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Fahrbericht Opel Crossland X : Passt gut und sitzt doch nicht richtig

Der Opel Crossland X Bild: Adam Opel GmbH

Opel bewegt sich auf steinigem Grund. Da trifft es sich gut, ein Eisen im Feuer der kleinen SUV zuhaben. Aber ist es heiß? Der Fahrbericht.

          5 Min.

          Es soll deutsch-französische Ehen geben, die ganz gut funktionieren. Wie harmonisch die eben geschlossene zwischen Opel und PSA Peugeot-Citroën anläuft, ist von außen schwer zu beurteilen. Die meiste Zeit bemühen sich beide Partner, ein Bild ohne Zwist abzugeben. Allerdings ist in dieser Verbindung unter Ungleichen einer stärker als der andere, die französische Seite hat das Sagen. Dort sitzt ein Chef mit klaren Absichten und noch klareren Ansagen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Auf der gerade zu Ende gegangenen Automesse IAA in Frankfurt traf man sich denn mit dem PSA-Vorstandsvorsitzenden Carlos Tavares zum Plausch, nicht etwa auf dessen Stand von Citroen, sondern auf dem von Opel. Dortselbst erklärte der Mann, Opel werde demnächst von der Plug-in-Technik des PSA-Konzerns profitieren, mit dem Elektroauto Ampera sei nichts zu verdienen und es werde deshalb womöglich nie in den freien Verkauf gelangen, künftig würden möglichst viele Autos auf gleiche Plattformen gestellt und, Achtung, Breitseite: Der Messestand von Opel sei viermal so teuer wie der von Citroën. Verbunden mit der rhetorischen Frage: „Und finden Sie, dass der Stand von Citroën billig aussieht?“ Sah er nicht, er hatte allerdings ein paar konzeptionelle Defizite. Ob das ein Omen für künftige gemeinsame Autos ist, wissen wir nicht. Einen Vorgeschmack aber gibt es schon. Er heißt Opel Crossland, stammt vom Peugeot 2008 ab, kommt mit ihm im Opel-Werk Saragossa zur Welt und war nun für einige Tage Gast in der Redaktion.

          Vereinbart worden ist diese Kooperation weit vor der Übernahme von Opel durch PSA, noch unter dem Eindruck, es sei sinnvoll, Kräfte zu bündeln für ein Marktsegment, dem sagenhafte Wachstumschancen zugeschrieben werden. Ständig stiegen die Zulassungszahlen, bald werde das SUV-Segment das größte in Deutschland sein, glaubt der Opel-Vertrieb, nicht nur er. Besonders im B-Segment der kleinen SUV sei Musik drin. Wurden 2010 nur 37000 Stück dieser Spezies verkauft, waren es 2016 schon 192000, und 2018 sollen es rund 250000 werden. Opel hatte dafür eigentlich den Meriva im Angebot, aber der war zu brav und mit seinen gegenläufigen Türen im Alltag unpraktischer als gedacht. Der Nachfolger musste also ein pfiffiger Kleinwagen im SUV-Anzug sein, so kam der Crossland heraus.

          Fahrbericht : Opel Crossland X

          Erster Eindruck: viel Opel, wenig Peugeot. Bis auf das simple Head-up-Display, das mit einem Plastikscheibchen arbeitet, sind keine Gleichteile erkennbar. Der Crossland wartet mit einer Menge guter Ideen auf. Vor allem bietet er trotz knapperer Ausmaße mehr Platz als das Modell Mokka, das bislang allein die rustikaler anmutenden Aufgaben von Opel übernahm. Der Crossland wählt eine weichere Linie, die Karosserie ragt hoch und schmal auf, sie spielt frech mit dem seitlichen Schwung am Dach und lockt mit einer Zweifarblackierung, die der Renault Captur einst salonfähig machte und die heute im ganzen Segment en vogue ist. Der Testwagen erschien in rotem Corpus mit schwarzem Dach, was ihm gut steht. Schick wirkt auch die Front, sofern Voll-LED-Lampen installiert sind, die zudem einen Sicherheitsgewinn bringen. Feine Accessoires wie den Unterfahrschutz haben nur die höheren Ausstattungsvarianten. Rasch gelangt der Interessent in den Strudel kostspieliger Verführungen, aber komplette Enthaltsamkeit ist keine Lösung. Die 16850Euro für das mit dem müden 81-PS-Benziner ausstaffierte Basismodell sind ein freudloses Lockvogelangebot. Besser ausgestattet sind die Versionen „Edition“ und „Innovation“, mehr als zwei Drittel der Kunden entscheiden sich dafür, aus gutem Grund.

          Sie treffen auf ein braves Fahrwerk, das keine besonderen Ambitionen hegt, der Komfort ist soweit in Ordnung. Die starke Seitenneigung in Kurven vermag es allerdings nicht zu unterdrücken. Allradantrieb ist nicht im Angebot. Es werden stets die Vorderräder mit Kraft versorgt, was zumindest der unter Drehzahl gehaltene Dreizylinder-Turbo entschlossen tut. So entschlossen, dass die Antriebseinflüsse unangenehm an der Lenkung zerren. Die Maschine erweist sich als munterer und nicht zu laut schnatternder Geselle, der bis 6500/min dreht, unter Ausnutzung seiner dynamischen Talente aber durstig wird. Die beachtliche Höchstgeschwindigkeit benötigt viel Anlauf, unser Exemplar erreichte sie nicht. Das Sechsganggetriebe wünschten wir uns knackiger mit kürzeren Wegen.

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