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Fahrtbericht Audi A4 : Der Modellwechsel als Generationsfrage

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Der neue Audi A4 ist der Vater einer neuen Generation. Noch nie war ein Audi in dieser Klasse dynamischer und komfortabler. Aber es gibt neben Licht auch Schatten. Der Verbrauch ist zu hoch und die Karosserie ist unübersichtlich.

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          Neu ist relativ. Ein paar Änderungen am Kühlergrill, andere Zierleisten außen und dunklerer Kunststoff innen: Schon fährt ein „neues“ Automodell ins nächste Jahr. Beim jüngsten A4 hat sich Audi mit diesen Modifikationen nicht begnügt: neue Plattform, neue Anordnung der Antriebseinheit, neue Karosserie, neuer Innenraum, neue Preise – natürlich. Der neue Audi A4 ist so neu wie es nur irgendwie geht in diesen Zeiten.

          Zwei Ausstattungsstufen gibt es derzeit vom A4: Attraction und Ambition sollen die Wahl erleichtern, beide Versionen sind bereits ohne Zubehör sehr alltagstauglich ausstaffiert, aber dennoch gibt es einen Katalog der Nettigkeiten; die von uns bewegte Ambition-Variante steigerte sich durch Sonderausstattungen von 32.350 auf immerhin 40.490 Euro.

          Größter Posten ist dabei die Multimedia-Navigationseinheit, sie schlägt mit 2.790 Euro auf die Rechnung durch. Ob man fast zehn Prozent des Preises vom Serienauto dafür ausgeben möchte, muss jeder selbst entscheiden. Wir glauben, dass man durchaus mit einem A4 ohne Sonderposten zufrieden fahren kann, zumal eine Klimaanlage serienmäßig an Bord ist. Dass man zum Beispiel für eine variabel zu klappende Rücksitzlehne mit 290 Euro zur Kasse gebeten wird, betrachten wir als unfreundlichen Akt.

          Bild: F.A.Z.

          Nichts für konservative Audi-Käufer

          Der Modellwechsel vom alten A4 auf den jetzigen ist auch eine Frage der Generationen. Da kann man schon die Prognose wagen: Der konservative Audi-Käufer von früher wird den neuen A4 eher fliehen als feiern.

          Dafür sorgen zum Beispiel die aufdringliche Beleuchtung im Scheinwerfer oder auch die ausgeprägte Unübersichtlichkeit der Karosserie. Die Einparkhilfe (380 Euro) ist hier durchaus angebracht, im Rückspiegel spielt sich wegen des hoch sitzenden und flach gebauten Heckfensters (bei schlechtem Wetter verschmutzt zudem das komplette Heck recht intensiv) alles Mögliche ab, nur nicht das Geschehen unmittelbar hinter dem A4.

          Auch nach vorn seitlich trägt die Karosse stärker auf, als man schätzte. Unangenehm macht sich der mittlere Dachpfosten bemerkbar: Etwa zwanzig Zentimeter ist er breit, und zusammen mit der Kopfstütze für den Beifahrer summiert sich hier eine veritable Sichtbehinderung für den Fahrer.

          Großer Kofferraum mit kleiner Öffnung

          Über die Größe des glattflächig ausgekleideten Kofferraums kann man nicht klagen, 480 Liter Volumen sind mehr, als die wichtigsten Konkurrenten bieten, ein Reserverad ist nicht mehr an Bord.

          Aber die Öffnung ist nur 48 Zentimeter hoch, die Ladekante liegt 66 Zentimeter über der Straße, und der Kofferraumboden wiederum ist 14 Zentimeter tiefer angesiedelt. Da ist kräftiges Heben und kluges Senken gefordert. Vielleicht ist das auch eine Methode, den Kunden gleich zum A4 Avant zu führen.

          Nüchterne Sinnlichkeit im Innenraum

          Im Innenraum bietet auch der neue A4 jenes Audi-Ambiente, das man mögen kann, aber nicht muss. Es ist eine nüchterne Sinnlichkeit aus gut gewähltem Kunststoff, aus Glanz-Akzenten, unglaublich passgenau gefertigten Teilen und jenem Qualitätseindruck, der nicht unwesentlich an Aufstieg und Erfolg von Audi beteiligt ist.

          Allerdings wurde dieser Eindruck in dem von uns bewegten Exemplar getrübt: Der Fahrersitz knackte deutlich hörbar bei Verlagerungen der nicht unbeträchtlichen Last von rund 93 Kilo, und rechts hinten, im Bereich der Tankanlage, entstanden mitunter lästige Klappergeräusche. Ansonsten gab sich der neue A4 auch auf grobem Geläuf keine Blößen.

          Handbremse auf Knopfdruck

          Die vorderen Sitze sind eine gute Kombination aus Funktion und Bequemlichkeit. Für den Fahrer ist alles prima angerichtet, das Cockpit richtet sich am Fahrer aus, mit dem MMI-System kommt man auch ohne Studium klar, zumindest für die Basisfunktionen. Die auf Tastendruck haltende Feststellbremse löst sich beim Anfahren von selbst, ein Hebel wäre uns lieber, die gute alte Stockhandbremse war nicht ohne Meriten (zum Blockieren der Hinterräder etwa), das Aufkommen der Tastenbremse liegt am Punktesystem der Crash-Prüfung.

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