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Fahrbericht Renault Captur : Autos zum Erleben

Das umhüllende Armaturenbrett geht zu Lasten des seitlichen Freiraums an den Knien. Dafür stehen 18 Möglichkeiten der Gestaltung parat, schwarze Sitze mit weißen Nähten und silberfarbene Applikationen schaffen eine edle Anmutung und eine angenehme Atmosphäre an Bord. Die Außenfarben mitgerechnet, sind 90 Kombinationen möglich. Das Handschuhfach ist wiederum eine Schublade. Die Fondpassagiere freuen sich über zwei Zentimeter mehr Kniefreiheit. Das Gros an Längenzuwachs wanderte aber in das nun größere Gepäckabteil, das sich als voll einkaufstauglich erweist. Dank doppeltem Ladeboden entsteht eine ebene Fläche. Die um 16 Zentimeter verschiebbare Rückbank ist so praktisch wie im Vorgänger und erleichtert die Entscheidung für Kind oder Kegel. Leider liegt die Ladekante unangenehm hoch, was mit einer dadurch günstigeren Versicherungseinstufung begründet wird, so aber statt aufs Konto auf die Bandscheibe drückt.

Die neue Plattform ermöglicht den Einsatz diverser Assistenzsysteme, erstmals sind ein Querverkehrswarner und eine 360-Grad-Kamera verfügbar. Das neu entwickelte Multimediasystem Easy Link kooperiert von der mittleren Ausstattungslinie an serienmäßig mit dem Smartphone. Eventuelle Updates für Navigation und Software werden automatisch ohne Zutun des Fahrers vollzogen.

Den Antrieb übernehmen Dreizylinder- und Vierzylinder-Benziner mit 100, 130 oder 155 PS sowie zwei VierzylinderDiesel mit 95 oder 115 PS. Wir hatten den Benziner in der stärksten Version mitsamt 7-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe. Der Antrieb harmoniert gut, er entspannt den Alltag, reißt freilich keine Bäume aus. Früher hat sich solch eine Leistung überbordend angehört, heute ist sie zu empfehlen. Mehr, also weniger, versprochen haben wir uns vom Verbrauch, der mit durchschnittlich 6,8 Litern zu hoch liegt. Ein Rätsel ist uns der Fahrkomfort. Die den Captur während der ersten Probefahrt bewegende Kollegin beschreibt die Abstimmung als komfortabel. Wir hingegen müssen von Hüpforgien an Kanaldeckeln und Querrillen berichten. Womöglich rauben die breiten Reifen des Test- wagens der Abstimmung das Feintuning.

Wir empfehlen eine Probefahrt. Dabei ließe sich auch sogleich klären, ob es vielleicht der sparsamere Diesel sein sollte. Oder ob es sich lohnt, auf den an der Steckdose aufladbaren Plug-in-Hybriden zu warten, weil der sich geschmeidig in die subventionierte Dienstwagenordnung fügte. Das Angebot ist reichlich, und es war noch nie so verführerisch verpackt wie jetzt. Das geben sogar wir als alter Modus-Fan gerne zu.

Unser Fazit

Stark: Wir gut so ein kleines SUV in das Leben passt. Bequem einsteigen, hoch sitzen und dank verschiebbarer Rückbank flexibel Kinder oder Kisten mitnehmen, das ist angenehm und clever. Dass es eine Automatik gibt. Und der schicke Stil.

Schwach: Die schlechte Übersichtlichkeit. Die hohe Ladekante. Die triste Basisversion, Finger weg. Das jedenfalls im Testwagen zu rauhe Abrollverhalten.

Wächst und wächst: Eigentlich wäre jetzt doch Platz für ein kleineres Modell. Eine Art Modus vielleicht?

Technische Daten und Preis

Empfohlener Preis 25.750 Euro

Preis des Testwagens 29.150 Euro

Vierzylinder Turbobenziner, vier Ventile je Zylinder, Abgasturbolader, Hubraum 1333 Kubikzentimeter

Leistung 154 PS (113 kW) bei 5500/min, maximales Drehmoment 270 Nm bei 1800/min

Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,23/1,80/1,58, Radstand 2,64, Wendekreis 11,1 Meter

Leergewicht 1341, zulässiges Gesamtgewicht 1811, Anhängelast 1200 Kilogramm, Kofferraumvolumen 422 bis 1275 Liter

Reifengröße 215/60 R17

Komfort & Sicherheit Einparkhilfe vorn und hinten, Rückfahrkamera, Notbremsassistent mit Fußgängererkennung, Spurhalteassistent, Navigationssystem für Easy Link, digitale Instrumententafel, induktive Smartphone-Ladefläche

Höchstgeschwindigkeit 202 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 8,6 s

Verbrauch 5,8 bis 7,9, im Durchschnitt 6,8 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer, 127 g/km CO2 bei einem Normverbrauch von 5,6 Liter, Tankinhalt 48 Liter

Die Anderen

Nissan Juke N-Connecta Lustiger Bruder, 117 PS, ab 23.490 Euro

Seat Arona FR Adretter Volkswagen, 150 PS, ab 24.120 Euro

Peugeot 2008 GT Forscher Franzose, 155 PS, ab 34.600 Euro

 

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