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Fahrbericht Mercedes-Benz V-Klasse : Es war einmal ein Bus

Bild: F.A.Z., Hersteller

Seit Ewigkeiten fährt Mercedes-Benz der Wolfsburger Konkurrenz hinterher. Jetzt kommt die neue V-Klasse. Und die geneigte Kundschaft aus dem Staunen nicht mehr heraus.

          4 Min.

          Wie lang ist es her, dass Mercedes-Benz abgeschrieben wurde? Der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche musste angeblich gehen. Das Design von Gorden Wageners Team war die vermeintliche Gerade in den Untergang. Und gegen die südbayerische Innovationskraft fiel den Schwaben ja auch nichts mehr ein. Ein Jahr? Zwei? Heute ist wegen Russland-Konflikt und China-Kartell zwar bei weitem nicht alles in Butter, aber der Stern strahlt so hell, als ob es nie Schatten gegeben hätte.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die Untergangspropheten sind plötzlich unauffindbar. Von der direkten Konkurrenz waren die düstersten Töne indes schon lange nicht mehr zu hören, wissen die Ingenieure doch auf informellen Wegen, welche Ware die Hersteller bei den Zulieferern bestellen. Und dort hat Mercedes-Benz mächtig Dampf gemacht. Das Ergebnis ist eine S-Klasse, die Maßstäbe im Oberhaus setzt. Eine C-Klasse, die für Aufsehen im mittleren Management sorgt. Da wäre es doch gelacht, wenn sich nicht auch an anderer Stelle Rückstand aufholen ließe.

          Konkurrenz VW Multivan

          Der womöglich größte Dorn im Stuttgarter Auge ist der Multivan aus Wolfsburg, umgangssprachlich besser bekannt als VW Bus. Gegen ihn hatte der Viano nie eine richtige Chance. Über Generationen hat Mercedes-Benz sein Kleinbus-Geschäft den schweren Jungs im Hause überlassen, doch wer Lastwagen baut, hat mit VIP-Shuttles für Stars und Kids offenbar Probleme. Damit sollte Schluss sein. Es sollte ein Bus her, der sich wie ein Personenwagen anfühlt. Der wie ein Personenwagen fährt. Der nicht aussieht wie ein dröger Schuhkarton, sondern wenigstens wie ein eleganter Schuhkarton. Jetzt ist die neue V-Klasse da, und wir dürfen konstatieren: Mission gelungen.

          Drei Dinge stechen hervor: Design, Komfort, Geräusch. Der Auftritt hat einen großen Schritt gemacht. Außen wirkt die V-Klasse deutlich eleganter als der Vorgänger, und weil Mercedes-Benz Maß gehalten hat, wirken auch die Proportionen gelungener. Mit vollständiger Verfügbarkeit aller Modelle werden zwei Radstände und drei Größen angeboten. Die Außenlänge reicht von 4,89 Meter bis 5,37 Meter, das Ladevolumen liegt zwischen 610 (Kompakt mit Sitzen im Fond) und 5010 Liter (Extralang ohne hintere Sitze).

          Innen schick

          Als der Linie förderlich und im Alltag praktisch erweist sich die niedrigere Karosserie. Die V-Klasse misst 1,88 Meter Höhe (ohne die schicke Dachreling), das ist schon in manchem deutschen Parkhaus die Rettung. Ganz zu schweigen von Spanien, Italien oder Frankreich. Wer sich dort unterstellen will, sieht oft das Schild „Maximale Höhe 1,90 Meter“. Für das Leben im Inneren hat der Beschnitt kaum spürbare Auswirkungen, es geht luftig zu.

          Einmal eingestiegen, ist Staunen angesagt. Schwungvoll und edel ausgestaltete Flächen lassen jeden Anflug von Nutzfahrzeug vergessen. So einen schicken Kleinbus hat es wohl noch nie gegeben. Die vorderen Sitze haben wir als bequem, aber nur knapp ausreichend tief geschnitten empfunden. Auf den hinteren herrscht reine Wohlfühlatmosphäre.

          Umbau schwierig

          Wer mehr als sechs Personen transportieren möchte, kann hinten zu Dreierbänken greifen, so wird die V-Klasse zum Achtsitzer. Weil die Sitze zwar auf Schienen verschiebbar, aber nicht auf dem Gestell drehbar sind, muss bisweilen Hand angelegt werden. Die angeblich kinderleichte Übung des Aus- und Einbaus darf getrost als Werbegag abgetan werden. Die Stühle wiegen offiziellen Angaben zufolge 28 Kilogramm, wir wogen deren 31.

          In jedem Fall ist das mit den Ungetümen ein Kraftakt, der keine Freude bereitet. Für verbesserungsfähig halten wir die Heiz- und Kühlluftverteilung, die trotz diverser Einstellungen unharmonisch ist. Und die Logik hinter der Möglichkeit, die Radio-/Navigationseinheit sowohl über den Drehsteller als auch über das darüber hängende Schreibpad zu bedienen, erschließt sich nicht.

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