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Fahrbericht VW Polo : Mehr als ein Kleinwagen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Der VW Polo war noch nie so wertvoll wie heute. Bei der teuren Ausstattung darf man nicht kleinlich sein. Aber Käufer können den soliden Kleinwagen für die nächste Generation bewahren.

          4 Min.

          Vor 40 Jahren war der VW Polo unser Wunschauto. Unser Traum war, mit einem bestimmten Auto nicht nur abzufahren, sondern mit diesem auch auf eigenen Rädern anzukommen. Denn wir fuhren damals Mini und erreichten das Ziel häufig mit dem Abschleppwagen. Der Mini war dauernd kaputt, und der Polo versprach die Käfer-Zuverlässigkeit. Er kam schließlich von Volkswagen, erschien erschwinglich, war der Zwilling vom schicken Audi 50. Aber er klapperte schon während der Probefahrt, hatte Räder wie der Teewagen von Oma, kam mit Pappe in den Türen und Hahnentritt-Karos auf den Sitzen. Aus dem Polo wurde im Jahr 1975 dann doch nichts.

          VW war damals ziemlich am Boden, aber Zahlen und Zeiten änderten sich: Der Audi 50 verschwand, der damals unter dem Käfer angesiedelte Polo mauserte sich zum Longseller. Heute ist der Polo nach seiner jüngsten, intensiven Überarbeitung ein Hightech-Kleinwagen und die beste Alternative zum VW Golf.

          Wer über einen neuen VW Polo nachdenkt, der sollte nicht seit Jahren knietief im Dispo stecken. Dabei kann man mit dem gar nicht mehr so kleinen VW nur wenig falsch machen. Er ist das kompakte Auto für die meisten Lebenslagen, und sein Charakter ist wie der des obersten VW-Lenkers und -Denkers: herrlich abgehoben, wenn es um Technik und Preise geht, aber geerdet durch ein etwas verbissenes Qualitätsstreben. Wer dieses mobile Wertpaket näher untersucht, sagt Donnerwetter und weiß, weshalb der Polo nicht billig ist.

          Der Testwagen kam bei einem Basispreis von 17.925 Euro auf die Komplettsumme von 23 690 Euro. Dabei führte er schon die Highline-Ausstattung heran und ließ sich dennoch um fast 6000 Euro aufbrezeln. Freilich könnte auf manche Position der Sonderausstattungen verzichtet werden, doch im Vergleich zur Konkurrenz ist er eine teure Wahl. Aber ist der VW Polo auch die bessere Wahl? Die Antwort: Nie war er so wertvoll wie heute.

          Etliche Details sind einfach gute Lösungen

          Freilich kommt der VW Polo auch billiger. Die Preisliste beginnt bei 12.600 Euro, und da haben wir noch nicht mit dem Händler gesprochen. Aber es könnte sich lohnen. Und nicht nur pekuniär. Der Polo ist Autobauers Passion. Denn seine Demonstration von Präzision und Qualität zum Anfassen reicht bis in die hintersten Ecken. Da gibt es keine labberigen Fasermatten. Nichts klingt hohl. Etliche Details sind einfach gute Lösungen: Im 61 Zentimeter tiefen, sauber tapezierten Kofferraum ist ein simpel zu bedienender Zwischenboden eingezogen, er sorgt für eine ebene Ladefläche mit 122 Zentimeter in der Tiefe und 86 Zentimeter in der Breite, wenn die hinteren Lehnen komplett geklappt sind. Aber wer die Sitzflächen der Rückbank nach vorne wirft, wird mit der Hässlichkeit von Streben und Schaumgummi konfrontiert: Die nackte Unterseite des Sitzes wirft einen Schatten auf die sonstige Makellosigkeit. Dass sich in den hinteren Seitenfenstern die Scheiben nur bis auf einen 13 Zentimeter hohen Rest versenken lassen, ist entweder Sicherheitsdenken oder Schönheitsfehler.

          Zugelassen ist der VW Polo als Fünfsitzer. Doch das Trio im Rückraum lebt bei einer Sitzbreite von 120 Zentimeter mit enger Tuchfühlung. Von der ersten Reihe wird Rücksichtnahme beim Zurückschieben des Sessels erwartet. Die Bank bietet wenig Körperhalt, ist stumpf gepolstert, und irgendwie entsteht der Eindruck, die VW-Entwickler sähen den Polo lieber mit nur zwei oder drei Figuren besetzt. Deshalb fehlt vielleicht hinten auch eine klappbare Armlehne in der Mitte. Fahrer und Beifahrer sind vorzüglich untergebracht. Es mangelt ihnen nicht an Ablagen, Klima und Hörgenuss, sie finden ein überbordendes Angebot an Beschäftigungsmöglichkeiten. Nach oberflächlichem Prüfergebnis kann sich der Fahrer um fast 30 Tasten und Regler kümmern, dem Beifahrer eröffnen sich ebenfalls etliche Zugriffe aufs Entertainsystem.

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