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Fahrbericht Mercedes-Benz S300 : Das kleine E hilft dem großen S

  • -Aktualisiert am

Bild: Mercedes

Die Mercedes-Benz S-Klasse ist ein Stück deutscher Automobilgeschichte. Zum zweiten Mal ist sie jetzt mit einem Vierzylinder-Dieselmotor zu haben. Der wird aber nun von einer E-Maschine unterstützt.

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          Vier ist sexy, auch in der S-Klasse. Schon seit 2011 begnügt sich der S 250 CDI mit nur vier Töpfen, und auch damit kann man prima leben. Inzwischen ist das Modell aus dem Programm genommen, ein einfacher Vierer ist für den obersten aller Sternenträger vielleicht doch zu wenig. Alle, die in der S-Klasse besonders sparsam fahren wollen, bedient jetzt der S 300 Bluetec Hybrid. Er ist der erste Dieselhybrid in der Oberklasse und obendrein die fast billigste Art, die unlängst erneuerte S-Klasse zu fahren. Für 80 920 Euro gibt es 150 kW (204 PS) und einen Elektro-Bonus von 20 kW (27 PS) dazu, nur der nicht S 350 Bluetec mit seinem „einfachen“ V6-Diesel kostet rund 1000 Euro weniger.

          Der Diesel-Hybrid macht trotz seiner Ansprüche auf Konsumverzicht kaum Zugeständnisse an technisches Leistungsvermögen oder Ausstattungsoptionen. Gut - einen Anhänger ziehen darf er nicht, egal ob gebremst oder ungebremst. Aber all die feinen Oberklassen-Extras, die das Fahren auf der Erfolgsstraße erst zum Erlebnis machen, sind mit von der Partie. Das Head-up-Display etwa, erst mit der Einführung des Hybriden im Frühsommer debütierte es in der Optionsliste. Die Schar der Assistenten tritt auf Wunsch vollzählig an, serienmäßig sind die Warner vor Müdigkeit am Lenkrad, der Seitenwind- und der Verkehrsschildassistent an Bord.

          Mit spielerischer Leichtigkeit über die Grenze von 100.000 Euro

          Wenn schon Treibstoff gespart werden soll, dann doch bitte auf höchstem Niveau. Der Gesamtpreis für den Einstieg in die Mercedes-Oberklasse schießt dann auch mit spielerischer Leichtigkeit über die Grenze von 100.000 Euro hinaus. Die Ausstattungsopulenz birgt weitere Tücken. Sicher, die neue S-Klasse ist leichter als die Vorgängergeneration. Dennoch bringt der S 300 Bluetec Hybrid schon unbeladen satte 2015 Kilogramm auf die Waage. Und weil der Kofferraum ganz anständige 510 Liter fasst, also kein Dezimeter weniger als bei den konventionell motorisierten S-Klassen, obendrein Fahrer und Passagiere in dieser Fahrzeuggattung erfahrungsgemäß meist deutlich mehr als die per Norm festgelegten 68 Kilogramm Körpergewicht mitbringen, ist die Zuladung großzügig bemessen. Mit einem erlaubten Gesamtgewicht von fast 2,7 Tonnen bewegt sich der Hybrid schnurstracks in das Fahrwasser leichter Nutzfahrzeuge.

          Bedenken, das Motoren-Duo werde mit der Last nicht fertig, zerstreuen sich schnell. 500 Newtonmeter liefert der 2,2-Liter-Dieselmotor zwischen 1600 und 1800 Umdrehungen, 250 Nm Drehmoment steuert der Elektromotor als Anschieberle bei. Klingt beeindruckend, fährt sich aber äußerst räsoniert. Ein Asphalt-Aufreißer ist der Dieselhybrid nicht, auch wenn er den Sprint von 0 auf 100 km/h in 7,6 Sekunden bewältigt. Aber der Reihe nach. Per Knopfdruck wird nicht der Motor gestartet, sondern der Antriebsstrang in Bereitschaft versetzt. Groß werden Tacho und Drehzahlmesser in perfekter Grafik auf dem Breitbildschirm im Cockpit angezeigt. Und auch das grün dargestellte Wort „Ready“ signalisiert, dass es jetzt losgehen kann.

          Mit Strom allein kommt man nicht weit

          An die Positionierung des Wählhebels der siebenstufigen Automatik an der Lenksäule haben wir uns mittlerweile gewöhnt, lässig wechselt die Anzeige von Park- zu Dauerbetriebsstellung. Jetzt ein sanfter Druck auf das Gaspedal, und ebenso sachte wie leise rollen zwei Tonnen Gewicht langsam voran. Nach dem lautlosen, elektrischen Anfahren übernimmt der Diesel völlig ruckfrei und nur mäßig knurrend. Der Füllstand der Batterie wird prozentual angegeben. Ohne Gas stellt die Start-Stopp-Automatik den Motor ab, Daimlers Flaggschiff segelt mit dem Schwung weiter. Ein Achtel der Drehzahlmesserskala stellt die Energie-Rückgewinnung mit einem grünem Pfeil dar, wenn gebremst wird. Mit Strom allein kommt der S 300 Hybrid jedoch nicht weit, meist reicht die Energie allenfalls für einige 100 Meter. Und nur in Schleichfahrt, die allenfalls in der Tempo-30-Zone im Wohngebiet das Missfallen anderer nicht weckt.

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