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Fahrbericht Porsche 911 : Fährt sich wie ein normales Auto

Bild: Hersteller

Keinem deutschen Auto werden mehr Emotionen entgegengebracht als dem 911. Die Fangemeinde litt, als 1997 die Luftkühlung starb. Jetzt gibt es fortan nur noch Turbomotoren.

          4 Min.

          Porsches größter Trumpf ist der 911. Mögen inzwischen die Macan und Cayenne für die Rendite sorgen, ohne den Elfer, der seit mehr als 50 Jahren durch Deutschland, Europa und die Welt fährt, gäbe es sie nicht. Der Sportwagen wird geliebt und geachtet wie kein Zweiter, es mag daran liegen, dass jeder um die 60 oder jünger mit dem Elfer aufgewachsen ist. Er war schon immer da und präsent, wirklich jeder kennt ihn, weil es gelungen ist, die einmalige Silhouette von 1964 in den zig Generationen seither so fortzuschreiben, dass der Elfer immer der Elfer geblieben ist. Auch wenn er dramatisch an Gewicht und Breite zugelegt hat. Besonders deutlich wird das, wenn der neueste Spross, intern 991.2 genant, mit einem seiner Vorgänger zusammenkommt. Selbst der 1995er-Elfer des Nachbarn ist ein schmales Hemd im Vergleich zum 911 Carrera aus dem Jahr 2016. Von den ersten Generationen aus den sechziger Jahren nicht zu reden.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Technik bleibt nicht stehen, sie schreitet voran und will und muss genutzt werden, und so fand im Laufe der Jahre fast alles, was das Fahren einfacher, sicherer und bequemer macht, Einkehr in den 911. Angefangen von der Servolenkung bis zum adaptiven Tempomaten, der jetzt erstmals zu haben ist, wie auch ein Spurwechselassistent. Das Navigations- und Konnektivitätsangebot wurde mit der unlängst erfolgten Überarbeitung auf den neusten Stand gebracht, alle 911 haben jetzt ohne Aufpreis das PCM, das Porsche Communication Modul. Dies haben wir im Detail in einem separaten Artikel schon besprochen.

          Gleich geblieben ist über all die Jahre das Grundkonzept: Motor und Antrieb hinten, flache Karosserie, 2+2 Sitze im Innenraum, kleiner Kofferraum unter der Fronthaube. Der Motor hat jetzt wieder einmal die nächste Entwicklungsstufe erreicht, und dass jetzt alle Elfer zwangsbeatmet werden, ist für viele ein schwer erträglicher Stilbruch, so wie vor knapp zwanzig Jahren der Wechsel von der Luft- zur Wasserkühlung. August Achleitner, der für die Carrera-Baureihe verantwortliche Ingenieur von Porsche, nimmt diesen Wechsel auch als Beispiel, um die Tragweite der technischen Veränderungen zu unterstreichen: „Der Sprung zu diesem neuen 991.2 entspricht in etwa dem vom luftgekühlten zum wassergekühlten Elfer Ende der neunziger Jahre“, sagte er dieser Redaktion im vergangenen Jahr während letzter Erprobungsfahrten für das neue Modell in Südafrika.

          Im Basismodell liegen nunmehr 370 PS an

          Doch es bauen nicht einfach nur Turbolader neuen Druck auf, auch der Hubraum der Motoren wird verkleinert. Statt 3,4 oder gar 3,8 Liter Hubraum im S-Modell wie bisher müssen jetzt 3,0 Liter genügen. Downsizing nennt man das. Weniger Hubraum, aber mehr Leistung und weniger Benzinverbrauch, lautet allgemein das Credo. Im Basismodell liegen nunmehr 370 PS an, der von der Redaktion bewegte Carrera S hat sogar 420. Das sind 290 PS mehr als 1964 und 260 mehr als im 911 S 2.0 von 1966, dem ersten Elfer mit „S“. Außerdem darf sich der Porsche-Pilot von heute auf ein ordentliches Plus an Drehmoment freuen. Satte 500 Newtonmeter werden jetzt geboten, und das eher sportwagenuntypisch schon ab 1700 Umdrehungen die Minute. Bei 7500/min läuft die Nadel des Drehzahlmessers in den Begrenzer, selbiges tut sie sechs Mal, wenn man voll auf dem Gas stehen bleibt.

          Die Spitzengeschwindigkeit im siebten Gang beträgt über 300 km/h. Wie mehr als vier Fünftel aller ausgelieferten 911 war der Testwagen mit dem 3480 Euro teuren Porsche-Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet. Das fährt sich bekanntlich wie eine Automatik, nur besser. Eine Kickdown-Schwelle im Gaspedal fehlt jetzt, dafür liefert der Motor aber jederzeit ausreichend Schub. Oder man muss eben selbst zu den Schaltpaddeln am Lenkrad greifen.

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