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Fahrbericht Renault Espace : Zwischen den Stühlen

Bild: Helge Jepsen

Er ist die europäische Mutter aller Minivans und trägt einen großen Namen. Doch der Kunde kann mit diesem Konzept Auto kaum noch was anfangen. Schade.

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          Bevor es den Hype um das SUV gab, waren die Minivans so etwas wie die nächste große Mode der Autokonzepte. Der Chrysler Voyager und der Renault Espace machten 1983/84 den Anfang und waren viele Jahre ziemlich allein, bis dann VW und Ford mit dem Sharan und dem Galaxy, Renault mit dem kleineren, kompakten Scenic und dann Opel mit dem von Porsche entwickelten Zafira den Markt rockten. Später kamen noch andere und der kompakte VW Touran, der heute in Deutschland die Nummer eins in einem rückläufigen Segment ist.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          SUVs sind offenbar die bessere Alternative für alle, die hoch sitzen wollen und viel Platz in einem Auto brauchen. Das weiß auch Renault, und so hat der Hersteller mit der aktuellen Generation des Espace versucht, eine Art Cross-over auf die Räder zu stellen. Der große Wagen sieht schick aus und macht etwas her, doch sitzt er offenbar zwischen den Stühlen – zu viel SUV, zu wenig Minivan. Nur 1200 Einheiten konnten 2018 in Deutschland abgesetzt werden, Mitsubishi verkauft doppelt so viele L 200 Pick-up. 2019 sieht es etwas besser aus: Bis Ende September waren es schon 1267 Espace.

          Attraktiver macht ihn der neue Motor, mit dem unser Testwagen ausgerüstet war. Der 1,8-Liter-Turbobenziner mit Partikelfilter bietet schöne 300 Newtonmeter maximales Drehmoment und 225 PS. Damit ist der Raumkreuzer bis zu 225 km/h schnell und beschleunigt in rund acht Sekunden von 0 auf 100 km/h. An sich sind diese Werte aber nebensächlich. Viel wichtiger ist der ruhige und leise Lauf der Aluminium-Maschine, die aufs feinste mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe zusammenarbeitet. Bei 120 km/h im großen Gang liegen nur 2250 Umdrehungen in der Minute an, da lässt es sich sparsam gleiten. Mit 7,2 Liter Kraftstoffverbrauch darf rechnen, wer derart schonend auf flacher Autobahn unterwegs ist. Höheres Tempo, Stadt- und Regionalverkehr verlangt mehr, aber 9,9 Liter im Schnitt sind für ein großes und schweres Auto mit 4,86 Meter Länge noch akzeptabel. Im Vergleich mit der dritten Generation ist der Espace um gut zehn Prozent oder bis 250 Kilo leichter, die Türen sind aus Aluminium, die vorderen Kotflügel und die Heckklappe sind aus Kunststoff.

          Dafür gibt es Punkteabzug

          Lob gebührt Renault vor allem für die gelungene Gestaltung des Innenraums. Fahrer und Beifahrer fühlen sich fast wie in einem Flugzeug-Cockpit. Sie sind durch eine breite und durchgehende Mittelkonsole getrennt, die nach vorn in einen Hochkant-Monitor abschließt. Der Fahrer blickt zudem auf eine virtuelle Tacho-Einheit, die verschiedene Darstellungsformen bietet, wobei wir die analoge bevorzugen. Der Kopilot freut sich derweil über eine 12-Liter-Schublade, die winzigen Handschuhfächer haben die anderen. Vor beiden wölbt sich eine 2,8 Quadratmeter große Frontscheibe, die bis über die Sitze reicht und mit zum großartigen Raumgefühl beiträgt. Allerdings spiegelt sie stark, dafür gibt es Punkteabzug.

          Hinten sind drei Einzelsitze mit viel Beinfreiheit installiert, jedoch müssen die Beine schon relativ stark angewinkelt werden. Das heißt, man sitzt tief, weil der Wagen im Vergleich zum Vorgänger niedriger ist. Das ist erst recht auf den Sitzen 6 und 7 der Fall, die aber in unserem Wagen nicht verbaut waren. Sie kosten als Paar 1200 Euro Aufpreis und knabbern 66 Liter vom maximalen Ladevolumen weg. Das liegt bei stattlichen 2101 Litern, als Fünfsitzer sind es immerhin noch 680. Nach dem Umlegen der Einzelsitze durch Knopfdruck ergibt sich eine topfebene Ladefläche von gut 1,85 Meter Länge.

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