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Fahrbericht Seat Ibiza : Des Spaniers adrette Bräute

Seat Ibiza Bild: Hersteller

Der neue Seat Ibiza entfacht Feuer, macht dem Genspender Polo Dampf und wird bald auch noch zum SUV. Er ist ein gutes Auto. Ein sehr gutes sogar.

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          Was der gemeine Journalist, zumal der in Ölwannen aufgewachsene aus der Motorenfraktion, schwerlich ertragen kann, sind wohlfeile Hinweise von außen. Kumpels, Nachbarn, Ehepartner, diese Kategorie. Der Satz trifft denn auch ins Mark: „Schreib was Gutes über dieses gute Auto!“, ruft der besuchte Bekannte uns an der Hofausfahrt zu. Das geht natürlich gar nicht. Wer sind wir denn, dass wir uns so was vorschreiben lassen? Leider hat der Mann Ahnung von Autos, ist persönlich recht angenehm im Umgang, keiner der Kategorie Wichtigtuer, und jetzt kommt das Schlimmste: Er hat recht. Deshalb schreiben wir jetzt etwas über den neuen Seat Ibiza: Er ist ein gutes Auto. Ein sehr gutes sogar.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Das kam so: Der Volkswagen-Konzern entschied sich vor geraumer Zeit zur Anfertigung neuer Plattformen. Die hier unterlegte trägt den hübschen Namen A0 und stammt aus der Familie der modularen Querbaukästen. Das muss sich niemand merken, es genügt zu wissen, dass damit VW Polo, Audi A1, Škoda Fabia und ebender Ibiza beglückt werden. Ein kleines Wolfsburger Wunder ist die Entscheidung, das Ius primae noctis der spanischen Tochter zu überlassen. Als erstes Fahrzeug im Konzern darf sich die von Grund auf erfrischte fünfte Generation Ibiza der neuen Plattform bedienen. Die Auswirkungen sind bemerkenswert.

          Um zwei Millimeter auf eine Länge von 4,06 Meter gestutzt, ist der Ibiza um stattliche neun Zentimeter breiter geworden. Der Radstand wurde um 9,5 Zentimeter auf 2,56 Meter gestreckt. Das schafft kommode Platzverhältnisse vorn wie hinten in dem nur noch als Viertürer angebotenen Fünfsitzer. Um ehrlich zu sein: Kommode Verhältnisse auf vier Plätzen, der mittlere Ort hinten ist einer ohne Raum für die Füße. Das Gestühl ist um vier Zentimeter breiter als im seit 2008 angebotenen Vorgänger, die Sitzposition wurde etwas abgesenkt, dank Höhenverstellung finden kleinere wie größere Fahrer rasch ihre richtige Position. Die Winkel zu den Pedalen und zum Lenkrad passen, das ist einfach gekonnt. Das Kofferraumvolumen hat merklich zugelegt, die Ladekante ist gut zu überwinden, und die Rückbank lässt sich asymmetrisch geteilt umwerfen. Es entsteht eine leider leicht ansteigende Ebene, die aber gut nutzbar ist, sofern der dringend empfohlene doppelte Ladeboden eingezogen ist. Zur Orientierung: Ein Rennrad passt mit ausgebautem Vorderrad ohne Verrenkungen hinein.

          Fahrbericht : Seat Ibiza Xcellence 1.0

          Fahren ist ein Vergnügen. Die Lenkung spricht mit guter Rückmeldung so an, wie man sich das in dieser Klasse wünscht, und das Fahrwerk hat die früher ungebührliche Härte abgelegt. Der Ibiza ebnet noch immer nicht die Straße ein, aber er filtert so viel, dass auch Langstrecken kein Verdruss werden. Einzig bei sehr langsamer Fahrt rütteln Querfugen oder Kanaldeckel im Gebälk.

          Die Maschine ist ein Anabolikum. Sie stürzt sich bereitwillig in den Marathon und ist doch leichtfüßig im Sprint. Impulsiv geht sie voran, ohne zickig zu werden, man kann sich in sie verlieben. Das ist wahrlich selten in der Welt der Dreizylinder. Volkswagen gelingt das Kunststück, den ob seiner ungeraden Zylinderzahl zur Hibbeligkeit neigenden Motor sogar ohne Ausgleichswelle weitgehend zu beruhigen. Ganz verschwinden die Vibrationen nicht, aber der Fortschritt des aus dem kleineren Modell VW Up adaptierten Maschinchens ist signifikant. Auch der früher übliche Klang eines defekten Rasenmähers ist Vergangenheit, heute hört sich der Motor mit etwas gutem Willen sportlich an. VW traut sich nun gar, den Antrieb im Golf zu verbauen. Für den größeren Passat indes ist er nicht geeignet, dort ginge er an Überanstrengung ein, und auch dort, wo beständig Höchstleistung gefordert wird, hat sich Volkswagen von der Minimalisierung verabschiedet. Im 200 PS starken Polo GTI werkelt fortan ein 2,0 Liter großer Vierzylinder.

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