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Fahrbericht Renault Captur : Müdes Sparauto mit Frohsinn und Altersweisheit

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Hersteller

Der R4 war wie ein Werkzeug. Und witzig. Aber er lächelte nicht. Renault erfand damit den pragmatischen Imperativ auf Rädern. Der verbindet sich im Captur mit bunter Fröhlichkeit. Und keiner muss schalten.

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          Die Autowelt ist im Wandel wie nie zuvor. Überall kommen neue Konzepte auf, und der etwas andere Klein- oder Kompaktwagen sprengt die Definitionsdimensionen. Bei verwischenden Merkmalen der Kategorien und Karosserien ist der Renault Captur nicht nur schwer, sondern gar nicht einzuordnen, das SUV-Getue macht er nicht mit.

          Vielleicht ist es so am besten: Der Renault Captur ist ein Seniorenauto mit Jungbrunnen-Effekt. Oder ein junges Spaßauto mit Anleitung zur Altersweisheit. Ein Stadtauto für weite Wege. Mit R4-Qualitäten und einem Hang zu intelligenter Einfachheit. Oder einfach der etwas andere Kompakte von Renault mit Kultcharakter.

          Design

          Dass der Captur womöglich irgendwann in einem Atemzug mit Dauphine, R4, R5, mit R16 und Espace und dem ersten Twingo genannt wird, ist dem Design zu verdanken. Laurens van den Acker, zuvor bei Mazda und seit 2009 für die Renault-Linien verantwortlich, hat den Captur auf der technischen Basis des Clio spannend in die Kleider einer neuen Generation von Klein- oder Kompaktwagen gehüllt.

          Dabei ist es ihm gelungen, Attraktivität ohne Aggressionen zu kreieren. Im Gegensatz zum krud-spektakulären Juke vom Konzernpartner Nissan beschleunigt der Captur optisch nicht wie eine angreifende Hornisse, sondern zeigt sich in gemessenem Schritt eher wie ein gleitender Schmetterling. Aber gleichzeitig fügt er sich nicht in die Teddybären-Atmosphäre, die zum Teil die Varianten der BMW-Mini- oder Fiat-500-Familie verbreiten.

          Van den Acker weiß, wie sein Auto vor dem Abgleiten in die Lächerlichkeit zu bewahren war: Die dicken Räder hocken ganz außen in den Ecken, die Proportionen sind massiv und zeigen Muskeln, werden aber begleitet und relativiert von kräftigen Farben (Orange und giftiges Grün sind wieder da, ohne peinlich zu wirken) und wirkungsvollen Akzenten, die dem Renault eine unaufdringliche Freundlichkeit verleihen.

          Ausstattung

          Dazu zählen ein andersfarbig lackiertes Dach, Farbspiele im Innenraum und im Volant oder die bunten Bezüge auf den Sitzen. Das sind schon im nagelneuen Auto rustikale Schonbezüge, die sich dank Reißverschlüssen abziehen lassen. Klingt erfrischend und ist keine schlechte Idee, aber die Sitze selbst sind schmal, ihre Flächen kurz, und ihre Polsterung dürfte straffer sein.

          Aber damit wird schon der wesentliche Teil des Charakters verraten: Die Franzosen haben ähnlich wie Fiat erkannt, dass die besten Zeiten für konventionelle Kleinwagen mit der Attitüde des frechen Eckenflitzers vorüber sind. Mittlerweile sind andere Werte gefragt, nämlich jene, die mit dem Captur auffahren. Er ist komfortabel gefedert, rücksichtsvoll variabel eingerichtet, und die höhere Sitzposition lässt Senioren und Frauen schmunzeln.

          Bremsen

          Für die Jugend gibt es das appetitlich angerichtete Infotainment-Menü, für alle Altersgruppen sind die Assistenzsysteme zuständig. Zum Beispiel mit dem harsch eingreifenden ESP. Dennoch ist das Bremssystem nicht auf der Höhe der Zeit: Hinten gehen Trommeln ans Werk, wohl wegen der Kosten, von Nachteil war das bei Bremsprüfungen nicht.

          Licht

          Schlecht ist das Licht, das die Straße zu schwach ausleuchtet und mit seiner schmalen Silhouette den Captur für den Gegenverkehr unscheinbar macht. Hier besteht der wohl dringendste Handlungsbedarf.

          Bedienung

          Mit den Wanderungen über elektronische Spielwiesen auf dem zäh reagierenden 7-Zoll-Touchscreen kann man sich regnerische Nachmittage gestalten oder in einem der gefühlt hundert Untermenüs sich nach der Luftqualität draußen erkundigen oder seinen Avatar aufsuchen.

          Komfort

          Ein- und Aussteigen gelingt mit Würde, das Raumangebot ist ebenso angemessen wie die Ausstattung. In manchen Verkleidungspartien könnten bessere Kunststoffe zum Einsatz kommen, und die Mechanismen zum Verstellen und Verschieben von Sitzen und Rückbank fordern wegen der Neigung zum Klemmen körperlichen Einsatz.

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