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Fahrbericht Porsche Macan : Nie war es vernünftiger, Porsche zu fahren

Motor

Alle Macan kommen mit dem Porsche-Doppelkupplungsgetriebe, das sich wie eine Automatik fährt. Für unser erstes intensives Kennenlernen des meistverkauften Porsche 2014 (Wetten, dass?) hatten wir den Dreiliter-V6-Diesel unter der Haube. Der stammt wie das gesamte Auto ursprünglich von Audi (Q5), ist aber von Porsche verfeinert worden.

258 PS (190 kW) mögen nicht die große (Sportwagen-)Welt sein, doch um mit der Familie flott unterwegs zu sein reicht es allemal. Zumal das Drehmoment schöne 580 Newtonmeter beträgt. Als Benziner (ebenfalls V6 und drei Liter Hubraum) kostet der Macan das Gleiche, es werden 340 PS (250 kW) geboten, jedoch nur 460 Nm und eine Spitzengeschwindigkeit von 254 km/h. Mit dem Diesel haben wir die Digitalanzeige bis auf 240 gebracht.

Das reicht doch im Jahr 2014, es sind im Übrigen echte 230 km/h. Von 0 auf 100 km/h stoppten wir 6,5 Sekunden, auch ein sehr guter Wert. Mit „Launch Control“ (Rennstartfunktion) geht es noch ein wenig fixer. Damit Papi spielen darf, muss er Mami weitere 1071 Euro erklären. Vielleicht hilft die dazugehörige schöne Stoppuhr auf der Mittelkonsole.

Sound

Was der Macan-Diesel überhaupt nicht hat, ist Sound, auch nicht gegen Aufpreis. Das sei angemerkt, wir empfanden den leisen Motor als eine Wohltat, wie überhaupt das gesamte Kapitel Fahren mit 13 Punkten (1-) zu bewerten ist.

Fahrverhalten

Etwas Punktabzug muss sein: Das Start-Stopp-System überzeugt nicht immer, es stellt oft zu früh ab (beim Rangieren), der Druckpunkt der Bremse (Motor aus oder laufen lassen) ist schwer zu finden. Auch die Federung könnte komfortabler sein. Die Luftfederung (2630 Euro) hatte unser Wagen nicht, im Turbo (3,6-Liter-V6, 400 PS/294 kW), dem dritten Motor in Angebot, ist sie serienmäßig.

Sonst ist alles Porsche at its best: Kurvenverhalten, Lenkung, Straßenlage bei hohen Geschwindigkeiten, die Bremsen. Wahrscheinlich ist sogar der Cayenne im Nachteil, schlicht weil er schwerer und größer ist. Vom Allrad ist kaum etwas zu spüren, es werden bei trockener Straße nur die Hinterräder mit Leistung versorgt, je nach Bedarf dann auch die Vorderräder.

Ein Untersetzungsgetriebe für schweres Gelände gibt es nicht, wohl aber einen Schalter für „Off Road“. Dann schalten alle Systeme in ein traktionsorientiertes Geländeprogramm (bis 80 km/h). Off Road ist das vierte Fahrprogramm des PDK neben Comfort, Sport und Sport Plus. Manuell schalten geht auch, mit Paddeln am Lenkrad oder mit dem Hebel in der Mitte. Es muss aber nicht sein. Das PDK (sieben Gänge) schaltet nahezu immer sanft, in „Sport“ wird es natürlich etwas störrischer.

Verbrauch

Bleibt der Verbrauch - der Knackpunkt vieler Autos. Einerseits trumpft der Macan mit einem Spitzenwert von 5,3 Liter auf 100 Kilometer nach einer Sparfahrt (nicht schneller als 120 km/h auf flacher Autobahn, der Motor dreht rund 1800/min) auf, andererseits benötigt er im Stadt- und Regionalverkehr und bei höherem Leistungseinsatz gut doppelt so viel: 10,9 Liter waren der Spitzenwert.

Der Durchschnitt belief sich schließlich nach mehr als 3000 gefahrenen Kilometer auf 9,9 Liter je 100 Kilometer. Kleines Aperçu am Rande: Ohne Aufpreis bietet Porsche einen 75-Liter- statt eines 60-Liter-Tanks. Warum nicht gleich?

Fazit

Ja, die Preisliste ist unergründlich. Sie verdirbt ein wenig den Spaß am Mut, statt eines Familienkombis den Macan zu bestellen. Viele werden es dennoch tun, einfach zu groß ist die Versuchung, sich einen Traum zu erfüllen und dabei dennoch ein praktisches Auto mit viel Platz und Allradantrieb zu erwerben.

Stark: Das Fahrverhalten. Liegt auf der Straße wie ein Sportwagen, bremst wie ein Sportwagen, ist fast so agil wie ein Sportwagen. Viel Platz für Kind und Kegel, großer, variabler Kofferraum. Sehr gute Verarbeitung. Gefällige Karosserie.

Schwach: Der Normverbrauch hält wieder einmal nicht, was er verspricht. 9,9 Liter im Schnitt sind etwas zu viel. Die Aufpreisliste nervt.

Knauserkönig: Aber er kann auch anders: 5,3 Liter auf 100 km bei 120 km/h Marschtempo. Das werden selbst die Vierzylinder, die noch nachgeliefert werden, nicht viel besser können.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis: 57.930 Euro
Preis des Testwagens 83.872 Euro

V6-Turbodieselmotor, vier Ventile je Zylinder, Hubraum 2967 Kubikzentimeter

Leistung 258 PS (190 kW) bei 4000/min, maximales Drehmoment 580 Nm bei 1750/min

Doppelkupplungsgetriebe mit 7 Vorwärtsgängen

Allradantrieb, elektronisch geregelt

Länge/Breite/Höhe 4,68/1,92/1,62 Meter

Radstand 2,81, Wendekreis 11,80 Meter

Gewicht 1880, zulässiges Gesamtgewicht 2575, Anhängelast 2400 Kilogramm, Kofferraumvolumen 500 bis 1500 Liter

Reifen 235/60 R 18 vorn, 255/55 R 18 hinten

Infotainment: Audiosystem mit 7-Zoll-Farbmonitor (Touchscreen), Radio mit RDS-Doppeltuner und CD/DVD-Laufwerk. MP3-fähig, 11 Lautsprecher, USB. Navigation (Festplatte, dynamische Route, mit TMC) für 2951 Euro extra, Sprachbedienung, Telefon, Online, Bluetooth und TV gegen Aufpreis.

Assistenzsysteme: u.a: Parkassistent mit Rückfahrkamera, Verkehrszeichenerkennung, adaptiver Tempomat, Spurwechselassistent, Spurhalteassistent (alles gegen Aufpreis). Reifendruckkontrolle, Multikollisionsbremse, Start-Stopp, Fahrlichtassistent, Regensensor, elektrische Heckklappe

Höchstgeschwindigkeit 230 km/h, von 0 auf 100 km/h in 6,5 s

Verbrauch 5,3 bis 10,9, im Durchschnitt 9,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer, 164 g/km CO2 bei Normverbrauch von 6,3 Liter, Tankinhalt 60/75 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 21, TK 27, VK 28

Garantie: zwei Jahre, zehn gegen Durchrostung, Wartung alle 30.000 Kilometer oder zweijährlich.

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