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Fahrbericht Mercedes S 500 : Der lautlose Luxus

Bild: F.A.Z., Hersteller

Ist die Plug-in-Technik mehr als ein Zwischenschritt auf dem Weg zum elektrischen Fahren? In einem Luxuswagen lassen wir uns das lautlose Gleiten gern gefallen.

          4 Min.

          Die Versuchung ist groß. Genau 109 777 Euro verlangt Mercedes-Benz sowohl für den S500L als auch für den S500L Plug-in-Hybrid. Das ist eine Einladung, sich für den technisch aufwendigeren Hybrid zu entscheiden. V8 und viel Hubraum war doch gestern, heute gilt V6 (mit immer noch drei Liter Raum über den Töpfen) und dazu ein kräftiger Elektromotor mit 85 kW, fertig ist eine Systemleistung von 442 PS - das sind nur drei Pferde weniger als im S500L. Und der kann nicht rein elektrisch fahren. Gerade dies macht aber einen Großteil des Charmes dieser S-Klasse aus.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Dabei muss man noch nicht einmal im E-Modus unterwegs sein. Auch im konventionellen Hybrid-Betrieb fährt der S500 oft elektrisch und lässt bei niedrigen Geschwindigkeiten den V6-Motor zunächst aus oder schaltet ihn ab, wenn man zum Beispiel ins Parkhaus gefahren ist. Auch die Vorfahrt vors Hotel gelingt in der Regel lautlos. Majestätisch nähert sich die 5,25 Meter lange Limousine dem roten Teppich. Uns gefällt das, und wir glauben, dass diese Vornehmheit gut zu einer Repräsentationslimousine passt.

          Was die Fahrleistungen angeht, muss sich die E-S-Klasse überhaupt nicht hinter der V8-S-Klasse verstecken. Im Gegenteil. Wer das Gaspedal voll durchtritt, boostet mit dem E-Motor den V6, der für sich genommen immerhin auch 333 PS aufbietet, und schwupps sind aus dem Stand in 5,5 Sekunden 100 km/h erreicht. Da sage noch einer, Elektroautos seien lahme Enten. Nach oben setzt die Elektronik bei 250 km/h eine Grenze. Rein elektrisch wären 140 km/h drin. Soll es schneller gehen, springt der V6 bei, was auch geschieht, wenn elektrisch gefahren wird und plötzlich - für einen Zwischenspurt - höhere Leistung gefordert ist. Der E-Modus kann per Knopfdruck gewählt werden, solange die Akkus ausreichend Saft haben. Wenn gewünscht, lädt der V6 die Batterie während der Fahrt, was ungefähr eine Strecke von 60 Kilometer erfordert und selbstverständlich den Verbrauch um zirka 20 Prozent erhöht. Weit weniger verbrauchsintensiv ist das „Halten“ einer geladenen Batterie. Dass beim Bremsen oder der Bergabfahrt rekuperiert, also Strom gewonnen wird, sei der Vollständigkeit halber erwähnt.

          Das klingt alles kompliziert, ist aber im Alltag unproblematisch. Was die rein elektrische Reichweite angeht, verspricht Mercedes bis zu 33 Kilometer mit dem Batteriestrom, die Batterie hat eine Kapazität von neun kWh. Wie schon im Porsche Cayenne E-Hybrid beeinträchtigte der Winter mit Temperaturen um oder unter dem Gefrierpunkt die Leistungskraft der Akkus. Mehr als 20 Kilometer waren nicht drin, oft kamen wir mit einer Ladung nur 14 bis 18 Kilometer weit. Wohlgemerkt bei schonender Fahrweise. Das ist wenig und reichte nicht für die Fahrt vom oder ins Büro (22 Kilometer). Ganz leer wird die Batterie nie gefahren, sind zehn Prozent Ladezustand erreicht, wird auf Hybrid-Betrieb umgeschaltet.

          Lohnt sich der ganze Aufwand? Je nachdem, wie viel man elektrisch fährt, kann man die reinen Kilometerkosten schon merklich drücken. Nur als Stromer bewegt, kamen wir auf einen Verbrauch rund 40 kWh pro 100 Kilometer (wie im Cayenne). Bei einem Tarif von 25 Cent je kWh sind das rund zehn Euro auf 100 Kilometer. Das ist günstiger als die Fahrt mit dem V6-Motor, doch welcher S-Klasse-Käufer rechnet mit dem Cent? Ohne die rein elektrisch gefahrenen Strecken zu berücksichtigen, kamen wir auf einen Durchschnittsverbrauch von 10,5 Liter auf 100 Kilometer. Es zahlt sich offenbar aus, dass die intelligente Motorsteuerung, sooft es geht, den Verbrenner ganz aus dem Spiel nimmt. Mit dem V8-S500L kam die Redaktion auf einen Durchschnittsverbrauch von 11,6 Liter (F.A.Z. vom 18. März 2014). Der Unterschied ist geringer als erwartet, zumal der V8 Allradantrieb hatte. Den gibt es für den Hybrid nicht, auch eine Anhängerkupplung ist nicht möglich.

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