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Fahrbericht Range Rover Evoque : Pioniergeist in der neunten Dimension

Freilich geht das bisweilen zu Lasten der Spritzigkeit. Im neunten Gang erfolgt die Beschleunigungszunahme eher widerwillig, fordert man durch vehementen Tritt Akzeleration, dauert es einen Moment, und die Harmonie ist auch wieder dahin. Wir haben versucht herauszubekommen, ob die Anpassungsschwierigkeiten eher bei Schaltvorgängen von unten nach oben oder von oben nach unten vorkommen - ohne klare Erkenntnis. Es gibt kein Muster. So bleibt der Wunsch an ZF, die Abstimmung zu verfeinern. Womöglich ist das nur eine Frage der Software, doch da ZF das Getriebe schon einige Zeit erprobt hat, scheint die Lösung nicht ein simples Update zu sein.

Platzangebot

Der Evoque selbst ist ein gutes Auto, das nicht nur durch verführerische Linien überzeugt. Das Platzangebot ist besser, als es das schräge Dach vermuten lässt, jedenfalls können im nicht ganz so schräg wie der Zweitürer gezogenen Viertürer Erwachsene auch hinten sitzen. Das Fahrverhalten ist tadellos, freilich ist das Fahrwerk recht straff abgestimmt. Range Rover wird dies sportlich nennen, aber der Evoque ist doch kein Rennwagen. Zahlreiche neue Assistenzsysteme sollen das Leben an Bord erleichtern.

Allradantrieb

Seinen technischen Ursprung hat er (das französische Verb évoquer bedeutet erinnern) im 4,50 Meter langen Land Rover Freelander, allerdings kommt der Evoque mit 4,36 Meter aus, die Spur ist breiter, der Radstand blieb mit 2,66 Meter gleich, das erklärt die guten Platzverhältnisse.

Im Gelände sei der Evoque dem Freelander überlegen, sagen die britischen Untergrundspezialisten, obgleich die 4×4-Antriebstechnik der des Freelander entspricht. Der permanente Allradantrieb mit Haldexkupplung sorgt für Traktion, unterstützt von Elektronik, welche die Kraft zu jenem Rad leitet, das sie am nötigsten braucht. Es gibt vier Fahrprogramme (Straße, Schnee, Sand, Fels), sofern man sich für die allradgetriebene Variante entscheidet. Der frontgetriebene Evoque muss ohne sie auskommen, ihm wird die Geländetauglichkeit abgesprochen.

Kofferraum

In beiden Fällen schließt sich dem Fond ein eben zu beladender Kofferraum an, der nicht gigantisch, aber für den gewöhnlichen Familienbetrieb ausreichend ist. 400 Liter beträgt das Volumen, das sich dank umlegbarer Rückbank erweitern lässt.

Innenraum

Wir schätzen die feine Verarbeitung, die geschmackvolle Einrichtung, schöne Details und die gute Sitzposition. Allerdings wartet der Evoque auch mit einigen Sonderheiten auf, welche die Beziehung auf die Probe stellen.

Wieso hat das Auto Keyless Go, lässt sich also ohne Schlüssel starten, aber kein Keyless Entry, die automatische Türentriegelung? So muss man den Schlüssel zum Einsteigen aus der Tasche holen und ihn irgendwo ablegen, wozu sich indes eins der Ablagefächer in der Mittelkonsole ideal eignet. Die Sitzheizung wird über einen Druckknopf echauffiert, aber am berührungsempfindlichen Bildschirm geregelt - wer denkt sich solchen Unsinn aus?

Über die Eigensinnigkeit des Navigationssystems ist schon mehrfach berichtet worden, die Lage hat sich nicht verbessert. Ein Geselle ohne Feingefühl ist der Tempomat mit Abstandsradar, da fährt man besser selbst.

Fazit

Das macht ohnehin am meisten Freude, und über die kleinen Zicken schauen wir hinweg, wie im richtigen Leben. Mindestens 50.000 Euro müsste einem die Liebe auf den ersten Blick wert sein. Hätten wir das Geld, wir ließen uns hinreißen, ob mit oder ohne die neunte Dimension.

Stark: Land Rover setzt immer neue Zeichen der Innovation. Der Evoque tut dies mit seiner Form nach außen, das Neunganggetriebe von ZF nach innen.

Schwach: In der nächsten Generation muss Feinarbeit her an allem, was mit Elektrik zu tun hat: Navigation, Abstandsradar, Parkassistent, Bedienung der Sitze. Und eben am Getriebe.

Great Britain: Der Mut der Engländer ist beeindruckend. So sind sie auf der Erfolgsspur und werden dort bleiben.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 49.800 Euro
Preis des Testwagens 68.120 Euro

Reihenvierzylinder, vier Ventile je Zylinder, Hubraum 2179 Kubikzentimeter

Leistung 190 PS (140 kW) bei 3500/min, maximales Drehmoment 420 Nm bei 1750/min

9-Gang Automatikgetriebe

Permanenter Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe 4,36/1,90/1,64 Meter

Radstand 2,66, Wendekreis 11,30 Meter

Gewicht 1685, zulässiges Gesamtgewicht 2350 Kilogramm, Anhängelast 1800 Kilo, Kofferraumvolumen 400 bis 1445 Liter

Reifengröße 235/55 R 19

Infotainment
8-Zoll-Touchscreen, Meridian-Soundsystem mit 825-Watt-Verstärker, Multimedia im Fond, Festplatten-Navigation, TV für analog und digital

Assistenzsysteme
Surround-Kamera, Warnung Toter Winkel inklusive Annäherungssensor und Kollisionswarnung bei Rückwärtsfahren, Ausparkassistent, Assistent für Quereinparken, Geschwindigkeitsregelung mit Stauassistent und Notfallbremse, Erkennung der Wattiefe, Spurhalteassistent, Verkehrsschilderkennung, elektrische Heckklappe, schlüsselloser Anlasser, Fernbedienung für Garagentore

Verbrauch 6,9 bis 9,3 Liter, im Durchschnitt 8,8 Liter Diesel, 159 g/km CO2 bei Normverbrauch von 6,0 Liter, Tankinhalt 60 Liter

Höchstgeschwindigkeit 195 km/h, von 0 auf 100 km/h in 8,5 s

Versicherungs-Typklassen HP 24, TK 24, VK 22 Garantie drei Jahre oder 100.000 km, sechs Jahre gegen Durchrostung, Wartung jährlich

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