenen Allradantrieb verkauft. Traktion ist also unter fast allen Umständen garantiert. Daß die geballte technische Ausrüstung den Verbrauch nicht gerade positiv beeinflußt, ist klar. Doch die Fahrpraxis überraschte angenehm: 8,9 Liter je 100 Kilometer waren unser Durchschnitt. Unter 7 sind bei gelassenem Dahinrollen möglich, scharfe Landstraßenfahrt fordert bis zu 10, freies Autobahntempo auch einmal 12 Liter. Die 80 Liter Tankinhalt sind aber selbst solchen Exzessen gewachsen.

          Im Dreigestirn der deutschen Premium-Marken glaubt Audi den sportlichen Part spielen zu sollen - und das ist auch für den neuen A6 eher schädlich als von Nutzen. Das Fahrwerk ist zu straff für ein Auto, das mit jetzt 4,92 Meter Länge (zwölf Zentimeter mehr als der Vorgänger) fast schon zur Luxusklasse gehört. Testfall Kanaldeckel: Der Audi holpert darüber hinweg, statt sie sanft zu egalisieren. Größere Straßenschäden werden besser geschluckt als kleine, und bei hohem Tempo passen Federung und Dämpfung dann haargenau - doch das normale Leben spielt sich meist unterhalb von 150 km/h ab. Man sollte in Ingolstadt seine Philosophie noch einmal überdenken, zumal es die beiden Konkurrenten besser verstehen, Komfort und Fahrsicherheit zu kombinieren. An dieser fehlt es dem A6 natürlich nicht. Das leicht untersteuernde, fast neutrale Eigenlenkverhalten in Kurven und der Allradantrieb sorgen dafür, daß dem ESP keine Überbeschäftigung droht. Wenn es einmal eingreifen muß, geschieht das spät und nicht zu harsch. Die präzise Lenkung ist beinahe zu leichtgängig, doch mehr Gewöhnung verlangt der Wendekreis von 11,9 Meter. Zu den Bremsen nur ein Wort: hervorragend. Allein der etwas milde Druckpunkt am Pedal kann stören.

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