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Fahrtbericht : Auch der größte Porsche pflegt die Tugenden der Marke

  • -Aktualisiert am

Geländewagen mit erstklassigen Fahreigenschaften Bild:

Um Kraftentfaltung, Fahrgefühl, Sportlichkeit und Eleganz in sich zu vereinen, muß ein Auto schon ein Porsche sein. Am besten ein Cayenne, der Aufmerksamkeit erregt.

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          Der Wagen ist schon optisch eine Wucht. Wenn er zügig im Rückspiegel auftaucht, wird zuerst der Porsche erkannt. Das löst dann bei vielen Autofahrern den Fahrstreifenwechsel aus. Weil jeder weiß, daß der Porsche flink vorbeizieht und die Rückkehr auf die Überholspur nicht behindert. Wenn das Auto mit den Porsche-Linien dann kontinuierlich im Spiegel immer größer wird und - obwohl nicht dicht auffahrend - ihn fast ausfüllt, führt das oft zum überhasteten Verlassen der Überholspur. Der hohe Aufmerksamkeitsgrad, den der größte Porsche (aller Zeiten?) erzeugt, kündet auch von der Unerwartetheit des Autos. Unsere ersten Erfahrungen im Umgang mit dem mächtigen Porsche zeigen: An den Cayenne muß man sich erst noch gewöhnen.

          Daß ein Porsche schnell ist, das muß sein. Der Name verpflichtet. Flink muß er aber ebenfalls sein, nicht nur wie ein ICE auf der Schiene, diesmal auf der linken Spur der Autobahn, sondern auch ein Kurven-König der Landstraße. Auf den ersten Blick lassen das Volumen und Gewicht kaum erwarten. Doch guten Gewissens bescheinigen wir: Der Cayenne ist der Geländewagen mit den besten Fahreigenschaften. Am Lenkrad des 2,43 Tonnen schweren Wagens entsteht ein Gefühl der Sicherheit und ein Genuß der souveränen Kraftentfaltung, selbst wenn es "nur" das 60.204 Euro teure Basismodell mit einem 250 kW (340 PS) starken V8-Saugmotor ist. Der Cayenne Turbo leistet 110 PS mehr und ist 39.672 Euro teurer als der "S". Ein Über-Diesel wie beim VW Touareg (V10-TDI, 240 kW/313 PS) ist nicht in Sicht.

          Parallelen zum Touareg

          Apropos Touareg, Porsche spricht nicht gern darüber, aber der Cayenne teilt sich Plattform und Technik des permanenten Allradantriebs mit dem Geländekraxler von VW. Gebaut werden die Rohkarossen für Cayenne und Touareg im VW-Werk in Bratislava. Auch die Innenraum-Architektur erinnert an den Wolfsburger Bruder, Porsche verarbeitet freilich eine Spur höherwertig wirkende Materialien. Lenkrad und Armaturenbrett sind mit grauem, feinem Leder bezogen, die Nahtstellen in solider Eleganz abgesteppt. Eine matt schimmernde Aluminiumleiste lockert die Fläche auf, der Instrumententräger mit der klassischen Anordnung der Anzeigen läßt keinen Zweifel daran aufkommen, daß es sich hier um einen echten Porsche handelt. Die Raumverhältnisse sind großzügig, ledern bezogen sind die Bank im Fond und die elektrisch einstellbaren Sportsitze vorn (Aufpreis 1.044 Euro). Die Lehnen bieten guten Seitenhalt, die Fläche für die Oberschenkel versucht das ebenfalls, kräftige Wülste links und rechts drücken jedoch bei langer Fahrt recht hart in den Oberschenkel. Hinten sind Kopf- und Beinfreiheit tadellos, das Volumen des Kofferraums beträgt üppige 540 Liter.

          Gut in Form

          Das Umklappen der Rückbank ist etwas aufwendiger als nötig, die Kopfstützen müssen demontiert werden, um eine völlig ebene Ladefläche zu bekommen, das maximale Stauvermögen von 1.770 Liter versöhnt wieder. Die Verarbeitung ist generell von beeindruckender Qualität, ein gewisses Wohlgefühl stellt sich bei den Reisenden im Cayenne S alsbald ein.

          Schnell auch in der Kurve

          Anders als der Touareg ist dem Porsche eine überraschende Markenzugehörigkeit zu eigen. Der Wagen ist von vorn bis hinten auf die Porsche-Tugenden abgestimmt, angefangen beim mit sanftem Grollen erwachenden Motor. Wohlklingend dröhnt es für den hubraumliebenden Menschen aus den mächtigen Auspuffrohren am Heck. Dirigiert wird die Musik mit sechs Stufen einer Tiptronic (Aufpreis 2575 Euro, Sechsgang-Handschaltung ist von August an möglich). Schon der vorsichtige Druck aufs Gaspedal läßt den Cayenne S nach vorn schnellen. Sanftes Anfahren ist eine Übung, die erst nach mehrtägigem Training gelingt, die Abstimmung vermittelt ein äußerst sportliches Fahrgefühl und täuscht über die Masse hinweg. Möglich sind 7,4 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h; die gleichmäßig verlaufende Drehmomentkurve (420 Newtonmeter stehen zwischen 2.500 und 5.500 Umdrehungen in der Minute bereit) sorgt für gehörigen Anpreßdruck des Oberkörpers an die Rückenlehne. Nach knapp 17 Sekunden ist die 160-km/h-Marke erreicht, und die Tachonadel wandert mit unglaublicher Munterheit weiter. Die Höchstgeschwindigkeit des Cayenne S ist schließlich bei 242 km/h erreicht.

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