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Fahrbericht Renault Espace : Willkommen im Raumschiff

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Der Renault Espace hat die Gattung der europäischen Großraumlimousinen begründet. Die fünfte Generation des geräumigen Vans verlässt traditionelle Formen.

          4 Min.

          Der Espace, das war lange Zeit kein Auto, sondern eine Weltanschauung. 1984 brachte Renault den ungewöhnlich geräumigen und kastenförmigen Van auf die Straßen, die Marke reklamiert für sich, damit die Klasse der Großraumlimousinen in der Alten Welt begründet zu haben. Gewiss hat sich im Kielwasser des Espace eine ganze Armada von Autos mit gesteigertem Platzangebot formiert, seine Qualitäten blieben jedoch weitgehend unerreicht. Renaults hätschelte ihn, auch weil die vielen Versuche, im Segment der Oberklasse Fuß zu fassen, immer wieder erfolglos blieben. Im Sommer ist die fünfte Generation der größten aller Renault erneuert worden. Sie bietet noch mehr Raum, ein gut geschnürtes Bündel an Assistenzsystemen, traditionsgemäß bis zu sieben Sitze und einen futuristisch anmutenden Innenraum.

          Espace bedeutet im Französischen zwar Raum, klingt für uns aber irgendwie nach Weltall. Einstiegsmodell ist der Diesel-Van mit einem 130 PS (96 kW) leistenden 1,6-Liter Motor für 33 550 Euro. Die Version mit dem auf 160 PS (118 kW) erstarkten Selbstzünder gleichen Hubraums in der Ausstattungsstufe Intens kostet 40 150 Euro, sie ist für eine souveräne Fortbewegungsweise zu empfehlen.

          Der Espace steht auf Kante. Die pummeligen Rundungen von einst sind Vergangenheit, ein tiefer Bug und ein ebenfalls nicht sonderlich in die Höhe ragendes Heck geben optischen Schwung, große Leichtmetallräder im 19-Zoll-Format und forsch wie vom Wind geneigte D-Säulen schieben zusätzlich an. Sicken, Linien und Schwellerintarsien sollen die Flächen strukturieren. Eigenheiten, die Markenzeichen mancher Autos aus Frankreich sind - warum geradlinig, wenn es doch so wundervolle Radien und zauberhafte Wechselspiele von konkaven und konvexen Formen gibt?

          Innen wartet ein Arbeitsplatz auf den Kommandanten, der Jean-Luc Picard zur Ehre gereichte. Die Mittelkonsole schwebt zwischen den beiden elektrisch verstellbaren Vordersitzen, darüber thront ein mächtiger Monitor im Hochformat, 8,7 Zoll ist er groß und berührungssensitiv. Aber weit vom Chauffeur entfernt. Der erreicht ihn zwar mit ausgestrecktem Arm, der Finger jedoch kreist zumindest während der Fahrt auf nicht ganz ebenem Straßenbelag über der Schaltfläche wie ein Bussard über dem Feld und wartet auf die Chance, zielgenau zuzustoßen.

          Eine Sperre für den Rückwärtsgang gibt es nicht

          Das Lenkrad ist klein und lederbezogen, übersichtlich mit Fernbedienungstasten belegt, deren Funktionen sich auf Anhieb erkennen lassen. Auch die übrigen Bedienungselemente geben kein Rätsel auf, allein der Wahlhebel des sechsgängigen Doppelkupplungsgetriebes widersteht vor der ersten Fahrt jedem Versuch, eine Fahrstufe einzulegen. Eine Sperre für den Rückwärtsgang gibt es nicht. Statt einen Entsperrknopf zu drücken, muss das schlanke Metallhebelchen aus seiner angestammten Gasse in einen Bewegungsweg links davon gedrückt werden. Erst dann akzeptiert der Automat den Befehl.

          Anfahren will trotz Automatik gelernt sein. Präsent gibt sich der doppelt aufgeladene Selbstzünder, allzu eilfertig packt die Kupplung zu, die Insassen werden unbeabsichtigt in die Sitze gepresst, wenn der Espace losprescht. Da wäre ein wenig mehr Feinfühligkeit angemessen, vielleicht liegt es auch an unserem unsensiblen rechten Fuß. Immerhin verliert der französische Van mit der stärkeren Dieselmotorisierung auch bei schnellerer Fahrt seine Munterkeit nicht. Zwar ist er kein ambitionierter Freizeitsportler, für das flinke Vorankommen reichen die Leistung und 380 Newtonmeter Drehmomentspitze aber allemal.

          Immerhin gilt es, fast 1,8 Tonnen zu beschleunigen. Erst jenseits von 180 km/h wird der Diesel müde und ziert sich fast, den Espace auf die versprochene Höchstgeschwindigkeit von 202 km/h zu treiben. Das gelingt nur mit langem Anlauf. Dafür genügen ihm 9,9 Sekunden beim Sprint von 0 auf 100 km/h, ein respektabler Wert für einen Wagen dieser Größe und Gewichtsklasse.

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