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Mercedes-Benz E 30 Coupé : Eine erschreckend schöne Form der Geldausgabe

Wo E drauf steht, ist jetzt auch wieder E drin. Bild: Daimler AG

Lange Zeit waren E-Coupés eine Mogelpackung, denn sie wurden technisch von der kleineren C-Klasse abgeleitet. Jetzt ist wieder E drin, wo E drauf steht.

          5 Min.

          In diesen Tagen wird wieder mächtig auf das Auto als solches eingeprügelt. Man schämt sich ja schon fast, wenn man sich dazu bekennt, dass man Autos liebt, gern Auto fährt und die Vielfalt an Typen und Karosserieformen beglückend findet. Sollen wir alle wieder Trabi oder Käfer fahren? Eine der Stärken des Autos ist es, dass es für fast jeden Zweck eine Option bereithält. Für die Stadt, für den Transport, für die Familie, für die Rennstrecke, fürs Gelände und natürlich zum Genießen. Womit wir beim Coupé wären.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Rechnen wir rein rational, dürfte es so etwas gar nicht geben: weniger Auto auf gleicher oder gar kleinerer Fläche für mehr Geld. Es funktioniert aber. Schon seit den 1960er Jahren bietet Mercedes-Benz von seiner mittleren Baureihe, einst intern /8, später intern 123, dann 124 und seit Beginn der 1990er Jahre offiziell E-Klasse genannt, Coupés an. In den vergangenen Jahren war es freilich eine kleine Mogelpackung, denn die E-Coupés wurden technisch von der kleineren C-Klasse abgeleitet. Doch von dieser Lösung ist Mercedes-Benz mit der neuen Generation der mittleren Baureihe, die im Herbst 2016 debütierte, abgekommen. Auch im Coupé ist jetzt wieder E drin, wo E draufsteht. Dass die Typenbezeichnungen nicht mehr analog mit dem Hubraum der Motoren gehen, steht auf einem anderen Blatt. Das Coupé wurde im Frühjahr 2017 nachgeschoben, zurzeit macht es an den Neuzulassungen in Deutschland ungefähr ein Drittel der E-Klassen aus, allerdings inklusive der Cabrios, die wiederum ein Sechstel der Coupés ausmachen.

          Beim Coupé zahlen die Kunden für etwas weniger Radstand und etwas weniger Länge mindestens 46493 Euro für den 200er. Die Limousine mit dem 184-PS-Motor kostet rund 3500 Euro weniger. Übrigens sind diese beiden Basismodelle die einzige Möglichkeit, noch einen Handschalter mit 6 Gängen in der E-Klasse zu fahren. Alle anderen Versionen haben die Neungang-Automatik.

          Dass Coupés funktionale Nachteile haben, sollte jedem Käufer bewusst sein. Mit nur zwei Türen fällt der Einstieg in den Fond eher schwer, dort ist zudem nur Platz für zwei und nicht für drei, und üppig ist das Raumangebot außerdem nicht. Aber man sitzt besser als vielleicht gedacht, die Kopffreiheit ist knapp ausreichend, nur sieht man als Rücksitz-Passagier dank des flachen Dachs nur wenig von der Außenwelt. Nach wie vor lassen sich die vier Seitenfenster vollständig nach unten fahren, eine B-Säule gibt es ebenso wenig wie eine Mittelarmlehne für den Fond. Stattdessen sind hier zwei Becherhalter mittig in der Bank eingelassen, und die Ski-Durchreiche kann die Armlehne ersetzen, wenn man sie herunterklappt. Vom Kofferraum aus lassen sich auch die beiden Sitzlehnen flachlegen. Das schafft bessere Lademöglichkeiten. Der Kofferraum selbst ist mit einem Fassungsvermögen von 425 Liter deutlich kleiner als der in der Limousine, die es auf 540 Liter Ladevolumen bringt. Der andere Karosserie-Schnitt und die neun Zentimeter weniger Außenlänge machen sich bemerkbar. Doch niemand kauft ein Coupé als Familienwagen, die funktionalen Nachteile zählen schlicht nicht. Das gutsituierte Paar, dessen Kinder außer Haus sind, möchte sich lieber an der schönen Form erfreuen. Und die Enkel passen allemal in den Fond. Klar muss jedoch sein, dass deren Uroma allenfalls in den Fond hinein kommt, aber nie mehr heraus. So gelenkig ist sie einfach nicht mehr.

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