https://www.faz.net/-gya-94y0q

Fahrbericht Mini Countryman : Die alte Magie lebt im neuen Hybrid-Großformat

Mini Countryman Bild: Hersteller

Der Mini Countryman mit Dreizylinder und Elektroantrieb ist ein munterer Wagen. Aber auch ein vorlauter Kerl, der nur auf kurzen Strecken wirklich sparsam ist.

          Von einem Mini allein konnte die Marke nach ihrer Wiedergeburt nicht leben. Auch wenn die erste Kleinfamilie der neuen Generation ab 2001 an der Brust von BMW schon mit drei Varianten auffuhr, war das für die neuen Kunden zu mickrig. Wachstum war angesagt, das aktuelle Spitzenmodell mit einem Hauch von Mini-Magie ist der Countryman seit Anfang 2017. Dessen Zeitgeistversion firmiert unter dem etwas wirren Etikett Countryman Cooper S E All4 Automatik. Wobei der Buchstabe E für den dynamischen Einsatz der Elektrizität steht, deren Energie in einer Batterie gespeichert und mit Elektromotor zur Unterstützung des Verbrennungsmotors genutzt wird.

          Wolfgang Peters

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Dieser Vollformat-Mini ist ein Plug-in-Hybrid, er kann an der Haushaltssteckdose oder einer Ladesäule aufgeladen werden, und diese Technik ist dafür verantwortlich, dass der Countryman quasi mit zwei Persönlichkeiten unter einem Dach aufwartet: Er ist ein Hybrid-Mini und ein Maximal-Mini. Dabei darf die Hybrid-Technik als Übergangslösung eingeschätzt werden. Wenn sich die Batterie-Talente weiter stürmisch entwickeln, dann gehört die Zukunft dem rein elektrisch fahrenden Mini.

          Die stärkste Mini Variante mit 231 PS trägt den Zusatz John Cooper Works. Die kaum weniger potente Ausführung des E-Countryman ist dazu das Gegenstück: Denn die dort implantierte Hybridtechnik soll nicht mit Power verführen, sondern mit Sparsamkeit im Verbrauch überzeugen. Dieser Countryman darf als uncooperhaft wirkender Gleichteile-Ableger im SUV-Format gelten. Geteilte Technik bedeutet auch geteilte Kosten, deshalb fährt der Countryman-Hybrid auf der BMW-Plattform des 225 Active Tourer und kommt mit Motor und Getriebe, die der Zweier ebenfalls nutzt. Trotz dieser Kostenminderungs-Strategie ist der Countryman S E kein Billigableger. Mit dem serienmäßigen Sechsgang-Automatikgetriebe und einem im Steuerungsaufwand anspruchsvollen Allradantrieb tritt er mit 36 500 Euro an. Der Testwagen stellte sich mit seiner langen Liste von Extras auf gut 50 000 Euro. Nur der Mini John Cooper Works All4 ist im Basispreis mit 39 500 Euro noch teurer.

          Trotz seiner aufwendigen Hybrid-Technik läuft der Mini-SUV die meiste Zeit wohl mit der Kraft der Verbrennungsmaschine. Dafür ist der kleine Dreizylinder-Benziner zuständig. Er wird zwar mit Turbolader und weiteren technischen Kniffen auf Leistung und leidlich Durchzugskraft getrimmt, aber eine Maschine für den notorisch-motorischen Gourmet ist das nicht. Schon gar nicht akustisch. Der wenig souverän agierende Dreizylinder raschelt wie altes Laub bei niedrigen Touren, murrt dann irgendwie herum und belastet das Gehör auf der Autobahn von 150 km/h an mit knurrigen und dröhnenden Tönen. Für flottes Fahren auf der Landstraße oder im Gebirge muss die kleine Maschine hochgedreht werden, bei 4400/min gibt es ihre Höchstleistung. Besonders lästig und nervös gestaltet sich der Auftritt des Verbrennungsmotors bei längerer Fahrt auf der Autobahn. Denn der Hybrid hält nicht das, was von der Batterie versprochen wird. Für rund 41 Kilometer soll die elektrische Energie als alleinige Antriebsmacht dienen dürfen, auf unseren Fahrten kamen wir selbst unter Aufbietung unserer feinsten Verzichtgefühle nicht über 30 Kilometer hinaus. Und selbst unter gelegentlicher Hinzufügung von „verbrennungsmotorischem Antrieb“ (Mini-Definition im Display) erschöpfte sich der Antriebs-Akku schnell. Die Folgen sind nicht dramatisch, sondern waren zu erwarten. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,3 Liter Benzin entpuppt sich der normierte Kombinationsverbrauch von 2,1 bis 2,9 Liter Benzin als frech-schöner Schein. Für kurze Strecken freilich täuscht der Hybrid mit geladenem Akku den entschlossenen Knauserer vor. Weg von der heimischen Steckdose und in den nahen Ort zum Einkaufen oder ins Kino, da wird der Fahrer durch den Benzin-Geiz betört. 2,6 Liter Benzin werden signalisiert als 100 km/h-Konsum, aber diese lange Verbrauchsdistanz ermöglicht nur der Verbrenner. Nur wer nach jeder kleinen Tour nachladen kann, darf auf Alltagsbenzinverbräuche von etwa 3 Liter hoffen, dazu addieren sich laut Bordrechner etwa 5,4 kW/h. Für eine volle Batterie nuckelte der Hybrid an unserem Haushaltsnetz mehr als drei Stunden.

          Weitere Themen

          Mit einem, zwei oder drei Motoren

          Toyota RAV4 : Mit einem, zwei oder drei Motoren

          Der Toyota RAV4 kam 1994 erstmals auf den Markt. Er war hochbeinig wie ein Geländewagen, hatte auch Allradantrieb. Mit der fünften Generation hat sich noch einmal einiges geändert.

          Umarmung mit 460 PS Video-Seite öffnen

          F.A.Z. Fahrbericht : Umarmung mit 460 PS

          Porsche, das waren einmal der 356 und später der 911 und sonst nichts. Heute gibt es auch SUV`s Limousinen und sogar Kombis, wie den Panamera GTS Sport Turismo.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.