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Fahrtbericht Nissan Qashqai : Geländewagen war gestern, heute ist Crossover

Bild: F.A.Z., Hersteller

Geländewagen heißen heute SUV oder Crossover, man sieht sie an jeder Ecke, und sie haben oft nicht einmal mehr Allradantrieb. Dafür aber winzige Motoren. So wie der brandneue Nissan Qashqai.

          5 Min.

          Nur 1,2 Liter Hubraum! Für ein richtig großes Auto mit fast 4,40 Meter Länge. So viel Fülle (oder besser wenig) hatte unser allererster Nissan. Genau genommen war es noch ein Datsun, ein Cherry. Ein Kleinwagen mit 52 PS. 1980 für rund 10.000 Mark neu gekauft (Mama hat bezahlt), sechs Jahre und 202.000 Kilometer später für 1100 Mark abgegeben. Ja, der kleine Cherry war unverwüstlich und ebnete zusammen mit dem kurze Zeit später debütierenden Micra und dem Geländewagen Patrol den Weg für Nissan auf den deutschen Markt.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          34 Jahre später ist das SUV Qashqai der Star, mehr als zwei Millionen Einheiten hat der japanische Hersteller seit der Premiere 2007 schon abgesetzt. Ein Erfolg, mit dem niemand gerechnet hat, und in schwierigen Zeiten die Überlebensgarantie für Nissan.

          Jetzt ist die zweite Qashqai-Generation auf dem Markt, und es sieht ganz danach aus, als bleibe man auf der Erfolgsspur, auch wenn die verlängerte „+2-Varianate“ mit sieben Sitzen ersatzlos gestrichen ist. Für sie entschied sich bislang ein knappes Viertel der Kunden - diese sollen in Zukunft den neuen X-Trail kaufen (ab Sommer).

          Der kleine Motor ist ein erster Paukenschlag, die gelungenen Linien und das Vorhandensein vieler durchaus nützlicher Assistenzsysteme, die man in der Oberklasse vermuten würde, kommen dazu - und nicht nur das Äußere, auch das Innere des Qashqai überzeugt.

          Motor

          Doch der Reihe nach. 1,2 Liter nur, kann das gutgehen? Ja, es kann, wenn auch mit Einschränkungen. Statt 52 PS gibt es heute dank Turbolader und Direkteinspritzung 115 und dazu ein Drehmoment von immerhin 190 Newtonmeter (Cherry 1980: läppische 79 Nm).

          Wüsste man es nicht besser, würde man beim ersten Kennenlernen auf zwei Liter Hubraum tippen. Das Triebwerk wirkt munter, dazu läuft es über weite Drehzahlbereiche sehr leise. Dass Downsizing seine Grenzen hat, ist letztlich doch zu spüren.

          Der Motor ist wenig elastisch, es muss viel geschaltet werden. Eine leichtgängige Box mit klar definierten Wegen hilft dabei. Auch die Kupplung tritt sich leicht. Doch in den hohen Gängen zu beschleunigen ist eine große Geduldsprobe (siehe Datenkasten), das lässt man besser.

          Getriebe

          Für die Höchstgeschwindigkeit (185 km/h) ist ebenfalls ein riesiger Anlauf nötig - am besten nimmt man den vierten von sechs Gängen. Die beiden oberen taugen mehr oder weniger nur zum Senken der Drehzahl.

          Verbrauch

          Die größte Enttäuschung erlebt man, wenn der Tankwart die Rechnung präsentiert. Selbst nach einer Sparfahrt, nach mehr als 200 Kilometer Autobahn mit Tempi um die 120 km/h (bei 2450 Umdrehungen im 6. Gang), ergab sich ein Verbrauch von erschreckenden 7,8 Liter auf 100 Kilometer.

          Wir hatten zumindest eine 6 vor dem Komma erwartet, der Normverbrauch beträgt nur 5,6 Liter. Auch der Gesamtschnitt von 9,2 Liter Super auf 100 Kilometer ist enttäuschend. Der kleine Motor muss viel arbeiten, um den großen Wagen zu bewegen. Das ist die Physik. Vielleicht sollte man schlicht nicht alles erwarten.

          Allrad

          Denn hätte der Qashqai auch noch Vierradantrieb, wäre der Verbrauch noch höher. Aber für den Benziner ist 4×4 nicht vorgesehen, Allrad gibt es nur für den stärkeren von zwei Dieseln. Deshalb spricht Nissan gern von einem Crossover, nicht von einem SUV.

          In einem solchen will man eigentlich schon Allrad haben. Ist doch peinlich, wenn im Winter endlich Schnee liegt, und der „Geländewagen“ scharrt hilflos mit den Vorderrädern übers Eis. Wer Allrad will, muss mindestens 28.900 Euro mitbringen (1,6-Liter-Tubodiesel, 130 PS). Das ist dann schon sehr weit weg vom niedrigen Grundpreis (19.940 Euro).

          Ausstattungsvarianten

          Wer die Basismotorisierung (Ausstattungslinie Visia) als Acenta oder Tekna bestellt, muss schon ordentlich drauflegen. Aber es lohnt sich. 27.450 Euro war der Tarif für unseren Testwagen, dazu kamen noch weitere 1700 Euro für den Metallic-Lack, die Lederausstattung und das „Nissan Safety Shield“ (Bewegungserkennung, Einparkassistent mit Rückfahrkamera, Müdigkeitserkennung, Totwinkelassistent).

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