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Fahrtbericht Alfa Romeo GT 1.9 JTD : Im Dienst der Schönheit wird manches Leid marginal

  • -Aktualisiert am

Harmonischer Diesel, nur der Fahrkomfort bleibt auf der Strecke: Alfa Romeo GT 1.9 JTD Bild:

Hohe Erwartungen werden daran geknüpft, wenn sich eine Marke mit großer Geschichte der eigenen Vergangenheit zuwendet. Im Frühjahr hat Alfa Romeo den GT eingeführt.

          Hohe Erwartungen werden daran geknüpft, wenn sich eine Marke mit großer Geschichte der eigenen Vergangenheit zuwendet. Im Frühjahr hat Alfa Romeo den GT eingeführt, ein sportliches Coupé, das zwar auf der Basis der Mittelklasse-Limousine 156 entsteht, aber mit seiner schwungvoll von Bertone gezeichneten Karosserie zarte Erinnerungen an Wagen wie den Alfetta oder den Giulietta Sprint weckt. Der Gran Tourismo bringt freilich Elemente des modernen Automobilbaus mit, Alfa Romeo stellt neben drei Versionen mit Benzinmotoren eine Variante mit Dieselantrieb. Die Leistungscharakteristik des 110 PS (150 kW) starken Selbstzünders im 29 950 Euro teuren Alfa GT 1.9 JTD 16V Multijet Distinctive paßt vorzüglich zum sportlichen Anspruch, den der üppige und in markentypischer Form gestaltete Kühlergrill selbstbewußt voranträgt.

          Der Einstieg in die italienische Tradition will nur mäßig glücken. Zum einen, wenn der Alfa GT in einer engen Parklücke steht und die naturgemäß langen Türen nur einen knappen Öffnungswinkel erlauben. Zum anderen, weil das schwungvolle Armaturenbrett und die Zusammenstellung seiner Materialien die Sehnsucht nach Chrom und Holz vergangener Zeiten wecken. Etwas weniger Kunststoff-Anmutung wäre der Atmosphäre dienlich, da kann die sportliche Narbung des Oberflächenbezugs nicht blenden. Wie schon im Alfa Romeo 156 stößt die Bedienung des serienmäßigen Bordcomputers nicht auf ungeteilte Zustimmung, die Lüftungsdüsen erlauben eine nur ungenaue Ausrichtung der Luftströme, und die Tasten der Sitzheizung finden sich weiterhin eher zufällig am Rande der Sitzkonsolen und entziehen sich gekonnt dem Blick. Sonst birgt die Bedienung der fürs Fahren relevanten Schalter und Hebel keine Tücken, alles wartet am gewohnten Platz.

          Die lederbezogenen Sitze sind fein konturiert, geben Schultern und Taille in scharf gefahrenen Kurven den nötigen Seitenhalt und machen auf langen Strecken den Rücken nicht müde. Einstellen lassen sie sich in feinen Rastungen, in Verbindung mit dem gar nicht kleinen, in Höhe und Abstand justierbaren Lederlenkrad ist die passende Sitzposition schnell gefunden: ein wesentlicher Fortschritt gegenüber früheren Sportwagen italienischer Provenienz. Im Fond geht es eng zu, der Alfa GT wurde eher auf Fahrer und Beifahrer zugeschnitten. Auf der Rückbank ist das Leben trotz der Easy-entry-Funktion der Vordersitze eher freudlos. Es fehlt an Raum für Kopf und Beine, für kurze Fahrten mag es noch angehen. Die dritte Kopfstütze im Fond ist daher so überflüssig wie das fünfte Rad am Wagen. Besser ist es, auf diese Plätze zu verzichten und das knappe Volumen des Kofferraums von 320 Liter mit dem Umklappen der Rückenlehne auf 905 Liter zu vergrößern. Ohne zusätzliche Passagiere kommt man dann auch mit der eher geringen Zuladung von 435 Kilogramm aus.

          Eine sehr empfehlenswerte Position in der kurzen Liste der Extras sind die Parksensoren am Heck. Denn so schick die Karosserie des Alfa GT ist, sie nimmt einen rekordverdächtigen Platz auf der nach oben offenen Unübersichtlichkeits-Skala ein. Ständig drohen hohe Randsteine und heimtückische Poller dem feinen Metallic-Lack. Die tiefe Sitzposition des Fahrers, die wuchtigen Wölbungen des Blechs, vor allem aber die arg eingeschränkte Sicht nach hinten rücken das Rangieren ohne die hilfreichen, 350 Euro teuren Abstandswarner in den Bereich des Ungewissen. Von den kleinen Außenspiegeln ist dabei keine wirkliche Unterstützung zu erwarten.

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