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Fahrbericht Mercedes E300 E : Gut Ding will Weile haben

Bild: Helge Jepsen

Zur Mitte ihres Daseins wird der E-Klasse eine Auffrischung zuteil. Dabei geschieht ein Kuriosum. Plötzlich stehen alle Zeichen auf Hybrid. Mercedes liefert gleich zwei Antworten.

          4 Min.

          Die älteren Semester werden sich erinnern, dass Mercedes-Benz früher Autos zugeteilt hat. Jahreswagen von Werksangestellten waren so teuer wie Neuwagen, weil sie sofort verfügbar waren. Auf den roten 240 Diesel, den sich der Vater des Autors als ersten Neuwagen seines Lebens leistete, wartete die Familie ein Jahr, und als das Schmuckstück da war, war es auch schon wieder weg. Nach zwei Wochen humpelte der Mercedes nach Hause als ein Häuflein Schrott, an einer roten Ampel war jemand hinten aufgefahren.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Wer heute eine E-Klasse bestellt, muss wieder Geduld mitbringen, Mercedes erweist sich als Weltmeister im Vertrösten. Aufträge für Modelle mit Verbrennungsmotor werden Monat für Monat nach hinten geschoben, weil am Jahresende erstmals ernsthaft die CO2-Werte der Flotte abgerechnet werden und bei Überschreiten bestimmter Grenzwerte Strafzahlungen an die EU drohen. Deshalb forciert die Produktsteuerung die Modelle mit Hybridantrieb, und der Vorstand hat eine Entscheidung aus dem Kuriositätenladen getroffen. Minuten vor dem Marktstart wurde der neue Vierzylinder-Benziner aus dem Angebot gestrichen. Das unter der Modellbezeichnung E 350 gedachte Aggregat ist nicht irgendein Motor, sondern ein Hightech-Derivat mit Formel-1-Anleihen, geballte Innovation im Zeichen des Stuttgarter Sterns, die zu feinen Fahrleistungen mit niedrigem Verbrauch führt. Gestrichen, weil die Produktionskapazität für Plug-in-Hybride gebraucht wird, deren Fabelemissionswerte das CO2-Konto tiefgrün färben.

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