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Fahrbericht Peugeot 2008 : Schwimmen kann er nicht

Bild: Helge Jepsen

Den 2008 lobt Peugeot als SUV aus. Er ist von schöner Gestalt und hat auch sonst eine Reihe von Talenten, vor allem überzeugt der Antrieb. Ins Gelände sollte man sich damit aber nicht wagen.

          4 Min.

          So läuft das in einem schlechten Film: Den Strand beherrscht ein Bademeister mit Sixpack und breiten Schultern, der einen gewaltigen Charme verspritzt. Alle himmeln ihn an. Und dann, wenn er mal gebraucht wird, stellt sich heraus, dass er nicht schwimmen kann. Solch einen automobilen Bademeister heißt man heute neudeutsch Crossover, Fahrzeuge also, die aussehen wie ein SUV, aber keines sind, weil sie mangels Allradantrieb im kleinsten Schlammloch stecken bleiben. Das ist nicht weiter schlimm, die Leute mögen sie einfach, weil sie schön sind und Offroad-Talente meist nicht gebraucht werden.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der Peugeot 2008 ist so einer, er sieht aus, als wollte er das nächste Maisfeld mit der Nase abernten, kommt aber nur mit Frontantrieb daher. Er ist, wie heute üblich, ein Stück länger als sein Vorgänger und hat von seinen Designern ein freches Gesicht bekommen mit schmalen Augen und LED-Tagfahrleuchten, die in einem schicken Bogen die Wangen einrahmen. Wir haben keinen getroffen, der Prinz Charming nicht hübsch fände – von vorn und von der Seite, von hinten ist das Geschmacksache. Der keck herausragende Bürzel taugt aber bestens, um sich unter die geöffnete Heckklappe zu setzen und in Ruhe einen Döner zu verspeisen.

          Innen gefällt er auch, alles, was ins Auge fällt, ist optisch in die Breite gezogen und kaschiert so trefflich, dass man in einem schmalen Auto sitzt. Ein Wunderwerk der Technik sind die Armaturen, sie zeigen dreidimensional an, was wie ein Hologramm wirkt, allerdings sind sie nicht besonders übersichtlich. Die Einheit vor dem Fahrer ist von einem Rahmen mit zwei Griffen an der Seite umgeben, herausreißen lässt sie sich daran nicht. Das angenehm kleine Lenkrad ist oben und unten abgeflacht; das sieht ein bisschen nach Formel 1 aus und hat den Vorteil, Fahrern durchschnittlicher Körpergröße den Blick auf die Anzeige über den oberen Rand freizugeben, solange es geradeaus geht, außerdem liegen die Hände automatisch am richtigen Platz.

          Die dreistufige Sitzheizung tritt energisch an

          Fein sieht die Karbonoptik der Kunststoffteile aus, und nachts erhellen grüne Leisten dezent den Innenraum. Die Sitze sind bequem und bieten guten Seitenhalt, auf langen Strecken hätte sich der frisch operierte Rücken des Testers aber über etwas mehr Unterstützung der Lendenwirbel gefreut. Die dreistufige Sitzheizung tritt energisch an, schon in der kleinsten beginnt der Allerwerteste nach kurzer Zeit zu kochen. Die Kopffreiheit ist vorn wie hinten groß, auf der umklappbaren Sitzbank sitzen zwei Leute ausreichend bequem. Die stabilen A- und B-Säulen vermitteln in Verbindung mit den schmalen Fenstern ein Gefühl der Geborgenheit, die Rundumsicht ist freilich mäßig. Das gleicht die Kamera wieder aus, sie liefert rundum scharfe Bilder. Empfindliche Menschen könnten sich auf langen Strecken an einem Luftzug stören, der entlang der Seitenscheibe strömt und dann das linke Auge trifft.

          Ein Kapitel für sich ist die Bedienung. In Autos, deren Konstrukteure nachgedacht haben, erschließt sie sich nach kurzer Zeit von selbst. Im Peugeot sucht der Novize vergeblich nach simplen Funktionen wie Tageskilometerzähler, Momentanverbrauch oder Empfindlichkeitsregelung des Regensensors, stattdessen gibt es einen dicken und vom Lenker verdeckten Satelliten unterhalb des Blinkers für die Geschwindigkeitsregelanlage und eine Orgie von Knöpfen, die zum Spielen einladen. Der Kollege war kürzlich im Schwestermodell so freundlich und meinte, man könne das vielleicht gut finden.

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