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Fahrbericht Polo GTI 2.0 TSI : Junger Wilder im feinen Zwirn

  • -Aktualisiert am

Bild: Volkswagen

Der neue VW Polo GTI tritt erstmals in der Zweiliter-Turboklasse an. Feine Manieren hat der kleine Kompaktsportler durchaus. Aber er kann mit seinen 200 PS auch anders.

          4 Min.

          Kaum vorstellbar, dass die Karriere des sportlichsten Polo mit gerade einmal 60 PS begonnen hat. Genau so stark war 1979 die seinerzeit noch GT genannte schärfste Version des ersten Kleinwagen-Jahrgangs von Volkswagen. Erstmals mit dem Kürzel GTI (steht für Gran Turismo Injektion) geadelt wurde der unterdessen auf 120 PS erstarkte Kraftzwerg auf Basis der dritten Polo-Generation vor exakt zwanzig Jahren. Inzwischen ist der Polo Numero sechs am Start, der schwächste Motor in dem auf 4,05 Meter gestreckten Kleinwagen leistet heute fünf PS mehr als im Ur-GT, und der GTI als sportliche Krone der Baureihe hat die magische 200-PS-Grenze geknackt. So ändern sich die Zeiten.

          Der nur noch als Viertürer antretende neue Polo GTI präsentiert sich ähnlich wie sein Vorgänger im dezenten Maßanzug, krawallige Optik ist seine Sache nicht. Gleichwohl fehlt es nicht an sportlichen Insignien wie den Lufteinlässen im Wabendesign, der charakteristischen roten Linie unterhalb der Motorhaube, die sich durch die gegen Aufpreis erhältlichen Voll-LED-Frontscheinwerfer zieht, dem zweigeteilten Dachspoiler oder den neu gestalteten 17- und 18-Zoll-Leichtmetallrädern, deren glanzgedrehte Felgen den Blick auf rot lackierte Bremssättel freigeben.

          Keinesfalls in Zurückhaltung übt sich das Kraftpaket beim Antrieb. Der aus dem Golf GTI entlehnte Zweiliter-Turbodirekteinspritzer kommt im Polo GTI auf exakt 200 PS, er ersetzt den bisherigen 1,8-Liter-TSI mit 192 PS. Das Drehmoment von 320 Newtonmeter liegt bereits bei 1500 Umdrehungen in der Minute an und bleibt bis fast 4400/min konstant. Über das serienmäßige Sechsgang-DSG gelangt die Kraft des Vierzylinders an die Vorderräder. Wer will, scheucht den 1,3 Tonnen schweren Fünfsitzer in nur 6,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und treibt ihn hinauf bis Tempo 237 km/h. Für optimalen Grip und ein gutes Sicherheitsgefühl auch in schnell durcheilten Kehren sorgt die serienmäßige elektronische Differentialsperre, für das Grinsen im Gesicht die fulminante Beschleunigung aus dem Drehzahlkeller heraus.

          Rotzig-pubertär mit sprotzelnden Fehlzündungen

          Der Polo GTI lechzt förmlich nach Kurven und bleibt ohne viel Windgeräusche auch bei hohem Tempo spurtreu. Die satte Straßenlage des um 15 Millimeter tiefer gelegten Fahrzeugs profitiert vom vier verschiedene Fahrmodi bereithaltenden Sportfahrwerk. Gegen 290 Euro Aufpreis steht das mit schaltbaren Dämpfern ausgestattete Sport-Select-Fahrwerk zur Wahl. Neben zahlreichen Extras, die den Basispreis von 23.950 auf 33.510 Euro hinauftreiben, war das Testfahrzeug auch damit ausgerüstet. Im Sportmodus, in dem die Motorkennlinie und die hochpräzise Lenkung noch schärfer gestellt sind, die Gänge höher drehen und die in der Normal-Stellung sozialverträgliche Klangfarbe des Triebwerks hin zu Röhren und Brüllen wechselt, legt der kompakte Sportler seine ansonsten feinen Manieren ab und gibt sich rotzig-pubertär mit sprotzelnden, künstlich erzeugten Fehlzündungen beim Gaswegnehmen.

          In diesen Momenten wünscht sich sicher nicht nur die junggebliebene Fahrerin einen knackig-kurz gestuften Handschalter statt des DSG, auch wenn der Gangwechsel über die Schaltwippen am Lenkrad sehr schnell erfolgt. Volkswagen wird ein manuelles Sechsganggetriebe erst zu einem späteren Zeitpunkt nachreichen. Natürlich lässt sich die Rennsemmel auch vernunftorientiert bewegen. Bei Tempo 120 km/h auf der Autobahn schnurrt die Maschine mit 2250/min, und die Passagiere freuen sich über eine Federung, die zwar schon im Normal-Modus sportlich abgestimmt ist, sich aber nie von der wirklich unkomfortablen Seite zeigt. Mit einem Testverbrauch von 7,5 Liter ist der Polo GTI zwar kein Sparbrötchen, der Wert geht aber angesichts der Leistungsdaten in Ordnung. Statt der derzeit strengsten, noch nicht verpflichtenden Schadstoffnorm Euro 6d-Temp wird nur Euro 6b erfüllt, einen Ottopartikelfilter hat der Polo GTI nicht.

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