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Fahrbericht VW Golf GTE : Einen geldwerten Vorteil hat nur das Finanzamt

Golf GTE Bild: Hersteller

Der VW Golf ist alles: der Meistverkaufte, der Vielseitigste, der Innovativste. Egal ob Diesel, Benzin, Gas oder Strom – er kommt mit allem zurecht. Jetzt auch mit Benzin und Strom. Nur ist diese Lösung die teuerste.

          4 Min.

          Tempelhof, März 2014. Volkswagen will dem Kunden die Elektromobilität näherbringen und hat im alten Flughafen eine hübsche Sonderschau für alle Berliner Bürger zum Thema arrangiert, auch Probefahrten im elektrischen Golf werden angeboten. VW ist besonders stolz darauf, dass der Strom-Golf auf dem Produktionsband in Wolfsburg einfach so mitläuft, mit all seinen Brüdern, brauchen sie nun Diesel, Benzin oder Gas zur Fortbewegung. Drei Modelle im halbfertigen Zustand ohne Karosserie, aber mit der gesamten Antriebstechnik, symbolisieren das. Ein Benziner, ein Stromer sowie ein Hybrid-Golf, damals noch gar nicht auf dem Markt.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Es wird augenfällig, wie sehr der Hybride - GTE genannt - mit Technik überladen ist. Kein Wunder, vieles ist sozusagen doppelt vorhanden, er kann rein elektrisch oder mit Benzin fahren beziehungsweise zwischen den beiden Modi intelligent hin und her wechseln. Die 120 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Batterie im Heck lässt sich an der Steckdose laden.

          Der Aufwand ist groß und teuer, seit Dezember 2014 ist der GTE zu haben, für einen Basispreis von 36 900 Euro. Das sind 2000 Euro mehr, als der elektrische Golf kostet, der zudem besser ausgestattet ist. Nur knapp 24 000 Euro sind für den Gas-Golf mit seinem 1,4-Liter-Verbrennungsmotor und 110 PS (Fahrbericht vom 26. Mai 2015) aufzubringen. Der Grundpreis für einen Golf beträgt 17 650 Euro.

          Preise hin oder her, der Golf GTE ist ein sehr bemerkenswertes Auto. Er zeigt, was technisch möglich ist, und verschafft VW Vorteile beim Ringen um möglichst niedrige CO2-Werte (Stichwort Flottenverbrauch). Nur 35 g/km CO2 oder 1,6 Liter Normverbrauch stehen für den GTE zur Buche. Alle Achtung. Und das bei einer Systemleistung von 204 PS.

          Doch die Wahrheit liegt natürlich aufm Platz, das heißt im Alltag. Wir kamen auf 6,1 Liter im Schnitt auf 100 Kilometer; die reinen E-Fahrten herausgerechnet, auf 7,4. Allerdings verschieben einige Fernfahrten ohne „Zwischenladen“ das Bild. Im letzten Tank-Zyklus mit ausschließlich Stadt- und Regionalverkehr kamen wir auf 3,9/8,7 Liter. Je nachdem, wie viel man elektrisch fährt, kann man den Benzinverbrauch gegen null drücken. VW verspricht eine rein elektrische Reichweite von 50 Kilometer, was aber nicht zu schaffen ist. Einmal kamen wir auf 40 Kilometer, einmal gar nur auf 21 (bei 10 Grad Außentemperatur). Im Schnitt waren 32 Kilometer drin (das Mittel aus zwölf „Ladungen“).

          Angestöpselt wird der GTE vorn, hinter dem VW-Emblem versteckt sich der Anschluss. Das Ladekabel für die heimische Steckdose gehört zum Lieferunumfang. Wer Starkstrom laden will, muss für diese Schnur 142 Euro extra zahlen. Dann sind die Akkus in zwei Stunden wieder voll, sonst dauert es knapp vier. So ist schon der Halbtagsschaffende mit Lademöglichkeit am Arbeitsplatz auf der sicheren Seite.

          In 7,7 Sekunden die 100 km/h erreicht

          Rein elektrisch bewegt, ist der Golf bis zu 130 km/h schnell. Soll es flotter gehen, schaltet sich der 1,4-Liter-Benziner zu, der für sich genommen 150 PS bietet. Maximal sind sogar knapp 220 km/h drin. Doch widerspricht eine solche Hatz dem Grundgedanken des Fahrzeugkonzepts. Wer immer so schnell sein will, fahre GTI, nicht GTE. Klar, auch der GTE kann es flott, wenn er dazu genötigt wird: In 7,7 Sekunden sind aus dem Stand die 100 km/h erreicht. Um den Gangwechsel muss sich der Fahrer nicht kümmern, das erledigt ein Doppelkupplungsgetriebe. Es arbeitet auch im E-Modus, was zumindest im Testwagen mit etlichen Rucklern im Stadtverkehr verbunden war. Sonst ist jede E-Fahrt ein Genuss: Still und leise schwebt der Golf dahin, jegliche Hektik des Tages fällt von einem ab.

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