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Fahrbericht Opel Corsa : Kleiner Kerl, große Last

Bild: Helge Jepsen

Nichts verkörpert die schwere Aufgabe eines Neuanfangs für Opel so wie der Corsa. Er ist das erste von Grund auf konstruierte Modell, seit PSA das Sagen in Rüsselsheim hat.

          4 Min.

          Das waren noch Zeiten, als Steffi Graf für den Opel Corsa Werbung machte. In den Achtzigern war das. Niemand hätte gedacht, dass Opel jemals französisch werden würde, doch es ist so gekommen, und bislang läuft es doch ganz gut. Auch wenn der neue Corsa, dessen Zwilling der neue Peugeot 208 ist, eine mächtige Last zu schultern hat: Er muss liefern, also ein Erfolg werden, auch weil er jetzt den Einstieg in die Opel-Welt markiert. Die Modelle unterhalb des Kleinwagens, der auf den preisbewussten Kunden zielende Karl und der poppige, eher teure Adam, der viel fürs Opel-Image getan hat, wurden gestrichen, zusammen mit dem viersitzigen Cabriolet Cascada. Außerdem kommt der große Insignia langsam in die Jahre, und der Astra, einst Golf-Gegner Nummer eins, ist auf dem Markt nur noch ein Schatten seiner selbst. Aber der neue Corsa ist ein guter Grund, mal wieder beim Opel-Händler vorbeizuschauen, das vornweg.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zumal er bald auch als reines Elektroauto zu haben sein wird. Doch in der Redaktion hat sich jetzt erst mal der 1.2 DI Turbo vorgestellt, der einen Dreizylinder-Ottomotor mit 100 PS unter der Haube hat. Der kostet mindestens 17 530 Euro, während der Basispreis für die 1,2-Liter-Maschine ohne Turbo und mit läppischen 75 PS bei 13 990 Euro ansetzt. Doch auch dieser Corsa ist schon ziemlich gut ausgestattet. Alle Varianten haben einen Frontkollisionswarner mit automatischer Gefahrenbremsung und Fußgängererkennung (aktiv bis 85 km/h), einen Tempomaten und einen Tempobegrenzer sowie einen nervigen Spurhalteassistenten, den wir nach kurzer Zeit immer ausgeschaltet ließen. Auch eine Müdigkeitserkennung, sieben Airbags, elektrische Helfer für Außenspiegel und Seitenfenster, eine Zentralverriegelung, Start-Stopp, eine asymmetrisch geteilte Rückbank und viele sinnvolle Ablagemöglichkeiten gehören zur Grundausstattung, allerdings fehlt die Klimaanlage in der Basisvariante.

          In der gefahrenen Elegance-Linie kommen dann noch Dinge wie eben die Klimaanlage, ein größerer Informationsbildschirm, LED-Licht, ein Multimedia-Radio, Leichtmetallfelgen und einiges mehr dazu. Gegen einen Aufpreis von 700 Euro gibt es intelligentes, variables LED-Licht erstmals in der Kleinwagenklasse.

          Vorn sitzt es sich ausgesprochen gut

          Verzichten könnten wir sofort auf die digitale Instrumentierung, schöner wären klassisch-analoge Instrumente wie in der Basis. Die Anzeigen wirken mit der ausschließlich digitalen Darstellung freudlos, der Drehzahlmesser mit horizontaler Bälkchen-Darstellung lässt sich schlecht ablesen. Schön dagegen ist der optionale, große Schirm für die Navigation in der Mittelkonsole. Die 800 Euro fürs Navigationssystem kann man sich aber eigentlich sparen, wenn man Smartphone-Besitzer ist, der Corsa versteht sich auf Android Auto und Apple Carplay. Damit lässt sich auch navigieren. Eine induktive Ladeschale kostet 135 Euro extra.

          Der Corsa ist ein Kleinwagen und nur 4,06 Meter lang. Doch vorn sitzt es sich ausgesprochen gut, die Sitze sind bequem, und in dieser Ausstattungslinie ist der Fahrersitz elektrisch zu verstellen. Die zahlreichen Ablagen sind gut, das Handschuhfach sitzt aber ungewöhnlich tief im Armaturenbrett. Das gebotene optische und haptische Qualitätsniveau ist höher als früher unter den Fittichen von General Motors. Alle Corsa sind Viertürer, hinten geht es gleichwohl enger zu, auf weite Fahrt will man zu Fünft nicht gehen. Der Kofferraum bietet Platz für rechnerisch 309 Liter, nach dem Umlegen der Rückbanklehne ergibt sich eine fast ebene Ladefläche von gut 1,50 Meter Länge. Und im Kofferraumboden ist noch Platz für ein Reserverad, das sich Opel aber mit 100 Euro bezahlen lässt.

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